Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel 100 Jahre Ebertpark: Wie der Auftakt zum finanziellen Fiasko führte

So sah das Eingangsportal des Ebertparks bei der Eröffnung 1925aus.
So sah das Eingangsportal des Ebertparks bei der Eröffnung 1925aus.

Ein trockengelegter Altrheinarm und die hohe Arbeitslosigkeit. Das gab den Ausschlag, vor fast 100 Jahren eine Gartenbauausstellung zu organisieren. Die Geburtsstunde des Ebertparks in Friesenheim.

Am 28. Mai 1925 wurde der Ebertpark eröffnet. Alles begann mit einer Ausstellungshalle, dem Gartentheater und einem Radioturm.

Seinen Namen erhielt das heutige Naherholungsgebiet von Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925), der im Februar des gleichen Jahres verstorben war. Die Friesenheimer Erdlöcher waren ein völlig versumpfter Altrheinarm, in dem bis zu drei Meter hohe Binsen standen. Bewohner sprachen von dem Gebiet als einem Schnakenloch. Wirtschaftlich stand die französisch besetzte Zone schlecht da, denn hohe Arbeitslosigkeit belastete Bevölkerung und Stadtsäckel. So plante die Kreisbauernschaft als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Gartenbauausstellung.

1200 Arbeiter im Einsatz

Im November 1924 ebnete der Stadtrat den Weg für das Vorhaben, am 16. Februar 1925 begannen die ersten Baumaßnahmen auf dem 125.000 Quadratmeter großen Gelände. 1200 Arbeiter waren im Einsatz und schafften innerhalb von drei Monaten, das Gelände nahezu fertigzustellen. Die Kosten beliefen sich auf 1,6 Millionen Reichsmark. Darin waren jedoch noch keine Grundstückspreise der vorherigen Eigentümer enthalten. Eröffnet wurde unter großer medialer Aufmerksamkeit am 28. Mai 1925.

Der Architekt arbeitete mit Blickachsen.
Der Architekt arbeitete mit Blickachsen.

Mit seinem Entwurf gewann Gartenarchitekt Carl Wilhelm Siegloch die Ausschreibung. Siegloch bevorzugte zackige Formen, die auch heute in vielen Bereichen erhalten sind. Gut sichtbar am Sternbrunnen, der vom Eingang aus als Blickfang vor dem Turmrestaurant gilt. Wo heute die Eberthalle steht, wurde eine Ausstellungshalle errichtet.

Wie in Schloss Sanssouci

Zur Eröffnung im Mai 1925 begrüßte Göttin Flora die Gäste, verkörpert von „Fräulein Lillie“ vom Nationaltheater Mannheim. Die Figur der Göttin fand sich noch einmal auf der Turmspitze des Turmrestaurants. Sie wurde im Anschluss von einer Weltkugel abgelöst. Die von Bildhauer Ernst Moritz Geyger (1861-1941) geschaffene Galvanoplastik des Bogenschützen kam von WMF, wie Stefan Mörz vom Stadtarchiv wusste. Sie ist noch einmal im Dresdener Rosengarten und am Schloss Sanssouci in Potsdam zu bewundern.

Vor allem der Radioturm zog Neugierige an.
Vor allem der Radioturm zog Neugierige an.

Drei große Veranstaltungen fanden 1925 statt. Das war nach der Gartenbauausstellung das pfälzische Sängerbundesfest, bei dem etwa 3000 Sänger auf das Podium in der Halle kamen. Und die dritte war das Pfälzische Kreisturnfest. Alle begannen mit einem großen Festumzug, bei dem die Akteure, teils in Sechserreihen, zusammen mit Festwagen und Musikkapellen marschierten. Er endete jeweils am Vorplatz der Ausstellungshalle im Ebertpark. Die Zahl der Teilnehmer und Besucher habe an dem dreitägigen Turnfest alle Erwartungen übertroffen, so schrieben die Zeitungen. Mit Eröffnung des Gartentheaters am 10. Juni 1925 begann eine Reihe von einfachen Sing- und Schauspielen, dazu Tänze und Vorträge. 400 Sitzplätze gab es dazu, an der Rückseite des Turmrestaurants gelegen.

Radiosender wieder erlaubt

Im Juli hatte die Süddeutsche Gartenbau-Ausstellungs GmbH (Süga) eine weitere Attraktion geschaffen. Ein turmähnlicher Backsteinbau sorgte für Radioübertragungen. Für die Bewohner ein brandneues Erlebnis, denn nach dem Ersten Weltkrieg war der Besitz von Funkempfängern bei Gefängnisstrafe verboten. Das wurde erst im Dezember des gleichen Jahres nach schriftlichem Antrag zugelassen. Entsprechend war der Turm ständig von Neugierigen belagert.

Startschuss für die Erdarbeiten.
Startschuss für die Erdarbeiten.

Die Ausstellung wurde in künstlerischer Hinsicht ein Erfolg, in finanzieller endete sie in einem Fiasko. Zu hohe Kosten bei Eintritt und Gastronomie, dazu schlechtes Wetter, waren wohl der Hauptgrund für zu geringe Besucherzahlen, so bilanzierten die Verantwortlichen. Von 350.000 Reichsmark Schulden war die Rede, die die Stadt am Ende zu tragen habe. Die Generalvollmacht zur Abwicklung der Entschädigungen hatte Rechtsrat Ludwig Reichert (1894 bis 1957). Auf Antrag übernahm Ludwigshafen 75 Prozent der Forderungen der Gläubiger. Das war jedoch kein Trost mehr für drei der vier Verantwortlichen aus der Süga. Sie hatten sich im Gefühl tiefster Schande das Leben genommen. „Damit fand das lobenswerte Engagement, das so vielen Erwerbslosen ein Einkommen sicherte, ein tragisches Ende“, wie Stefan Mörz, Leiter Stadtarchiv, bilanzierte.

Stadtarchivar Stefan Mörz.
Stadtarchivar Stefan Mörz.

Erst im Lauf der Jahre wurde das Gelände Richtung Riedsaumpark erweitert. Nach einem halben Jahrhundert, im Jahr 1975, hatte es seine endgültige Größe erreicht. Heute erstreckt sich der Ebertpark über fast 30 Hektar Fläche. Ausführliche Informationen sind im Buch „Der Ebertpark, Entstehung und Wandel“ von Werner Appel nachzulesen. Herausgeber ist der Förderkreis Ebertpark.

Die Serie

Im kommenden Jahr feiert der und 29 Hektar große Ebertpark in Friesenheim seinen 100. Geburtstag. In dieser Serie stellen wir die Geschichte des bedeutenden innerstädtischen Naherholungsgebiets vor und berichten, was anlässlich des Jubiläums alles geplant ist.

Der Ebertpark heute.
Der Ebertpark heute.
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