Handball
Pascal Durak bleibt den Eulen Ludwigshafen treu
Die kommenden eineinhalb Jahre kann sich Pascal Durak gewisse Sätze sparen. Immer dann, wenn die Zeit naht, den endenden Vertrag zu verlängern, bekennt der Rechtsaußen der Eulen Ludwigshafen seine Treue zum Verein und zur Region. „Ich sage jedes Jahr das Gleiche“, betont Durak. Es folgen dann Sätze wie: „Ich bin hier zu Hause und fühle mich wohl. Ich will nicht weg hier.“
Solche Aussagen sind keine Lippenbekenntnisse. Pascal Durak liebt die Region. Er ist in Heidelberg geboren worden, wuchs in Sandhausen auf und lebt noch immer dort. Familie und Heimatgefühl sind zwei ganz wichtige Faktoren im Leben von Pascal Durak. Sie sind für ihn wichtiger als Geld. Denn vor Wochen äußerte der Rechtsaußen bemerkenswerte Aussagen. „Mir geht es nicht darum, mehr zu verdienen. Ich will bei meiner Familie, bei meiner Freundin bleiben“, sagte Durak, als er und die Eulen Ludwigshafen noch mitten in den Vertragsverhandlungen waren.
So einen Satz in so einer Phase zu sagen, ist aus einem Blickwinkel verheerend. Er ist aber auch mutig und aufrichtig. Verheerend war die Aussage, weil sich Durak damit eine höhere Bezahlung beim Bundesligisten abschminken konnte. Mittlerweile verdienen manche Spitzenhandballer sehr gute Gehälter. Bei den Eulen ist das allerdings nicht möglich. Mutig und aufrichtig war der Satz, weil er den Charakter von Pascal Durak zeigt. Durak ist ein heimatverbundener Mensch. Er will die Region nicht verlassen. Er will nun sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der SRH in Heidelberg endlich beenden und später auch in der Region einen Beruf finden. Heimat und Familie sind ihm eben mehr Wert als etwas mehr Geld auf dem Konto.
„Ich darf sein, wie ich bin“
Das ist aber nicht alles. So führt Durak einen weiteren Grund für seinen Verbleib, seine Treue zu den Eulen auf, die das Besondere an dieser Mannschaft hervorhebt. „Seit ich hier bin, darf ich so sein, wie ich bin“, sagt Durak. Man sollte wissen, dass der 28-Jährige gerne für manchen Schabernack im Training zu haben ist. Durak ist ein Spaßvogel. „Ich habe viele Mitspieler, die den Quatsch mitmachen. Wir verstehen uns unfassbar gut. Es gibt keine Streitereien“, sagt er.
Das ist außergewöhnlich. Im Profigeschäft ist das Konkurrenzdenken nämlich recht ausgeprägt. Und nicht wenige Trainer mögen angepasste Spieler. Spieler, die am besten ohne zu hinterfragen den Weg des Coaches folgen. Eulen-Coach Ben Matschke ist ein anderer Trainer. Er lässt seinem spielenden Personal Freiheiten, Freiraum, um sich zu entwickeln. Er will mündige Spieler.
Dazu gehören eben auch Freigeister wie Pascal Durak. Er ist mittlerweile eine gestandene Persönlichkeit im Team. Es gab Zeiten, da kam Durak aufs Spielfeld und drückte sich ums Aufwärmen. „Ich habe aber gelernt, wie wichtig der Körper ist. Mit 25, 26 Jahren begann mein Körper, auch mal grundlos zu schmerzen. Seitdem wärme ich mich intensiv auf und dehne mich regelmäßig“, erzählt Durak. Diese Einsicht ist das Ergebnis einer familiären Unterredung. Duraks Bruder Dominic treibt intensiv Cross-Fit. Er empfahl Pascal, Yoga zu lernen. „Seit zwei Jahren mache ich das, möglichst jeden zweiten Tag. Ich fühle mich richtig gut“, sagt Durak.
Eiskalt beim Siebenmeter
Seit 2015 nun spielt Durak bei den Eulen. Er ist damit nach Gunnar Dietrich der aktuell dienstälteste Akteur im Team. Dietrich kam 2013 in die Pfalz. Durak ist der Mann ohne Nerven bei den Eulen. Er ist der Siebenmeter-Spezialist. Schon mehrmals gewann er das Nervenduell gegen die gegnerischen Torhüter, als es darum ging, den entscheidenden Siebenmeter zu werfen.
Am Sonntag beim 24:19 (8:12)-Sieg beim HC Erlangen saß Durak zunächst auf der Bank. Er kam immer dann in die Partie, wenn es einen Siebenmeter für die Eulen gab. Viermal war das der Fall – viermal traf Durak. „Ich persönlich finde es einfacher, wenn man im Spiel ist und warm ist. Ich weiß, dass die Mannschaft mich aber bei den Siebenmetern braucht. Ich sehe mich in der Pflicht, mir den Wurf zu nehmen, auch von der Bank. Ich stelle mich dann auf die Siebenmeter ein, wenn ich weiß, dass ich von der Bank komme. Ich weiß, wie wichtig die Siebenmeter für uns sind. Entweder ich zerreiße mir den Kopf, oder ich blende es aus“, sagt Durak.
Nackt vor der Sprossenwand
Dieser Wesenszug erklärt auch, warum er sich vor Jahren einmal für den Verein auszog. Die Eulen Ludwigshafen hatten damals einen Weihnachtskalender geplant. Es wurden spezielle Fotos der Spieler geschossen. Dabei sollte auch eine Nacktaufnahme dabei sein. Niemand aus der Mannschaft wollte die Hüllen fallen lassen. Weil Durak so manches Tattoo hat, bezirzten ihn die Mitspieler. Er tat es schließlich und posierte vor einer Sprossenwand.
Beim 24:19-Sieg am Sonntag in Nürnberg gegen den HC Erlangen erzielte Durak sechs Tore. „Das war ein sehr wichtiger Sieg“, sagte Durak: „Wir können Abstiegskampf. Wir spielen nicht umsonst vier Jahre in der Bundesliga. Die Eulen Ludwigshafen halten mit dem Erfolg den Anschluss an Balingen-Weilstetten und GWD Minden. Beide Konkurrenten trennten sich am Sonntag im direkten Duell 29:29. Durak ist immer noch guter Dinge, dass es die Eulen wieder packen können. „Wir müssen auf alle Fälle am Sonntag zu Hause gegen Nordhorn gewinnen“, betont Pascal Durak. Auch das direkte Duell am 30. Mai, 13.30 Uhr, in eigener Halle gegen HBW Balingen-Weilstetten sei von ganz großer Bedeutung. „Wenn wir da nicht gewinnen, dann ist die Sache durch“, räumt Durak ein.
Aber soweit denkt er erst gar nicht. Jedenfalls ist der Abstiegskampf nichts für schwache Nerven. Ein gutes Nervenkostüm, genau dies hat Pascal Durak.