Ludwigshafen
Pflegeausbildung in Corona-Zeiten? So kann es funktionieren
In der zweiten Etage des Hemshof-Centers in der Dessauer Straße werden wichtige Weichen für die Ausbildung neuer Pflegekräfte gestellt. Die Pflegeschule des Marienkrankenhauses und die Fachschule der Altenpflege des Caritasverbands sind hier unter einem Dach zu finden und sind gemeinsam das Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit Vorderpfalz.
Leiterin der Pflegeschule ist Monika Heuvelmann. Sie musste gemeinsam mit ihrem 15-köpfigen Lehrkräfteteam im Frühjahr die Weichen in Richtung Digitalunterricht stellen. Den die dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau läuft dual ab. Es gibt also Blöcke mit Theorieunterricht und Praxiseinheiten im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus sowie bei Kooperationspartnern. Die neue Ausbildung gibt es seit Jahresanfang und sorgt für einen generalistischen Standard im Pflegebereich: Arbeitsmöglichkeiten sind danach im Krankenhaus, aber auch in Pflegeheimen, der ambulanten Pflege und in Hospizen. 170 Ausbildungsplätze gibt es insgesamt, im April und August starten jeweils neue Kurse mit 25 Azubis. Das Interesse am Pflegeberuf ist da, betont Heuvelmann, und verweist auf die gut 250 Bewerbungen pro Jahr.
Praxis auf Station
Aktuell ist ihr eines wichtig: „Wir wollen zeigen, dass die Ausbildung auch unter Corona-Bedingungen möglich und gut ist.“ Das sei extrem wichtig: Denn es gehe ja darum, den Nachwuchs für die Pflegeberufe auszubilden und sicherzustellen. Und die Ausbildung klappt auch in der Pandemie, ist Heuvelmann überzeugt. Sowohl im Unterricht, weil sich alle Lehrkräfte auf die digitalen Formen eingelassen hätten, und auch auf den Stationen, da es im Marienkrankenhaus durch sechs Praxisanleiterinnen entsprechende Betreuungsmöglichkeiten gibt.
Zu den aktuellen Azubis zählen Slawomir Popiolek, Adrian Motte und Vanessa Wirsing. Ihre Erfahrungen bestätigen die Einschätzung der Schulleiterin. Wirsing betont: „Ich bin mit dem Online-Unterricht super zufrieden, man lernt sogar intensiver.“ Ab 21. Dezember stehen bei ihr wieder Praxisstunden im Marienkrankenhaus an. Dort spüre sie die Pandemie-Auflagen vor allem durch strengere Regeln im Alltag: Pausen finden nicht in Gruppen statt, die Stationsübergabe läuft nicht mehr im gesamten Team. „Man ist eben überall vorsichtig und passt sich an, um gut mit der Situation umzugehen“, sagt Wirsing. Motte sieht das ähnlich: „Das Lernen ist anders geworden. Wir erarbeiten uns jetzt mehr selbst, dadurch setzt man sich sogar intensiver mit einem Thema auseinander.“ Auf den Stationen im Krankenhaus hat er schon viele verängstigte Patienten erlebt: „Sie haben Angst und denken, ein Krankenhaus ist ein Hotspot, wo die Viren nur auf einen warten. Da können wir dann erklären, dass es so nicht ist. Denn wer sich richtig verhält, muss keinen Grund zur Sorge haben.“ Popiolek hat seine Ausbildung erst im August begonnen. Er hatte zunächst sogar nur Präsenzunterricht, lernte aber auch da schon die digitalen Zusatzangebote schätzen: So hat die Pflegeschule kurz vor Ausbruch der Pandemie eine Plattform mit 28 medizinischen Lehrbüchern eingerichtet, auf die alle jederzeit zugreifen können. Außerdem werde der Digitalunterricht genutzt, um die Gruppen zu verkleinern und das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Wichtig sei es, für die Patienten da zu sein, da viele unter dem Besuchsverbot in den Krankenhäusern leiden.
Schub bei der Digitalisierung
Als Lehrerin war Barbara Veit genau in der anderen Position im Vergleich zu den Schülern. Sie musste selbst lernen und den Unterricht ab Frühjahr auch digital gestalten. „Die Vermittlung findet nun ganz anders statt“, sagt sie und ergänzt: „Auch wir Lehrer mussten umdenken.“ Sie selbst und die Schule habe dadurch einen „richtigen Schub bei der Digitalisierung“ erfahren. Es sei aber wichtig, so eine Herausforderung anzunehmen. „Wir haben ja eine Verpflichtung gegenüber den Azubis und dem Krankenhaus und müssen Pflegekräfte ausbilden.“
Dabei hat auch Sylvia Paavo eine wichtige Rolle. Sie ist eine der sechs Praxisanleiterinnen. Das Marienkrankenhaus ermögliche die intensive Betreuung der Azubis weiterhin. Das sei wichtig. Denn sie dürfe Übungen nicht mehr in Gruppen zeigen, sondern müsse das mit jedem Azubi alleine durchgehen. „Wir halten uns akribisch an alle Abstandsregeln.“ Daher funktioniere die Ausbildung wie gewohnt auf Station.
„Ein toller Beruf“
Und wie kommt man aktuell auf die Idee eine Pflegeausbildung zu machen? Denn der Job ist stressig und die Bezahlung nicht sonderlich gut. Das zählt für Vanessa Wirsing nicht: „Ich wollte etwas mit Menschen und speziell Kindern machen. Man erfährt auf Station so viel Dankbarkeit, wenn man sich kümmert und hilft.“ Außerdem lerne man, über sich hinaus zu wachsen. Sie habe sich anfangs nicht vorstellen können, einen Patienten zu waschen. Doch dann habe sie die Aufgabe erstmals erledigt: „Der Patient war so dankbar, und diese Erfahrung baut Hemmungen ab.“
Veit schätzt die Kombination: „Man lernt viel über Medizin und Technik und hat Begegnungen mit Menschen.“ Slawomir Popiolek ergänzt: Er mag die Mischung aus körperlicher und geistiger Arbeit. Zudem müsse man sich immer auf neue Herausforderungen einstellen. „Ein guter Job, man muss sich mit vielen Aspekten befassen.“ Monika Heuvelmann ergänzt: „Das ist einfach ein toller Beruf, ich mag die Arbeit im Krankenhaus und mit Patienten.“