Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Paul Münch: Zeichenlehrer, Mundartdichter – und Ruchheimer

Felsformation „Pälzer Weltachs“ bei Waldleiningen, die der Mundartdichter Paul Münch in einem Gedicht verewigte.
Felsformation »Pälzer Weltachs« bei Waldleiningen, die der Mundartdichter Paul Münch in einem Gedicht verewigte.

Mit seinen 26 Episoden der „Pälzer Weltgeschicht“ ist Paul Münch berühmt und erfolgreich geworden. Geboren in Ruchheim, wuchs der Heimatdichter aber in Kusel auf, nahm dort den westpfälzischen Dialekt an, der sein bekanntestes Werk auszeichnet.

Von einer solchen Buchauflage können moderne Autoren nur träumen: Bis heute erreichte die „Pälzer Weltgeschicht“ des in Ruchheim geborenen Mundartdichters Paul Münch – erstmals erschienen 1909 beim damaligen Kaiserslauterer Verlag Lincks-Crusius – Auflagen in einer Gesamthöhe von weit mehr als 150.000 Exemplaren. Der Leserkreis dieses literarischen „Renners“ des Ruchheimers ist sogar noch deutlich höher, weil einige der 26 Episoden, aus denen die „Weltgeschicht“ besteht, wie „Die Palz vor de Sindflut“ oder „Die Gräfin von Neuleininge“ separat nachgedruckt wurden. Bärbel Arnheiter vom Ludwigshafener Verlag „pro Message“ ist sich ziemlich sicher: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen pfälzischen Autor mit einer höheren Auflage gibt.“

Dabei war Paul Münch nicht einmal ein professioneller Schriftsteller, denn der am 10. Dezember 1879 in Ruchheim geborene Heimatdichter war seit 1907 studierter Zeichenlehrer (heute würde man wohl sagen Kunsterzieher) an der damaligen Oberrealschule, dem Gymnasium und der Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern. 43 Jahre lang stand er im Schuldienst in der Westpfalz – zuvor war er nach dem Studium in München in Realschulen in Marktbreit (Unterfranken) und in Weierhof bei Bolanden in der Nordpfalz tätig. Münch war der Sohn des evangelischen Pfarrers Philipp Münch und seiner Frau Julia. In Ruchheim erinnern noch heute ein Brunnen, ein Denkmal und an seinem Geburtshaus eine Tafel an den wohl bekanntesten Repräsentanten des Dorfes. Paul Münch starb am 2. Januar 1951 in Neustadt, wurde in einem Ehrengrab in Kaiserslautern beigesetzt.

Pfälzischer Bestseller

Die langjährige Bindung an die Westpfalz hatte ihren Grund, denn seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte der gebürtige Ruchheimer mit seinen Eltern in Kusel. In den südpfälzischen Gymnasien in Germersheim und Landau bereitete er sich schulisch auf seinen späteren Beruf als Zeichenlehrer vor, den er 1902 mit der Qualifikation für das Höhere Lehramt startete. In diesen Jahren begann Münch auch mit seiner mundart-literarischen Tätigkeit im westpfälzischen Dialekt. Seine damals erscheinenden ersten Bücher illustrierte er selbst, und obendrein war er auch für die Gestaltung von Weinetiketten eine gute Adresse für die Winzer – vor allem an der Nahe. Mit 30 Jahren gelang ihm 1909 bereits der „große Wurf“, als er sich an die „Pälzer Weltgeschicht“ wagte, in der er in 26 Episoden auch damals viel diskutierte Ereignisse aus Pfälzer Sicht beschrieb wie „Der Urmensch von Heidelberg“, „Die Hunne“, „De Baurekrieg“, „Die Entdeckung vun Amerika“ oder „Der Untergang des Abendlandes un die Palz“.

Das Buch wurde ein pfälzischer Bestseller und schon 1917 wurde nach mehreren Auflagen die 25.000er-Marke überschritten – 1969 waren es bereits mehr als 100.000. Weitere Nachdrucke über die „Geschichte der Welt“ aus pfälzischer Sicht folgten bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: 1996 waren es insgesamt 154.000 Exemplare seit dem Erstdruck.

„Weltachs werd ingeschmeert“

Den Pfälzern gefiel wohl vor allem das Selbstverständnis von Münch, der bereits in der ersten der 26 Episoden klarstellte: „Unn was nit in de Palz basseert, is Newesach un hot kee Wert.“ Münch inspirierte mit seinem „Pfalz-Verständnis“ auch lange nach seinem Tod andere ideenreiche Pfälzer – so einen Förster in Waldleiningen, der 1964 einen Sandsteinblock auf dem 459 Meter hohen „Kleinen Roßrück“ zwischen Waldleiningen und Johanniskreuz, eine ehemalige topografische Landmarke der Königlich-Bayerischen Regierung, in die „Pälzer Weltachs“ verwandelte. Den Anstoß hatte Münch gegeben mit seiner Vision: „Dort werd die Weltachs ingeschmeert un uffgebasst, dass nix passeert.“

Fast sechs Jahrzehnte nach dieser „Beförderung“ eines eher unscheinbaren Sandsteinblocks mit pfeilartiger Landmarke aus vergangenen Zeiten wird die „Weltachs“ jährlich immer noch „geschmiert“ – nicht mit Öl, sondern in der Regel mit Pfälzer Wein: Wanderer und Spaziergänger haben dabei auch ohne festen „Geburtstagstermin“ für die „Weltachs“ ihren Spaß – und mit seinem kleinen Vers ist auch der gebürtige Ruchheimer Paul Münch stets dabei.

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