Fussball
Pokalheld im zweiten Anlauf
Der FSV Schifferstadt II hat kürzlich in Weingarten den Pokal des Fußball-Kreises Rhein-Mittelhaardt im Finale gegen Berghausen nach Elfmeterschießen gewonnen. Schon früh hatte FSV-Coach Gerhard Minikus den Cupsieg als Saisonziel ausgegeben. „Berghausen war agiler, aber nicht clever genug. Wir dagegen haben den früheren Landesligaspieler Kevin Schimming reaktiviert. Er hat den Laden souverän zusammengehalten“, lobt Minikus den 38-jährigen Innenverteidiger.
Nachdem nach 120 Minuten noch keine Entscheidung gefallen war, kam es zum Elfmeterschießen. „Wenn es darum geht, wer schießen soll, treten die meisten Akteure einen Schritt zurück und schauen zu Boden“, hat der Trainer festgestellt. Nicht beim FSV. Canbert Yildiz habe keine Probleme mit dem Selbstvertrauen und verwandelte. Christopher Reichling donnerte gegen seinen ehemaligen Verein die Kugel in den Winkel, und auch Rui Ferreira sowie Patrick Tasler trafen. „David Jüttner, der von den A-Junioren aufgerückt ist und erstmals bei den Erwachsenen spielte, hat mir gesagt, er möchte schießen“, berichtet Minikus. Ein trockener Schuss, und der Ball landete im Netz.
Bevor das Elfmeterschießen begann, steuerte Torhüter Tobias Grätz auf Minikus zu, deutete mit dem Daumen auf sich und sprach nur drei Worte: „Ich, de Letzschde!“ Der Übungsleiter nickte, froh, nicht einen zum Schießen zwangsverpflichten zu müssen. Der letzte Schuss eines Schifferstadters stand an und Grätz schritt zum Punkt, wohlwissend, dass der FSV Pokalsieger ist, wenn er verwandelt. Doch der Torwart versemmelte.
„So wie Uli Hoeneß 1976 den Elfmeter im EM-Finale gegen die Tschechen hoch über den Balken gejagt hat“, beschreibt Minikus schmunzelnd den Schuss von Grätz. Und wie damals in Belgrad soll auch im Stadion von Weingarten der Ball noch nicht gefunden worden sein. Tobias Grätz, den eine große Portion Selbstbewusstsein auszeichnet, und der eine coole Socke ist, focht der Fehlschuss nicht an. Kurz darauf parierte er einen Elfmeter und wurde, wenn auch mit etwas Verspätung, doch noch zum Helden des Tages.
Bei der Pokalübergabe staunten die Schifferstadter nicht schlecht. „Wir haben einen riesigen Pott bekommen, der fast Champions-League-Ausmaße hatte“, verdeutlicht der Trainer. Das Gefäß wurde noch an Ort und Stelle gefüllt und ruck-zuck geleert. Danach feierte die Mannschaft in einem Schifferstadter Bistro. „Um 5.30 Uhr am nächsten Morgen habe ich die letzte Nachricht auf mein Handy bekommen“, berichtet Minikus. Dass Tobias Grätz ein ausgewiesener Tattoo-Freund ist, ist offensichtlich. Insider munkeln, dass neben der 13, die auf einer Faust zu sehen ist, bald noch eine 23 auftauchen wird. Das würde passen, der Verein heißt FSV 13/23.