Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Premiere: Jugendliche zeigen selbstgedrehten Film über das Erwachsenwerden

Mit „Der Berg der Wahrheit“ haben Mitglieder des Käfertaler Jugendtreffs einen Film geschaffen und sich bei der Premiere im Kult
Mit »Der Berg der Wahrheit« haben Mitglieder des Käfertaler Jugendtreffs einen Film geschaffen und sich bei der Premiere im Kulturhaus oscarreif in Szene gesetzt.

Was ein Lied werden sollte, wurde ein Film. Der Jugendtreff Younity aus Käfertal hat mit „Der Berg der Wahrheit“ sein bisher größtes Projekt gestemmt. Nun hatte es Premiere.

Eigentlich sollte es nur ein Song werden, nun wurde ein 140-minütiger Episodenfilm daraus. Mit „Der Berg der Wahrheit“ hat der Jugendtreff Younity aus Käfertal sein bislang größtes Projekt verwirklicht. Bei der Premiere im Kulturhaus werden die jungen Leinwandhelden wie Hollywoodstars gefeiert.

Roter Teppich, schwarze Limousine, etwas Blitzlicht und großer Jubel: „Die Kamera liebt euch“, sagt ein Fotograf, als die Schauspieler in Abendkleidern oder Smokings aus dem Luxusauto steigen. Mit Chauffeur und einem Butler, der ihnen die Wagentür öffnet. Sie posieren ein wenig für die Kameras. Freunde und Familienmitglieder grölen. Vor einem Filmplakat üben sie sich nochmal im Lächeln und Rekeln: die Arme angewinkelt, die Hände an die Hüfte gelehnt.

Kurzfilm zog immer größere Kreise

Möglich gemacht haben das zunächst einmal ein Gedicht einer Teilnehmerin eines Songwriting-Workshops im Sommer 2023 und die leidenschaftliche Hingabe von Younity-Leiter Zacharias Zschenderlein. „Es sollte zunächst nur ein Lied daraus werden, aber wir sahen mehr darin“, erklärt er. Ein angedachter Kurzfilm zog immer größere Kreise. Weitere Geschichten und Erzählungen der Jugendlichen kamen hinzu. „Und jetzt haben wir einen Film gemacht“, sagt der Leiter zwei Jahre später selbst ganz erstaunt.

70 Mitglieder der soziokulturellen Einrichtung in Käfertal wirkten mit. Kinder, Jugendliche und Erwachsene wurden zu Darstellern, Drehbuchautoren oder Komponisten für die Filmmusik. In fünf sich zum Teil überlappenden Episoden werden Geschichten über das Erwachsenwerden der Generation Z erzählt: Konflikte mit den Eltern, ein Ausbruch aus vorgegeben Rollen und die Suche nach dem eigenen Selbst ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film. Gedreht wurde unter anderem auf der Brücke über den Mannheimer Rangierbahnhof, im Parkhaus des Rosengartens, auf einem Waldgrundstück in Bad Dürkheim, auf der Kalmit im Pfälzerwald und auf dem Großen Feldberg im Taunus.

Eigene Erfahrungen auf der Leinwand

„Die Inspiration und Motivation waren die Jugendlichen und die Storys, die sie mitgebracht haben“, sagt Zschenderlein. Die metaphorisch aufgeladenen Episoden haben sie zum Teil selbst erlebt. Die ukrainische Tänzerin Alina (gespielt von Kateryna Guzenko) gibt bis zum sprichwörtlichen Umfallen alles, um ihrer Mutter und ihrem Freund gerecht zu werden. Nur um zu spüren, dass sie ihr eigenes Ich dabei verliert. „Auch ich habe einmal meinen Weg verloren und mich lange Zeit nicht glücklich gefühlt. Manchmal folgen wir Dingen und glauben, dass sie uns glücklich machen, aber oft sind das gar nicht unsere eigenen Wünsche, sondern die Wünsche der anderen“, sagt Roza Kosmin, die ihre eigenen Erfahrungen zu Papier und letztlich auf die Leinwand gebracht hat.

Narien Altinay schlüpft in die Rolle von Marie, die in einer streng katholischen Familie aufwächst. „Mach was aus deinem Leben. Hör auf deinen Vater, er weiß, wovon er spricht.“, hört sie typische Sätze in der Lebensphase des Heranwachsens. Schon der kleinste Nagellacktupfer oder Lidstrich stellt in den Augen ihrer Eltern eine Rebellion gegen Gott – eine Sünde – dar. Bei der Premiere hingegen genießt Altinay das Rampenlicht. Aufgeregt sei sie beim Dreh nicht gewesen. „Aber ich weiß jetzt, wie viel Arbeit allein in einem Fünf-Sekunden-Abschnitt steckt. Alles wirkt so einfach, aber das ist es nicht“, erklärt sie.

Kameramann mit Cameo-Auftritt

Auch ihre jüngere Schwester Layla wirkt als eine Art Waldfee namens Ticktack mit. Sie hilft einem stets beschäftigten Geschäftsmann (Leo Eder) dabei, einmal alle Uhren still stehen zu lassen und das innere Kind wiederzuentdecken. Stolzer als die zwei jungen Darstellerinnen sind wohl nur ihre Eltern. Für die Bearbeitung mit Bildtechnik und Schnitten sorgte ein Profi-Kameramann: Niklas Zschenderlein, der Bruder von Zacharias, der sich selbst mit einem Cameo-Auftritt als Hausmeister in Szene setzt.

„Action“ gab es auch hinter der Kamera, unter anderem mit platten Reifen mitten im Wald. Einmal war der Younity-Leiter in der Toilette eingesperrt. Die Gruppe, die sonst in Bandprojekten, Kinderchor oder Tanzinszenierungen in kleinerer Form zusammenfindet, ist in den zwei Jahren enger zusammengewachsen. „Wenn solche Gelegenheiten auf euch zukommen, dann nutzt sie. Das war ein Once-in-a-Lifetime-Moment, für den wir alle sehr dankbar sind“, sagt Mitwirkende Ciena-Lea Hirsch. Am Sonntag, 1. März, wird der Film in Ketsch in einem echten Kino gezeigt. Auch die Bewerbung für einen Online-Filmverleih sei in Arbeit.

x