Das spontane Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Rüdiger Kraus über Grenzen der persönlichen Freiheit

Volker Endres im Gespräch mit Rüdiger Kraus (rechts).
Volker Endres im Gespräch mit Rüdiger Kraus (rechts).

Irgendwo in Lu sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Am Montag haben wir in Friesenheim Rüdiger Kraus getroffen. Der 73-jährige Rentner ist geübter Handwerker und fleißiger Fahrradfahrer – selbstverständlich ohne Motor.

Es ist ganz schön frisch, aber Sie sind trotzdem mit dem Rad unterwegs?
Ja, obwohl zu Hause auch ein großes Auto steht, erledige ich im Umkreis von rund zehn Kilometern alles mit dem Fahrrad – solange es nicht stark regnet oder Glatteis herrscht. Ich glaube, dass man in diesem Umkreis mit dem Fahrrad schneller unterwegs ist, und man bekommt in der Regel auch immer einen Parkplatz direkt vor der Tür. Mit dem Auto fahre ich wirklich nur sehr selten.

Und das alles ohne einen Elektromotor?
Ja. Auch das ist eine bewusste Entscheidung. Man braucht als Mensch schließlich Bewegung. Ich bin jahrelang mit dem Auto in die BASF gefahren, habe dort gearbeitet, bin dann mit dem Auto zum Joggen auf die Parkinsel gefahren und dann erst nach Hause. Bis mir irgendwann aufgefallen ist, dass ich die Bewegung ja auch bekomme, wenn ich mit dem Fahrrad ins Werk und wieder nach Hause fahre. Und schneller daheim war ich außerdem.

Wie lange waren Sie bei der BASF?
Das waren nur knapp 35 Jahre.

Vorne sind die Parkplätze gerade wieder für die Jubilarfeier abgesperrt. Welche Erinnerung haben Sie daran?
Ich weiß, dass es etwas Gutes zu Essen gab. Damals war ein Zauberer dabei. Und ein Vorstand ging von Tisch zu Tisch und hat sich mit den Leuten unterhalten.

Was haben Sie bei der BASF gemacht?
Ich habe Maschinenbau studiert und war im Anlagenbau zur Projektierung von Lager und Transport tätig. Das große Lager in der Nähe der Pfingstweide habe ich damals mit aufgebaut.

Ist man als Maschinenbauer auch automatisch handwerklich geschickt?
Das weiß ich gar nicht. Bei mir ist es aber so. Ich mache gerne kleinere Reparaturen und bin im Garten tätig. Es ist aber auch ein kleines bisschen Notwehr, denn bei vielen Handwerksbetrieben wird man übers Ohr gehauen. Als bei mir einmal der Heizungskessel undicht war, wollten mir drei Handwerker gleich einen neuen Kessel für 10.000 Euro verkaufen. Dabei war nur das Ventil undicht. Das habe ich dann selbst gemacht. Das Ventil und die Dichtungen haben im Baumarkt weniger als zehn Euro gekostet und danach war alles wieder okay. Die wollen einen für blöd verkaufen. Und in der Politik ist das genauso.

Wie meinen Sie das?
Da wird vieles zu zögerlich entschieden und nur mit Blick darauf, möglichst keine Wähler zu verprellen. Das sieht man aktuell ja beim Thema Impfen. Da passiert alles nur sehr schrittweise und mit dem vorsichtigen Hinweis, dass eine Impfpflicht vom Bundesverfassungsgericht einkassiert werden würde. Dabei sagen selbst ehemalige Verfassungsrichter, dass das Quatsch ist. Kinderimpfungen bei Kleinstkindern sind ja heute schon Pflicht. Wir müssen die Leute schützen, die sich nicht impfen lassen können. Das sollte die Politik klar sagen. Jede persönliche Freiheit hat eben ihre Grenzen, wenn es um den Schutz der anderen geht. Es ist schlicht unmöglich, dass jeder eine totale Freiheit hat. Man hat in einer Demokratie eben auch Pflichten.

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