Ludwigshafen
Pflanzen und der Klimawandel: Die Strategie der Stadt – ein Besuch im „Labor Ebertpark“
Auf den ersten Blick scheint der Ebertpark wie immer. Spätblüher sorgen im September noch einmal mit ihren kräftigen Farben für sommerliche Momente. Wespen, Hummeln und zwei Zitronenfalter genießen die angenehmen Temperaturen. Die Anlage vor dem Sternenbrunnen im Wechselflor ist von jeher ein Hingucker und soll es auch bleiben. Tausende von Hochzeits- und Familienfotos in Ludwigshafener Fotoalben sind vor diesem Motiv schon entstanden.
Doch wer den Haupteingang verlässt, Wege im rund 29 Hektar großen Ebertpark sucht, die weniger frequentiert sind, wird sie finden, die ganz besonderen Fleckchen, die Chefgärtner Harald Sauer angelegt hat. „Vieles, was man hier sieht, findet man in keinem Lehrbuch“, sagt der Gärtnermeister, der seit einem Vierteljahrhundert den Ebertpark gärtnerisch gestaltet und mit ungewöhnlichen Ideen und Kreationen Besucher und Fachwelt gleichermaßen überzeugt. „Er hat ein Händchen dafür“, sagt Gabriele Bindert anerkennend. Sie ist Bereichsleiterin Grünflächen und Friedhöfe beim Wirtschaftsbetrieb (WBL) und bezeichnet sich selbst als „Berufsgrüne“. Überall finden sich Fußabdrücke von Sauer. „Wir haben alle ein großes Zu- und Vertrauen in ihn.“ Nicht ohne Grund erhält Sauer den Karl-Foerster-Preis für besondere Leistungen in der Pflanzenverwendung und deren Beitrag zur Aufwertung der Stadt-, Natur- und Kulturlandschaft. Der Wechsel zwischen strenger Symmetrie und einer scheinbaren Natürlichkeit sorgen für das ganz besondere Etwas.
Die grüne Oase
Abwechslung und Vielfalt anstatt Monotonie und Langeweile, das zieht sich durch den gesamten Ebertpark, der im Jahr 1925 im Zuge der süddeutschen Gartenbauausstellung seine Pforten öffnete. Nicht ohne Grund trägt der Park den Beinamen „die grüne Oase Ludwigshafens“. Immer wieder reisen Experten aus Teilen der Republik an, um den „Experimentierkasten“ Ebertpark zu bestaunen.
Der Klimawandel und seine Folgen machen auch vor dem Ebertpark und den übrigen Grünanlagen nicht halt. Rund 1200 Hektar Grünflächen gibt es in der Stadt. „Drei furchtbar trockenen Jahre“, so Bindert, stellten die Stadt vor neue Herausforderungen. Veränderte Wachstumsbedingungen, erhöhte Schutzanforderungen für Grünflächen und der immens steigende Wasserbedarf der Vegetation animieren Sauer zu immer neuen Ideen. Was im Ebertpark funktioniert, soll auch auf anderen Grünflächen in der Stadt, wie beispielsweise demnächst am Ludwigsplatz, umgesetzt werden. „Wir müssen uns den aktuellen Begebenheiten anpassen“, macht Bindert deutlich.
Hecks Baum wird wohl gefällt
Beim Spaziergang vom Turmrestaurant zum Quellgarten wird ersichtlich, was die Bereichsleiterin mit den „drei furchtbar trockenen Jahren“ meint. Der Ahornbaum direkt neben dem TV-Kultmoderator Dieter Thomas Heck gewidmeten Mammutbaum hat gelitten und wird wohl demnächst ebenso gefällt werden müssen wie eine Birke ein Stück weiter. Die Brunnen im Quellgarten sind stillgelegt. Ein moderner Garten mit hoher Diversität, der ganzjährige Freude bereitet, mit teils mannshohen Stauden, Büschen und Gräsern ist entstanden. Mittendrin: eine Flaumeiche. „Sie kommt mit extremen Bedingungen gut zurecht, ist dem Klimawandel gewachsen“, sagt Sauer.
Trockenverträgliche Pflanzen werden künftig das große Thema sein. Ohne Wasser kommt allerdings keiner der Gärten im Ebertpark aus. Dafür verwende man in der Regel kein Trink-, sondern Brunnenwasser, betont Bindert. Am Ende des Quellgartens haben Sauer und sein Team Formgehölze gepflanzt. „Als Gegenpunkt zur vorherigen natürlich wirkenden Bepflanzung“, sagt er.
Unkraut? Von wegen
Vom Quellgarten geht es weiter in Richtung Rosengarten. Eine Wiese mit Einzelpflanzungen, Rosen, die nicht geschnitten und gespritzt werden – Sauer lässt der Natur ihren Lauf, greift mit seinem Team nur dann ein, wenn es nötig ist. Der eigentliche Rosengarten soll demnächst in neuem Glanz erblühen. Am Freiwilligentag (19. September) werden die Stelen grundiert und für einen Anstrich vorbereitet. Doch das soll nicht alles sein. „Wir haben uns noch die eine oder andere Überraschung einfallen lassen“, verrät Gabriele Bindert.
Vom nördlichen Teil des Ebertparks geht es zurück, links strahlt die altehrwürdige Eberthalle in der mittäglichen Sonne, das Turmrestaurant ist gut gefüllt. Die nächste Station: der Lesegarten. „Ein ganz malerischer Ort“, schwärmt Bindert. „Vorher hatten wir an dieser Stelle Wechselflor. Jetzt wächst hier ein japanisches Wildgras mit Kugeln. Insgesamt handelt es sich dabei um eine pflegereduzierte Fläche“, sagt Sauer. Zwar habe das Gras natürlich auch einen Feuchtigkeitsbedarf, komme aber mit den Bedingungen gut zurecht. Gärtnern mit der Natur, das ist Sauers Steckenpferd. „Herbizide spritzen, verbietet sich. Ich bin im Garten und nicht im Krieg“, betont er augenzwinkernd, aber dennoch voller Ernst.
Die scheinbare Unkrautfläche ist Sauers ganzer Stolz. Hobbygärtner schlagen bei Giersch die Hände vors Gesicht. Nicht so der Chefgärtner des Ebertparks. Sauer liebt ihn in Kombination mit all den anderen Unkräutern und hat ihn perfekt in Szene gesetzt. Der Klimawandel wird Bindert, Sauer und Co. immer wieder vor neue Herausforderungen stellen.