Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Problemlösung im Pub: Anna Loos und Jan-Josef Liefers in Komödie im Rosengarten

Auch im wahren Leben ein Paar: Anna Loos und Jan-Josef Liefers – hier auf der Bühne im Rosengarten – sind die ideale Besetzung.
Auch im wahren Leben ein Paar: Anna Loos und Jan-Josef Liefers – hier auf der Bühne im Rosengarten – sind die ideale Besetzung.

Retten, was zu retten ist: In „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ spielen Jan-Josef Liefers und Anna Loos ein Paar, das vor den Trümmern seiner Ehe steht.

Bei Tom und Louise ist der Wurm drin. Die langjährige Ehe steckt in der Krise. Louise hat Tom betrogen. So ganz wollen die beiden sich und ihre Beziehung aber nicht aufgeben und entschließen sich daher zu einer Paartherapie. Vor jeder Sitzung treffen sich die beiden in einem Pub, das sich schräg gegenüber ihrer Therapeutin befindet. Hier wärmen sich die beiden sozusagen vor jeder Session verbal auf und versuchen ihren Problemen auf den Grund zu gehen. Warum ist Louise eigentlich fremdgegangen? Und wie oft? Und welche Rolle hat dabei gespielt, dass Tom jegliches sexuelles Interesse an seiner Frau verloren zu haben scheint? Sind die Zwei nicht überhaupt zu gegensätzlich?

Es sind tiefgreifend emotionale, Dialoge, manchmal auch Wortgefechte, die sich Tom, gespielt von Jan-Josef Liefers, und Louise, dargestellt von seiner Real-Life-Ehefrau Anna Loos, da im Mannheimer Rosengarten bieten. Man merkt, dass trotz aller Spannung, trotz aller Probleme da noch etwas ist, das sich zu retten lohnt, das gerettet werden will. Dass unter all den Verletzungen, Zurückweisungen, Schuldgefühlen und Demütigungen immer noch Gefühle durchschimmern. Naja, Liebe.

Brexit im Ehebett

Die Geschichte, die Liefers und Loos da unter dem Titel „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ auf die Bühne bringen, basiert auf Nick Hornbys gleichnamigem Roman aus dem Jahr 2019, im Englischen unter dem Titel „State of the Union“ veröffentlicht. Der Autor, einer der wichtigsten der britischen Popliteratur, hat uns in der Vergangenheit ja schon Bestseller wie „High Fidelity“ oder „About a Boy“ geschenkt. Hornby, selbst bereits zweimal verheiratet gewesen, geht hier nicht nur einfach Beziehungsproblemen auf den Grund, sondern verwebt diese auch mit aktuellen, politischen Themen. So kommt in den Pub-Dialogen etwa heraus, dass Tom für den Brexit votiert hat. Eine Haltung, die Louise, die im Gesundheitswesen mit vielen osteuropäischen Kolleginnen arbeitet, überhaupt nicht nachvollziehen kann. Für Tom, einen arbeitslosen Musikjournalisten, war das Votum auch ein Akt des Dagegenseins, des Andersseins, des Gegen-den-Strom-Schwimmens, weil alle anderen in seinem Bekannten- und Freundeskreis eben für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union stimmten. Als Louise von Toms Votum erfährt, droht die Ehe für einen Moment endgültig zu scheitern. Die zunehmende, politische Spaltung der Gesellschaft führt eben auch durch Ehebetten.

Das ist der Clou des Stücks

Sowohl im Buch als auch im Theaterstück sind die Protagonisten nie in der Therapiesitzung zu sehen, alles spielt sich im Pub ab. Ein intelligenter Dreh, den Hornby einst im Interview mit dem „SRF“ auch erklärte: „Ich denke, die meisten Paare sind vor dem Therapeuten, der Therapeutin höflich, versuchen der Wahrheit nahe zu kommen. Indem Louise und Tom sich vorher im Pub treffen, fangen sie schon dort mit der Diskussion an und sind dort direkter, zickeln und zanken sich, provozieren sich gegenseitig, reden auf sehr alltägliche Art miteinander.“

Und dabei merken die beiden, dass sie durchaus noch miteinander lachen können. Einer der unterhaltsamsten Momente des Stücks ist es, wie Tom und Louise über die möglichen, zukünftigen Partner des jeweils anderen nachdenken und diese verbal ausmalen. Auch der Disput über Louises Lieblingsserie – „Notruf Hebamme“ – unterhält.

Loos und Liefers machen aus der Vorlage ungeheuer viel. Es verwundert nicht, dass die beiden Eheleute – sie sind seit 2004 verheiratet – auch auf der Bühne eine wunderbare Chemie haben. Auch wenn sie erst 2024 erstmals gemeinsam auf der Theaterbühne standen.

Als Zugabe etwas Besonderes

Die beiden hoppen mit Verve zwischen den einzelnen, aus Stühlen aufgebauten Gesprächsinseln auf der Bühne hin und her, wirken in ihrem Spiel ungeheuer authentisch. Eine ideale Besetzung. Als Zugabe gibt es am Ende das gemeinsam gesungene „If I Needed You“, zu dem Jan Josef Liefers Gitarre spielt – und bei der vor allem die frühere Silly-Sängerin Loos nochmal stimmlich so richtig glänzen kann. Die ursprünglich von Townes Van Zandt stammende Nummer wurde in der Duett-Version von Emmylou Harris und Don Williams bekannt, und bildete im Rosengarten den perfekten Abschluss eines wundervollen, zweistündigen Theaterabends, für den das Publikum mit Standing Ovations dankte.

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