Ludwigshafen
Protestanten wählen neuen Dekan
Noch ein halbes Jahr lang leitet Barbara Kohlstruck als Dekanin den Protestantischen Kirchenbezirk Ludwigshafen mit 35.385 Mitgliedern. Ende April endet ihre zehnjährige Amtszeit, wie die 62-Jährige im Gespräch erläutert. Zum Herbst 2022 will Kohlstruck in den vorgezogenen Ruhestand gehen. Ende Juni war daher die Pfarrstelle Jona 2 in Verbindung mit dem Dekanat im Amtsblatt ausgeschrieben worden. Bewerbungsschluss war der 15. August. Die Kirchenregierung in Speyer hat nun nach Angaben der Dekanin die Bewerbung von Paul Metzger, dem einzigen Kandidaten, geprüft und zugelassen.
Der 48-jährige Pfarrer aus der Pfingstweide muss sich demnächst in drei kirchlichen Gremien vorstellen: im erweiterten Presbyterium der Jona-Kirchengemeinde (Hemshof, Mitte und West), im erweiterten Bezirkskirchenrat und im Synodalausschuss, der eigens für die Wahl des künftigen Dekans gebildet wird. Alle drei Gremien geben im Anschluss jeweils ihr Votum ab. Die Wahl durch die Bezirkssynode soll schließlich am 26. November stattfinden. Hier benötigt der Kandidat eine absolute Mehrheit, damit er ab 1. Mai Dekan werden kann.
Promovierter Theologe und Radiopfarrer
Paul Metzger hatte sich bereits im vergangenen Herbst um das Amt eines Geistlichen Oberkirchenrats in Speyer beworben, nachdem die damalige Amtsinhaberin Dorothee Wüst zur Kirchenpräsidentin gewählt worden war. Im dritten Wahlgang hatte sich jedoch der Germersheimer Dekan Claus Müller in der Landessynode gegen den Ludwigshafener Pfarrer Metzger und einen weiteren Kandidaten durchgesetzt.
Bildung ist das Lebensthema des Theologen aus der Pfingstweide, der vor drei Jahren eine Universität für Laien gegründet hat: Von 2000 bis 2005 war Paul Metzger Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Jahr 2004 wurde er promoviert, seine Dissertation wurde ausgezeichnet. Nach dem Vikariat arbeitete er als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Evangelische Theologie der Universität Koblenz-Landau. Seitdem ist er als Lehrbeauftragter in Koblenz tätig. Von 2009 bis 2017 war er Catholica-Referent am Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim. Die Pfarrstelle in der Pfingstweide übernahm der verheiratete Vater von zwei Kindern im Jahr 2017. Im Radio ist er auch manchmal zu hören: Mit zahlreichen Rundfunkandachten beteiligt er sich an der kirchlichen Verkündigungsarbeit im Südwestrundfunk (SWR).
Immer mehr Aufgaben
Dass Paul Metzger der einzige Kandidat ist, der sich nun um die Nachfolge von Barbara Kohlstruck bewirbt, ist der Dekanin zufolge nicht ungewöhnlich. „Die Tendenz geht zu einer Bewerbung“, erklärte die 62-Jährige und verwies auf die jüngsten Neuwahlen in Neustadt, Germersheim und Pirmasens. Auch dort habe es jeweils nur einen Bewerber gegeben.
Nach Ansicht der Amtsinhaberin liegt das auch daran, dass die Aufgabe in den vergangenen Jahren immer anspruchsvoller geworden ist. Viele Aufgaben wie das Pfarrstellenbudget oder Baumaßnahmen, über die früher in Speyer entschieden worden sei, seien mittlerweile auf die mittlere Kirchenebene verschoben worden. Vor allem beim Personalmanagement müsse man viel Überzeugungsarbeit leisten. „Das Dekanat hat mehr Aufgaben, aber nicht mehr Ressourcen bekommen“, bilanziert Kohlstruck.
Keine Frauen in Sicht
Ab 2022 wird der Dekanin zufolge keine einzige Frau mehr in der Pfälzischen Landeskirche dieses Amt bekleiden, da auch die Frankenthaler Dekanin Sieglinde Ganz-Walther in den Ruhestand geht und keine Nachfolgerin in Sicht ist. Es sei daher eine Herausforderung für die Landeskirche, die Vereinbarkeit von Amt und Familie auf den Prüfstand zu stellen, meint Kohlstruck, die Mutter zweier erwachsener Söhne ist und mit ihrem Mann in Edigheim lebt. Bei den jüngeren Pfarrern gehe die Tendenz sehr stark in Richtung Teamarbeit und Aufteilung von Arbeitsfeldern. Das sei aber derzeit für das Dekansamt noch nicht vorgesehen.