Ludwigshafen Perspektiven schaffen

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„Jung, dynamisch, chancenlos? Jugendliche im Osten Europas brauchen Perspektiven“, so lautet das Leitwort der diesjährigen Renovabis Pfingstaktion im Bistum Speyer. Bei dem zur Aktion zählenden Akademiegespräch im Heinrich-Pesch-Haus erweiterten die Veranstalter den Blickwinkel auf minderjährige Flüchtlingskinder.

Renovabis ist das Hilfswerk der katholischen Kirche für Osteuropa. Bis zum 17. April veranstaltet es im Bistum Speyer seine Pfingstaktion, zu der viele Aktionen im ganzen Bistumsgebiet stattfinden. Thema ist stets die Lebens- und Glaubenssituation von Jugendlichen in Osteuropa. Informationen dazu liefern Lidia Baran aus der Ukraine, Roberta Daubareite-Rande aus Litauen und Amir Hasanovic aus Bosnien und Herzegowina. Sie leiten soziale Projekte mit Jugendlichen und erzählten bei dem Gespräch im Heinrich-Pesch-Haus über ihre Arbeit. Die Runde und damit den Blick über Osteuropa hinaus auf das Schicksal von minderjährigen Kriegsflüchtlingen erweiterten Stefanie Gutting vom Jugendmigrationsdienst der Caritas, der Ludwigshafener Jugendamtsleiter Jürgen May und Eberhard Buchner, der Leiter des Zentrums für individuelle Erziehungshilfen Ludwigshafen. Die drei osteuropäischen Gäste bestätigten, dass viele Jugendliche in ihren Heimatländern keine Perspektiven sähen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, wer die Chance hat im Ausland zu studieren, ergreift sie. „Gerade in Litauen verlassen viele junge Menschen das Land“, betont Roberta Daubareite-Rande, die in der Diözese Panevezys in der Jugendarbeit tätig ist. Dass Perspektivlosigkeit oft zu Drogenkonsum führt, weiß Amir Hasanovic, der in Bosnien und Herzegowina diesbezüglich Präventionsarbeit leistet. „Die Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen. Die Eltern sind Alkoholiker oder sitzen im Gefängnis.“ Für ihn ist es unabdingbar, die Situation der jungen Menschen vor Ort zu verbessern. Das sagen auch Politiker, wenn es um Syrien oder den Irak geht. Das Ziel für Kriegsflüchtlinge aus diesen Ländern heißt Europa. Viele dieser Flüchtlinge sind unbegleitete Minderjährige. 100 von ihnen werden derzeit in Ludwigshafen betreut, berichtet Jürgen May. „Doch es ist die hohe Dunkelziffer, die mir Sorgen macht.“ Viele dieser Kinder hätten Schreckliches durchgemacht, betont Stefanie Gutting. „Die meisten wissen zudem nicht, was sie hier erwartet.“ Über diese Flüchtlinge höre man in ihrem Land von den Medien nur Schlechtes, bedauert Roberta Daubareite-Rande und spricht ein Paradoxon an: „Die Menschen verlassen unser Land in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde, haben aber Angst vor Fremden in ihrem Heimatland.“ (iak)

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