Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Weinhaus im Ebertpark lockt Besucher

Einmal lächeln bitte: die Wirtsfamilie und ihre Angestellten.
Einmal lächeln bitte: die Wirtsfamilie und ihre Angestellten.

Der Ebertpark feiert sein 100. Jubiläum. Eine Zeitreise rund ein Jahrhundert macht klar: Pfälzer Weinspezialitäten gab es im Friesenheimer Park damals schon.

Ein Herrgottsacker aus Deidesheim, ein Hofstück aus Ruppertsberg oder doch ein Altenburger aus Wachenheim? Weinliebhaber haben wohl sofort erkannt: Es handelt sich um Weinsorten aus der Pfalz. Und alle drei standen einst auf der Karte des historischen Pfälzer Weinhauses im Ebertpark – die Jahrgänge 1935, 1938 und 1939. Das Weinhaus kann als früher Vorläufer der heute so beliebten Weinlounges verstanden werden – ein Konzept, das in der Pfalz also schon seit langem Weingenießer anlockt.

Im Jahr 1925 war das Pfälzer Weinhaus eines von drei gastronomischen Angeboten im neu eröffneten Ebertpark, neben dem Turmrestaurant und dem Sterncafé. Zwei Jahre später, 1927, eröffnete das Café Reinhard und komplettierte das gastronomische Quartett.

Ein Blick in vergangene Zeiten

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto erzählt von vergangenen Zeiten: Zwei Kinder stehen hinter der Theke und lächeln fröhlich in die Kamera. Im Hintergrund ein Regal voller Flaschen, die vermutlich nicht nur mit Traubensaft gefüllt sind. Die Kinder haben sich für das Foto in Schale geworfen – schick im Kleid und Hemd mit Hosenträgern posieren sie für die Aufnahme. Um sie herum versammelt sich die Wirtsfamilie samt Angestellten. Ein Mann im weißen Kittel schenkt Getränke ein und wirkt dabei eher wie ein Arzt, der Medizin für seine Patienten mischt – vielleicht liegt der Vergleich gar nicht so fern. Der Kamera schenkt er keinerlei Beachtung. Der Herr daneben blickt hingegen etwas ratlos ins Objektiv – vielleicht seine erste Begegnung mit einem Fotoapparat.

Das Pfälzer Weinhaus war ein Holzbau und – wie alle Lokale im Park – nicht beheizt. Als der Ebertpark 1925 als Südwestdeutsche Gartenausstellung eröffnete, waren die gastronomischen Einrichtungen nur für den Sommerbetrieb gedacht. Doch der Park entwickelte sich schnell zum Besuchermagnet: In den Jahren von 1926 bis 1936 besuchten jährlich zwischen Mai und Oktober rund 350.000 Gäste die Anlage und ihre Lokale, schreibt Werner Appel in seinem Buch: „Der Ebertpark – Entstehung und Wandel“.

Auch kulturell hatte das Weinhaus einiges zu bieten. Besucher konnten bei einem Glas Wein Wandgemälde des Ludwigshafener Malers Wilhelm „Willy“ Weber bewundern. Später ermöglichte zudem ein Klavier im Innenraum eine musikalische Untermalung des Geschehens. In den 1930er-Jahren wurde der Freisitz des Weinhauses erweitert. Somit hatten Besucher einen Blick auf die Konzertmuschel, die bis heute im Ebertpark steht.

Streit um Ausschankrecht

Die Konkurrenz zwischen den vier Lokalen war groß – vor allem das Thema Ausschankrecht sorgte für Streit. Das Weinhaus durfte Wein verkaufen, das Turmrestaurant wollte das ebenfalls, durfte aber offiziell nicht. Der Verkauf von Bier war wiederum im Weinhaus verboten, was ab 1939 zum Problem für die Wirtsfamilie wurde. Denn mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden Wein und Sekt knapp. Im Mai 1942 etwa wurde den Betreibern des Weinhauses eine geplante Lieferung von 150 Flaschen Sekt aus der Region verwehrt – das Militär hatte Vorrang, wie Werner Appel in seinem Buch über den Ebertpark schreibt.

Der Zweite Weltkrieg war letztlich auch das Ende des Pfälzer Weinhauses. Von den vier Lokalen überstand nur das Turmrestaurant die Kriegsjahre. Die anderen drei wurden entweder zerstört oder waren nach dem Krieg so baufällig, dass sie abgerissen werden mussten. So endete die Geschichte des historischen Pfälzer Weinhauses im Ebertpark bereits nach rund 20 Jahren. Was übrig bleibt, sind nur noch Erinnerungen und Bilder.

Einer von vier Gastronomiebetrieben im Ebertpark damals: das Pfälzer Weinhaus.
Einer von vier Gastronomiebetrieben im Ebertpark damals: das Pfälzer Weinhaus.
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