Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Preis-Check auf Weihnachtsmärkten: Keine Currywurst unter fünf Euro

In diesem Jahr gibt es ein Riesenrad auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt.
In diesem Jahr gibt es ein Riesenrad auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt.

Wer sich auf einem Weihnachtsmarkt in der Vorderpfalz eine Bratwurst oder eine Portion Pommes gönnt, muss tiefer in die Tasche greifen als in den Vorjahren. Der Glühweinpreis ist einigermaßen stabil geblieben. Ein Preischeck auf den Märkten in Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal.

LU: Zwei Standorte, ähnliche Preise

Der Glühweinpreis auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt liegt auf dem Vor-Corona-Niveau. „Wir haben zuletzt vor drei Jahren aufgeschlagen“, sagt Thomas Herzberger, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Pfälzer Bund. Seither zahlen die Kunden im Budendorf am Berliner Platz durch die Bank 3,50 Euro für eine Tasse Glühwein – egal ob rot, weiß oder auch rosé. „Wenn man es nicht so teuer macht, trinken die Leute auch noch einen zweiten“, meint Herzberger. Dies bestätigt Thomas Mohr aus Mannheim, der eigens für den Glühwein über die Brücke kommt. „Hier in der Pfalz achtet man eben mehr auf die Weinqualität.“ Die Märkte in Mannheim habe er deshalb schon vor Corona kaum noch besucht. „Das zeichnet Ludwigshafen aus“, freute sich Herzberger über zufriedene Gäste.

Die Pfälzer Bratwurst im Brötchen für 4,50 Euro oder auch die Currywurst für 5,50 Euro liegen hingegen mittlerweile im gehobeneren Preissegment. Für den großen Hunger gibt es auf dem Weihnachtsmarkt „einen halben Meter Bratwurst“ für sechs Euro im Baguette. Die Portion Pommes ist auf dem Weihnachtsmarkt ab vier Euro erhältlich. Die Preise haben angezogen. Inflation und höhere Energiekosten für die Schausteller machen sich bemerkbar.

Vor der Rhein-Galerie steht das Winterdorf.
Vor der Rhein-Galerie steht das Winterdorf.

Ein paar Schritte weiter ist im Winterdorf auf dem Platz der deutschen Einheit vor der Rhein-Galerie die Preisgestaltung durchaus vergleichbar. Kleiner Unterschied: Im Budendorf von Ralf-Peter Nickel gibt es den Glühwein schon ab 3 Euro, während die Varianten inklusive Dornfelder bei 3,50 Euro liegen. „Mir erscheinen die Preise fair“, lobt Besucher Timo Naas. Er sieht im regen Besuch am Abend den Beleg für seine Aussage. Die Winterdorf-Bratwurst für 4,50 Euro, die Pommes für glatte vier und auch die Kartoffelpuffer sowie die Currywurst für fünf Euro liegen auf einer Ebene mit dem klassischen Weihnachtsmarkt. Naas hat allerdings auch einen Kritikpunkt am Winterdorf: „Ich finde es nicht gut, dass es hier nur einen einzigen Glühweinstand gibt.“ Deshalb bilde sich beim Eintreffen der Besucher direkt nach Büroschluss eine lange Schlange. „So eine lange Wartezeit kenne ich von anderen Märkten nicht. Da ist das besser verteilt“, so der Friesenheimer.

Frankenthal: XXL-Bratwurst für neun Euro

Sieben Glühweinstände und zwei Bratwurstbuden gibt es auf dem Frankenthaler Weihnachtsmarkt. „Es Glühstübche“, „Meisters Glühweinstube“, „Mirou Hüttche“, „Inge’s Vinothek“, „Alm Hüttn Treff“, „Frankenthaler Glühweintreff“ und „Weingut Misskam“ bieten Glühwein einheitlich für drei Euro an. Weiße und Rosé-Sorten kosten 3,50 Euro, Dornfelder-Glühwein zwischen 3,50 und vier Euro und Glühwein mit Schuss 4 bis 4,50 Euro. Kinderpunsch ist für 2,50 oder drei Euro zu haben. Bratwurst vom Rind und grobe Pfälzer Bratwurst gibt es für 4,50 Euro, Thüringer Bratwurst für fünf Euro. Eine kleine Currywurst gibt es im Brötchen für fünf und mit Pommes für acht Euro. Die große Currywurst im Brötchen kostet sieben Euro. Eine Riesen-Bratwurst mit Pommes gibt es für neun Euro. Eine Portion Pommes kostet vier Euro.

In Frankenthal serviert hier Volker Holfeld am Stand von Ralf-Peter Nickel Bratwurst.
In Frankenthal serviert hier Volker Holfeld am Stand von Ralf-Peter Nickel Bratwurst.

Die Leute seien froh, endlich wieder auf Weihnachtsmärkte gehen zu können, hat Volker Holfeld, der als guter Freund der Familie am Stand von Ralf-Peter Nickel aushilft, beobachtet. Die Frankenthaler Schausteller-Familie Nickel ist hier mit vier Ständen vertreten. Ralf-Peter Nickel betreibt auf dem Weihnachtsmarkt am Rathausplatz einen Glühweinstand und einen Imbiss, seine Brüder Bernd und Willi haben einen Glühweinstand und einen Stand mit Reibekuchen und Champignons. Die Glühweinpreise seien seit 2021 gleich geblieben, betont Holfeld, „trotz der Anhebung des Mindestlohns von 10,45 auf zwölf Euro“. Den Glühwein beziehe Nickel direkt von einem Winzer aus Neustadt. Im Einkauf vermeide er den Großhandel und verarbeite an seinem Stand nur Metzgerware.

Und was sagen die Besucher? Im Vergleich zu Orten wie Deidesheim und Freinsheim seien die Glühweinpreise in Frankenthal „human“ meint der Frankenthaler Reinhard Bergener und nippt an seinem Winzer-Glühwein für drei Euro. Sein Neffe aus Norddeutschland ist an Glühweinpreise von fünf Euro gewöhnt. „Die Preise hier gehen noch, aber es ist oberste Grenze“ sagt Peter Kling aus Mutterstadt. Dass Glühwein bei Vereinsfesten andernorts oft nur zwei Euro koste, freue die Konsumenten, beruhe aber auf ehrenamtlicher Arbeit und anderer Besteuerung. Die Frankenthalerin Nicole Oberlies findet 3,50 Euro für einen Weihnachtsmarkt-Glühwein und acht Euro für Currywurst mit Pommes „durchaus okay, wenn man sich drauf einstellt“. Birgit Karg

Speyer: Preisvergleich lohnt sich

Thomas Schmidt aus Speyer gönnt sich nach einem Besuch in der Postgalerie einen Glühwein am Rand der Schlittschuhbahn. 4,50 Euro habe er dafür bezahlt, „das ist schon grenzwertig“, meint er. Am Verpflegungsstand gibt's zwar auch eine Sorte für 3,50 Euro, aber Schmidt hat den höherwertigen Winzerglühwein im Glas. Ihn wunderten die Preisunterschiede, meint Schmidt, der sich auch an günstigere Preise in den Buden rund um die Alte Münze erinnert. Am Tisch neben ihm genießen zwei Männer Currywurst plus Glühwein. Teuer? Günstig? „Darüber habe ich gar nicht nachgedacht“, sagt einer und beißt ins nächste Stück.

Trotz höherer Preise in guter Laune: Besucher auf dem Speyerer Weihnachtsmarkt.
Trotz höherer Preise in guter Laune: Besucher auf dem Speyerer Weihnachtsmarkt.

Freddy Zinnecker, verantwortlich für die Stände rund um die Schlittschuhbahn am Altpörtel, weist daraufhin, dass sein Preis von 3,50 Euro für einen Standard-Glühwein seit 2019 stabil geblieben ist. Dass dies trotz höherer Energiekosten möglich ist, liege an einer „Abmachung mit den Stadtwerken“, wie Zinnecker verrät. Diese haben den Schaustellern bis zum Ende des Markts am 8. Januar den bisher gültigen Strompreis zugesichert. Nur die Bratwurst sei um 50 Cent teurer geworden.

Laut Alexander Lemke, Vorsitzender vom Schaustellerverband Speyer, liegt der Durchschnittspreis der rund 20 Glühwein-Anbieter auf dem Speyerer Weihnachtsmarkt bei 3,50 Euro, die Bratwurst bei „ungefähr 4,50 Euro“. Vor sechs Jahren habe die Wurst noch 3,50 Euro gekostet. Aufgrund gestiegener Kosten bei den Metzgern, Bäckern und dem gestiegenen Mindestlohn sei ein Preisanstieg unvermeidbar gewesen. Für eine Portion Pommes an Lemkes „Schlemmerhütte“ am Geschirrplätzel zahlen Besucher 3,50 Euro. „Wir versuchen die Preise immer so tief wie möglich zu halten“, versichert Lemke. „Eine Familie will nicht für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt 100 Euro loswerden“, ergänzt er. Dennoch müsse die Wirtschaftlichkeit gewahrt bleiben. Bei einem Bratwurstpreis von 3,50 Euro bleiben Lemkes Schätzungen zufolge etwa 30 Prozent Gewinn vor der Steuer übrig. „Das sehen die Leute oft nicht, wie dieser Preis zustande kommt“, sagt Lemke. Im kommenden Jahr müssen sich die Schausteller auf deutlich höhere Strompreise einstellen. Ob die Preise dann weiter steigen? „Schauen wir mal“, antwortet Lemke.

Fazit des Preis-Checks in den drei Städten: Es lohnt sich als Besucher, das Angebot an den Ständen zu vergleichen. Man kann dabei einige Cent sparen, muss aber gerade beim Essen mehr als früher ausgeben.

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