Ludwigshafen
Polizeidirektor Traub tritt ab
„Es fällt mir schwer loszulassen, Ich habe meinen Beruf mit viel Herzblut gemacht. Ich bin gerne Polizist“, sagt Peter Traub. Offiziell endet seine Dienstzeit im Mai, aber wegen vieler Überstunden ist am 1. März nun Schluss. Der Neustadter hat viel erlebt, seitdem er 1976 als einfacher Wachtmeister in Haßloch anfing.
„Wir hatten damals noch einen VW-Käfer als Streifenwagen. Bei einer Festnahme war es gar nicht so einfach, die Person in den Wagen hineinzubekommen“, erzählt er. Um eine Seite Papier zu kopieren, mussten die Beamten zur Gemeindeverwaltung. „Die Polizei ist heute viel professioneller“, sagt Traub. Als junger Mann erhielt er noch eine militärisch geprägte Ausbildung. Die heutige Polizistengeneration werde viel umfassender ausgebildet, bekomme Grundrechte vermittelt, werde in Kommunikation und Psychologie geschult und lerne Strafrecht. Die Laufbahn im gehobenen Dienst steht allen Berufsanfängern offen.
Dozent an Polizei-Hochschule
Peter Traub hat seinen Teil zur Modernisierung der Polizeiausbildung beigetragen. Er war vier Jahre lang Dozent an der Polizei-Hochschule Rheinland-Pfalz auf dem Hahn im Hunsrück. „Ich konnte dabei viele Beispiele aus der Praxis im Unterricht verwenden“, sagt er. Etwa, wie man sich als Polizist verhält, wenn man bei einem Einsatz auf einen prügelnden Ehemann trifft – „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ gehört zum Alltag eines Streifenpolizisten. Höheren Dienstgraden brachte er bei, wie man einen Einsatz richtig plant.
Traub hat viel Erfahrung. Er hat Polizeiinspektionen in Speyer und Ludwigshafen geleitet. Beim Großbrand einer Lagerhalle auf der Parkinsel im Juni 2013 oder der Explosion einer Ferngasleitung zwischen Edigheim und Oppau im Oktober 2014 koordinierte Traub den Einsatz der Schutzpolizei, kümmerte sich um Absperrungen, Verkehrsumleitungen, die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und den Umgang mit Schaulustigen. Auch beim BASF-Unglück im Nordhafen 2016 war Traub im Einsatz. „Bei solchen Ereignissen merkt man, wie sich die eigenen Grenzen verschieben. Für so etwas gibt es keinen fertigen Plan in der Schublade“, sagt er rückblickend. Damals wurde rund um die Uhr durchgearbeitet – von einer kurzen Schlafpause abgesehen.
Über 1000 Beamte im Einsatz
Traub war so gut in seinem Job, dass er 2015 Leiter der Polizeidirektion Ludwigshafen wurde – also Chef der Schutzpolizei in Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal und dem Rhein-Pfalz-Kreis. Seinen größten Einsatz leitete der zum Polizeidirektor aufgestiegene Beamte bei der Beerdigung von Altkanzler Helmut Kohl im Juli 2017. Der Sarg mit dem Verstorbenen wurde vom Wohnhaus in Oggersheim nach Ruchheim gefahren und von dort per Hubschrauber zum Trauerakt ins Europaparlament nach Straßburg transportiert. Danach ging’s zurück nach Ludwigshafen, im Trauerzug durch die Innenstadt bis nach Otterstadt.
Dort wurde der Sarg auf ein Schiff umgeladen und nach Speyer gebracht, wo im Dom eine Trauerfeier mit Prominenten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton stattfand. Anschließend wurde Kohl auf dem Friedhof des Speyerer Domkapitels beigesetzt. „Wir hatten über 1000 Beamte an diesem Tag im Einsatz“, erinnert sich Traub. Er hatte eine Vielzahl an organisatorischen Fragen klären müssen – mit dem Innen- und dem Außenministerium, dem Kanzleramt und Kohls Witwe. Der Zeitplan war eng getaktet – alles musste ebenso reibungslos klappen wie der Personenschutz der Gäste. „Das hatte eine ungemeine Dimension. Die Verantwortung hat da schon auf einem gelastet“, sagt Traub, der Kohl auch persönlich kannte.
Traub tritt für bürgernahe Polizei ein
Jetzt klingt sein Berufsleben aus. „Ich könnte ein Buch schreiben“, sagt Traub. Polizist war er mit Leib und Seele. „Ich kann den Beruf uneingeschränkt empfehlen – aber nicht für jeden.“ Wer Polizist werden wolle, müsse Interesse an Menschen haben und sich bewusst sein, dass man auch unangenehme Dinge sehe. Herausforderungen müsse man sich auch stellen wollen. Traub tritt für das Leitbild einer bürgernahen Polizei ein. Als er anfing, seien Polizisten autoritärer aufgetreten. „Heute wollen wir für den Bürger da sein“, sagt er. Die Polizei begleite die gesellschaftliche Entwicklung. Sorge bereitet ihm die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber den Beamten.
Dauerkarte für FCK
Peter Traub wirkt auf Außenstehende ruhig, kontrolliert und überlegt. Seine Worte wägt er sorgfältig ab. Es fällt schwer, sich ihn inmitten der Westkurve auf dem Betzenberg vorzustellen, wo er als Dauerkarteninhaber den 1. FC Kaiserslautern anfeuert, wenn nicht gerade Corona herrscht. Fußball ist seine Leidenschaft – er hat schon 120 Stadien in 15 Ländern besucht. Mit seinen Lauterern war er im legendären Camp Nou beim FC Barcelona. Auch andere legendäre Spielstätten wie die Anfield Road in Liverpool hat er besucht. Was ihm in seiner Sammlung noch fehlt? „Ich würde sehr gerne mal Real Madrid beim Heimspiel im Classico gegen Barça sehen.“ Seine Frau nimmt er bei den Fußballreisen mit, sie sieht sich gerne die Städte an – ins Stadion geht sie nicht mit. Mit dem FCK leidet er mit. „Aber Liebe kennt keine Liga.“
Apropos Stadion. Zu den schönsten Momenten in seinem Polizistenleben zählen Einsätze bei Open-Air-Konzerten im Ludwigshafener Südwest-Stadion. Herbert Grönemeyer, Bruce Springsteen und Metallica haben ihn begeistert. Auch Ludwigshafen hat es ihm angetan: „Es ist eine großartige Stadt mit vielen tollen Leuten – innerhalb und außerhalb der Polizei.“ Wegen Corona wird es keinen großen Abschied geben für den Polizeidirektor, der sagt: „Das ist okay. Es war mir eine Ehre, für die Sicherheit der Menschen hier Verantwortung zu tragen.“