Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Dekanin Barbara Kohlstruck über Gottesdienste in Zeiten der Corona-Pandemie

Das geplante Konzert der Bezirkskantorei in der Friedenskirche findet nicht statt.
Das geplante Konzert der Bezirkskantorei in der Friedenskirche findet nicht statt.

Die Ausbreitung des Coronavirus legt nach und nach weite Teile des öffentlichen Lebens in Ludwigshafen lahm. Das betrifft auch die Kirchen. Evangelische Gottesdienste finden an diesem Wochenende zwar noch statt, aber nicht alles wird wie gewohnt ablaufen. Und es gibt viele offene Fragen, sagt Dekanin Barbara Kohlstruck.

Frau Kohlstruck, worauf müssen sich evangelische Christen am Wochenende beim Gottesdienst einstellen?
Wir haben die Gottesdienste bisher nicht abgesagt. Es kann aber sein, dass sich dies bis Sonntag noch ändert. Sofern die Gottesdienste stattfinden, müssen alle Besucher registriert werden. Das verlangt die Stadtverwaltung.

Wie wird die Registrierung ablaufen?
Die Gläubigen müssen vor dem Betreten der Kirche ihre Personalien in einen Fragebogen eintragen und drei Fragen beantworten. Zum Beispiel, ob sie zuletzt in einem Risikogebiet waren.

Was passiert dann mit diesen Daten?
Wir werden sehr sorgsam damit umgehen und die Daten spätestens nach vier Wochen vernichten. Sie werden garantiert nur zum Zweck einer möglichen Nachverfolgung im Infektionsfall verwendet.

Halten Sie an der persönlichen Begrüßung der Gläubigen per Handschlag fest?
Nein, es wird keine Begrüßung und keine Verabschiedung per Handschlag geben. Das wäre unverantwortlich.

Wie halten Sie es mit den Abendmahlsfeiern?
Wir feiern als Protestanten nicht in jedem Gottesdienst Abendmahl. Es ist also kein Problem, Abendmahlsfeiern derzeit auszusetzen. Für den Fall, dass Abendmahl gefeiert wird, sollen Einzel- statt Gemeinschaftskelche benutzt werden. Außerdem achten wir in der Vorbereitung auf eine besondere Hygiene.

In einer Woche beginnen die Konfirmations-Gottesdienste, zum Beispiel in der Lukaskirche in Süd. Viele Jugendliche und ihre Familien haben große Feste organisiert. Werden diese Gottesdienste wie geplant stattfinden?
Nachdem die Landesregierung am Freitag Veranstaltungen mit mehr als 75 Personen untersagt hat, sind Konfirmationen davon in der Regel betroffen. Ich rate zu einer Verschiebung der Konfirmation. Wo eine Konfirmation stattfindet, muss die 75 Personen-Grenze eingehalten werden. Das ist zum Beispiel dadurch möglich, dass zwei Gottesdiensttermine angeboten werden oder die Anzahl der Teilnehmer beschränkt wird. Wir wollen in jedem Fall verantwortbare Lösungen finden.

Wann werden diese offenen Fragen geklärt?
Eigentlich sollte am Wochenende die Bezirkssynode stattfinden. Die wurde bereits wegen des Coronavirus abgesagt. Stattdessen wollen wir uns bei einer außerordentlichen Pfarrkonferenz über die Auflagen der Stadtverwaltung und des Landes verständigen und überlegen, wie wir uns in dieser außergewöhnlichen Situation verhalten. Vielleicht mit ganz neuen Ideen für eine seelsorgerische Begleitung der Menschen. An dieser Konferenz wird aber nur eine begrenzte Anzahl von Pfarrern teilnehmen, um zu vermeiden, dass gegebenenfalls alle Pfarrer in Quarantäne müssen.

Haben Sie schon eine Lösung für die Trauerfeiern bei Beerdigungen gefunden, die ja ebenfalls nur noch sehr eingeschränkt möglich sind?
Darüber habe ich bereits mit einem Ansprechpartner im Rathaus gesprochen. Es wird weiterhin Trauerfeiern geben können. Diese werden dann jedoch vor der Trauerhalle oder am Grab stattfinden. Darauf stellen wir uns gerade ein. Aber alles, was wir heute überlegen und planen, kann schon bald überholt sein.

Die Bezirkskantorei probt seit einigen Monaten für ein Konzert am 5. April in der Friedenskirche. Wird diese Veranstaltung stattfinden?
Nein, in Absprache mit dem Bezirkskantor Tobias Martin haben wir entschieden, das Konzert abzusagen. Auf der Homepage des Kirchenbezirks kann man sich orientieren, welche Veranstaltungen stattfinden.

Zur Sache: Keine Gottesdienste in katholischen Kirchen

In den katholischen Kirchen finden ab sofort keine Gottesdienste mehr statt. Das hat der Ludwigshafener Dekan Alban Meißner am Freitagmorgen auf Anfrage mitgeteilt. „Aufgrund der Vorgaben der Stadt Ludwigshafen und des Bischöflichen Ordinariats Speyer und in Verantwortung für die Menschen in unserer Stadt“ werden dazu ab sofort und bis auf Weiteres mehrere Maßnahmen getroffen, informierte Meißner schriftlich: Alle Gottesdienste und alle Veranstaltungen in kirchlichen Räumen werden abgesagt. Für Ostern und die bevorstehende Erstkommunion werden eigene Lösungen erarbeitet und zu gegebener Zeit kommuniziert. Die Pfarrbüros und Kontaktstellen in den Gemeinden werden für den Publikumsverkehr geschlossen, sie sind aber weiterhin telefonisch und per E-Mail erreichbar.

Alban Meißner und Prodekan Udo Stenz ergänzen: „Wir bitten alle Gläubigen, diese besondere Situation als spirituelle Herausforderung für diese Fastenzeit zu sehen.“

Die katholischen Christen werde auch durch Aushänge an den Kirchen über die Gottesdienstabsagen informiert. Darauf heißt es: „Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass möglichst wenige Menschen dem Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus (Covid 19) ausgesetzt werden. Deshalb finden ab sofort vorerst keine Gottesdienste statt. Diese Kirche steht für das persönliche Gebet offen.“ Außerdem wird hier auf die Homepage des Bistums Speyer (www.bistum-speyer.de) verwiesen.

Barbara Kohlstruck
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Alban Meißner
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