Ludwigshafen
Prellball: Warum Laura Schlicksupp aus Ludwigshafen für den TV Rieschweiler spielt und der Samstag so wichtig ist
„Endlich wieder in Rot spielen statt in Blau“, sagt Lena Hettrich vom Prellball-Bundesligisten TV Rieschweiler lachend. Die 23-Jährige, Tochter von Trainer Manfred Hettrich, hat zusammen mit dem Kapitän der Mannschaft, Michelle Kalkenbrenner, vor der Saison wieder zurückgewechselt zu ihrem Heimatverein nach Rieschweiler. „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir wieder zurückkommen durften“, meinen sie unisono. Schließlich sind sie mit vielen der Rieschweiler Spieler schon erst in den Kindergarten und dann in die Grundschule gegangen.
Kleine Verwechslung beim Jubeln
Zuvor hatten sie und die 24 Jahre alte Kalkenbrenner drei beziehungsweise zwei Jahre lang das Trikot des TSV Ludwigshafen – eben in Blau – getragen. Damals konnte Rieschweiler nämlich kein Team stellen: zu wenig Spielerinnen. „Wir hatten zuletzt, glaube ich, 2005 ein Damenteam, das in die Zweite Bundesliga aufgestiegen ist“, erzählt Manfred Hettrich. „Von denen spielt heute aber keine mehr.“ Dass die Umstellung nicht ganz einfach war, verdeutlicht Kalkenbrenner mit einer kleinen Anekdote. „Beim Landesspieltag hab’ ich für Ludwigshafen gejubelt, bis mich einer angestoßen hat: Das sind die Falschen!“, erzählt sie schmunzelnd.
Aber so ernst nimmt sie das gar nicht. Weil die Prellballer einfach eine große Familie sind. Das verdeutlicht schon das Training in der Rieschweiler Grundschule: Alle trainieren zusammen, egal wie alt, egal ob Mann oder Frau. „Nur donnerstags trainieren die Bundesliga-Teams noch mal für sich“, erklärt Manfred Hettrich. Manchmal kommen 25 Spieler, diesmal sind es ein paar weniger, wegen der Grippe.
Zuwachs aus Ludwigshafen
In diesem Jahr hat die Rieschweiler Prellball-Familie Zuwachs von auswärts bekommen: Laura Schlicksupp aus Ludwigshafen hat zum Klub in der Westpfalz gewechselt. Denn auch in Ludwigshafen bekommt jemand Zuwachs: Schlicksupps Teamkollegin Simone Wild-Sorg erwartet bald ein Kind. „Wir haben dann erst überlegt, ob wir zu dritt spielen sollen. Aber das fanden wir zu anstrengend“, meinte die 31 Jahre alte Biotechnologin angesichts der Bundesliga-Dreierrunde (Hettrich: „Alles andere lohnt sich nicht für die Vereine“) mit acht Teams und vier Spieltagen. Dann kam der Gedanke, sich für diese Saison in Rieschweiler zusammenzuschließen. „So können wir zu siebt starten, immer mal wieder auswechseln. Und jüngere Spielerinnen können Erfahrungen sammeln“, sagt Schlicksupp mit Blick auf Teamkolleginnen wie die 17-Jährigen Irmlind Beck und Alena Borne. Dass das gut passt, finden auch Hettrich und Kalkenbrenner: Sie liegen damit im Trend. „In beiden Bundesligen der Männer und Frauen gibt es zurzeit einen Generationenwechsel.“
Die Ludwigshafenerin Schlicksupp ist prellballmäßig familiär ebenfalls vorbelastet. „Mein Bruder hat früher gespielt, und mein Vater spielt heute noch bei den Herren 60 des TSV“, sagt sie. Sie gibt ihre Kenntnisse auch gerne weiter, trainiert dienstags die Schülerinnen des TSV Ludwigshafen. „Leider kollidiert der Termin mit dem Training in Rieschweiler“, berichtet sie. Dazu kommt noch die nicht gerade kurze Anfahrt nach Rieschweiler. „Natürlich war ich schon da zum Training.“ Die Stimmung sei super, „wir verstehen uns alle gut, und das Wichtigste ist, dass wir alle Spaß haben.“
Gelingt der Sprung in die Endrunde?
Diese Bundesliga-Saison läuft es besser. Vergangene Runde war das Team – mit nur zwei Punkten auf dem Konto – nur in der Liga geblieben, weil der TV Weiler und der TSV Babenhausen ihre zweiten Mannschaften abgemeldet hatten. Der Zusammenhalt ist groß in Rieschweiler. „Letztens haben wir zusammen Raclette gegessen. Wir gehen auch mal bowlen mit den Jungs und haben viel mit den Fußballern der SG Rieschweiler zu tun“, unterstreicht sie. „Mit den Prellballern ist es immer sehr lustig. 2018 bei Olympia haben nach dem Spieltag bei uns in Contwig auch viele Gäste die Nacht zum Tag gemacht und das Eishockey-Finale geschaut“, erinnert sich Manfred Hettrich gerne.
Nach dem ersten Spieltag mit drei Siegen lief es im bayrischen Babenhausen, nördlich von Memmingen, nicht ganz so gut: Nur gegen den VfL Waiblingen gewannen die TVR-Damen 40:29. „Zwei Spiele hätten wir nicht verlieren müssen“, stellt Laura Schlicksupp mit Blick auf die Niederlagen gegen Babenhausen (27:39) und Weiler (34:37) fest. Sie war dem TVR-Tross an jenem Spieltag mit den Männern des TSV Ludwigshafen hinterhergefahren. Für sie und ihr Team war es ein kleiner Rückschlag auf dem Weg zur Endrunde um die deutsche Meisterschaft, für den sich am Ende die ersten vier Teams qualifizieren. Am Samstag in Contwig müssen die TVR-Frauen mit der Ludwigshafenerin Schlicksupp den Heimvorteil am letzten Spieltag nutzen. „Unsere Chancen auf die Endrunde sind noch ganz gut“, findet Manfred Hettrich.
Laura Schlicksupp kann mit Männern des TSV Ludwigshafen nach Rieschweiler fahren. Denn die spielen am Samstag ebenfalls um den Einzug in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Als Spitzenreiter haben die TSV-Herren aber einen sehr gute Ausgangslage.