Ludwigshafen Positive Bilanz
Die stolze Zahl von 1000 angemeldeten Gewerbebetrieben verzeichnet das Mutterstadter Gewerbeamt aktuell. Die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung ist in der Landwirtschaft zu finden, daneben entwickelte sich bereits im 19. Jahrhundert Handwerk und Handel.
Die historischen Vorläufer für den Handel bildeten die Mutterstadter Jahrmärkte, die es bereits im 18. Jahrhundert gab. Der erste fand im Herbst 1785 statt und zog Handwerker, Viehhändler und Krämer an. Dieser Jahrmarkt habe sich bis Ende des 19. Jahrhunderts gehalten und dabei einen beachtlichen Aufschwung genommen, berichtete Karl-Heinz Gerber in einem Beitrag fürs Heimatjahrbuch des Rhein-Pfalz-Kreises. Er reichte aber anscheinend nicht aus, denn der Gemeinderat beschloss 1811 einen zweiten Markt an Ostern – der Vorläufer des heutigen Ostermarkts vor dem Palatinum. Da Mutterstadt wie die Pfalz unter französischer Herrschaft war, musste die dortige Regierung den Markt genehmigen. So wurde am 6. Februar 1812 im Palast in den Tuilerien von Kaiser Napoleon persönlich die Genehmigung für den Mutterstadter Ostermarkt unterzeichnet, so die Gemeindeverwaltung. Während sich die Bevölkerung aus Mutterstadt und Umgebung auf diesen Märkten versorgte, gründeten sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Handwerksbetriebe, die die Aufgabe der Versorgung übernahmen. Um 1900 hatte das örtliche Gewerbe bereits eine wichtige Aufgabe in der Versorgung der Bevölkerung. „Es waren viele kleine, meist familiär geprägte Betriebe, die in die Regeln ihrer Stände, bei Handwerkern ihrer Zünfte, eingebunden waren“, berichtet Volker Reimer, Vorsitzender des Mutterstadter Gewerbevereins. Diese Strukturen der kleinen Betriebe fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst wieder. Reimer erinnert sich noch an viele Handwerker, die den Krieg überstanden oder sich neu angesiedelt hatten. In der Lebensmittelversorgung gab es viele kleine Geschäfte, deren Inhaber Kolonialwarenhändler genannt wurden. Nach dem Krieg gab es etwa zehn Metzgereien und Bäckereien, berichtet Reimer. Auch die Zahl der Gastwirtschaften überstieg die der heutigen bei Weitem: „Ich erinnere mich an 25 Stück, darunter fünf mit Tanzsälen, in denen bei Volksfesten und an Fasnacht immer viel los war.“ Für die Entwicklung der Wirtschaft spielten auch die genossenschaftlich getragenen Handelsbetriebe eine Rolle. Sie boten eine immer breiter werdende Auswahl an Waren des täglichen Bedarfs an. Autohäuser wurden eröffnet, Bauunternehmen waren im Wiederaufbau tätig. Der Vorläufer des heutigen Discounters war das SB-Lager von Heinrich Knappe. Er zog Mitte der 1960er-Jahre ins Gewerbegebiet Fohlenweide um. Für das Mutterstadter Gewerbe zieht Reimer eine positive Bilanz und wagt eine gute Prognose für die Zukunft: „Etliche Betriebe des Einzelhandels sind der Abwanderung von Kunden durch Qualität, Kompetenz, Freundlichkeit und Service entgegen getreten und präsentieren ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das sich bei näherer Betrachtung nicht hinter den Großmärkten verstecken muss.“ |mmö