Ludwigshafen Poet und Kämpfer
Als die Mainzer Staatskanzlei vor einiger Zeit bei Klaus Beck anrief, um dem Friesenheimer mitzuteilen, dass er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet werden soll, war der 66-Jährige zunächst sprachlos. „Ich konnte mir das gar nicht vorstellen“, erinnert er sich an diesen Moment. Die Feierstunde im Dezember mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und seiner Familie hat Klaus Beck dann sehr genossen. Er freue sich bis heute darüber, dass jemand aus seinem Umfeld ihn für diese besondere Auszeichnung vorgeschlagen habe. Auch wenn er noch immer nicht herausgefunden habe, wer dieser gute Geist ist, sagt Beck. Auf jeden Fall muss er den Ludwigshafener mit Wurzeln im Ruhrgebiet und sein vielfältiges Wirken sehr gut kennen. Klaus Beck engagiert sich nämlich seit fast fünf Jahrzehnten „für politische Bildung, ein soziales Europa und die Verankerung der deutschen Streitkräfte in der Demokratie“. Weiter heißt es in der Laudatio von Malu Dreyer, dass er sich in vielfältigen ehrenamtlichen Funktionen und seiner hauptamtlichen Gewerkschaftsarbeit dafür einsetze, dass Leben und Arbeit der Menschen in Deutschland und Europa von sozialer Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität mit dem Ziel einer demokratischen Kultur der Partizipation geprägt seien. Klaus Beck hat an vielen Schreibtischen gewirkt und ist auch noch im Ruhestand ständig unterwegs. Meistens pendelt er zwischen Friesenheim, Dortmund und Berlin, wo er Wohnsitze hat. Der Bundeswehr-Hauptmann der Reserve gehörte bereits in Jugendtagen dem Bundesvorstand von Amnesty International an. Als Student in Münster engagierte er sich unter anderem in der Studienreformkommission des Landes Nordrhein-Westfalen. Kommunalpolitisch war er in Juso-Verbänden auf Orts-, Bezirks- und Landesebene aktiv. Seit 1998 ist Beck auch ehrenamtliches Mitglied des Beirates für Innere Führung beim Bundesministerium der Verteidigung. „Aber ich verfolge durchaus auch die Lokalpolitik in Ludwigshafen“, sagt der Globetrotter. Das ist auch deshalb nicht verwunderlich, weil sein Stiefsohn im örtlichen Politikbetrieb eine Hauptrolle spielt: David Guthier ist Vorsitzender des SPD-Stadtverbands. Außerdem hat Klaus Beck auch schon oft mit OB Jutta Steinruck (SPD) zusammengearbeitet, als die noch im Europaparlament saß, und mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Doris Barnett. Nach Tätigkeiten in der Hochschularbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) wurde Beck 1987 Bundesgeschäftsführer der Bildungsgemeinschaft „Arbeit und Leben“. Vier Jahre später übernahm er die Leitung der Verbindungsstelle des DGB in Bonn, ab 2000 baute er das Verbindungsbüro des DGB zum Europäischen Parlament auf. Seit 2004 ist er Sekretär des DGB-Bundesvorstands in Berlin und war zwei Jahre lang zugleich Leiter des Bereichs Europapolitik im DGB-Bundesvorstand. Verdienste hat sich Klaus Beck nach Ansicht von Malu Dreyer auch im Hinblick auf die Bundeswehr erworben, unter anderem durch sein 20 Jahre andauerndes Engagement im Beirat für Fragen der Inneren Führung. Darüber hinaus habe sich Beck auch mit großem Engagement um die Auswirkungen der Auslandseinsätze auf die Soldaten gekümmert. Die Bundeswehr habe sich in jüngster Vergangenheit sehr verändert, erklärt der Friesenheimer dazu. Er nennt die Abschaffung der Wehrpflicht und die Einsätze in Krisengebieten. 1000 Soldaten seien etwa im afrikanischen Mali stationiert. Aber die Bundeswehr sei kein Unternehmen. „Sie hat einen anderen Auftrag“, betont der 66-Jährige: Sie sei eine Institution, die der Verteidigung des Landes dienen soll. Richtiger Ruhestand ist für Klaus Beck kein Thema. Als Bundesseniorenbeauftragter des DGB-Bundesvorstands arbeitet er derzeit an einem Papier zu seniorenpolitischen Eckpunkten. „1,3 Millionen Mitglieder im DGB sind nämlich älter als 65 Jahre.“ Dabei geht es ihm auch um eine lokale Frage: Wie kriege ich eine ortsteilbezogene Versorgung hin? Er wünscht sich Seniorenbüros in allen Stadtteilen, die ältere Menschen sozial beraten. Vorhandene Einrichtungen wie etwa die Pflegestützpunkte hält er für nicht ausreichend. Auch die Seniorenmitwirkung findet er ausbaufähig. In Rheinland-Pfalz sei die nämlich nicht im Kommunalgesetz geregelt. Gesellschaftliche Diskussionen darüber, dass Menschen ab einem bestimmten Alter ihren Führerschein abgeben sollten, bringen ihn auf die Palme. Neben seiner engagiert-kämpferischen hat Klaus Beck noch eine ganz andere Seite. Er liebt Lyrik. „Ich lese gern Gedichte von Erich Fried, Mascha Kaléko und vielen anderen.“ 13 Jahre lang war er Vorstandsmitglied und ab 1999 Vorstandsvorsitzender des Fachverbands der Deutschsprachigen Gesellschaft für Poesie- und Bibliotherapie, kreatives Schreiben und Biographiearbeit. In ruhigen Stunden, im Zug oder auch auf langen Sitzungen greift er selbst gern zur Feder und macht aus Alltagsbeobachtungen Poesie. „Manchmal passiert das so.“