Ludwigshafen
Parkplatz statt Grünfläche: Anwohner sind empört
Bereits im September 2021 hat die RHEINPFALZ über die Nöte der Bewohner in der Friedrich-Bassemir-Straße 5 mit dem provisorischen Zugangsweg zu ihrem 28-Parteien-Wohnhaus berichtet. Der gepflasterte, reguläre Weg hatte einem Neubauprojekt weichen müssen. Der gesamte, dreiteilige Gebäudekomplex Bassemir-Straße 5, 7 und 9 aus den 1970er Jahren mit insgesamt 75 Wohnungen war zuvor vom Mannheimer Immobilienunternehmen Baklan aufgekauft worden. Den großen Mieterparkplatz mit Tiefgaragen vor dem Hauseingang Nummer 5 hat der neue Eigentümer abreißen lassen, um dort zwei große Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen zu bauen, die inzwischen beide fertiggestellt sind. Als Ersatz für die zugebaute Parkplatzfläche der Mieter hat das Immobilienunternehmen die Anlegung eines neuen Parkplatzes auf der bisherigen Grünfläche hinter dem Gebäudekomplex in der Bassemir-Straße vorgesehen.
In diesem Teil von Oggersheim-West wurden zur Bauzeit in den 1970er Jahren recht großzügig bemessene Grünflächen zwischen den einzelnen Wohnblocks angelegt, was ein solches Vorgehen überhaupt erst möglich macht. Für die in den angrenzenden Mietwohnungen lebenden Menschen bedeutet die Verwandlung des Grüns vor ihrem Fenster in einen gepflasterten Parkplatz allerdings einen gravierenden Verlust von Wohn- und Lebensqualität. Dies haben auch Bewohner des angrenzenden Mehrfamilienkomplexes in der Friedrich-Naumann-Straße beklagt.
Geplante Tiefgarage wurde nicht gebaut
Sie könne ihre ebenerdige Terrasse kaum noch benutzen, weil die erste Pkw-Stellplatzreihe nur anderthalb Meter davon beginne, ärgert sich die 72-jährige Bewohnerin einer Erdgeschosswohnung. Sie leide unter dem Lärm und den Abgasen der parkenden Autos vor ihrem Schlafzimmerfenster. „Ich habe mich früher immer gefreut, wenn ich aus dem Fenster ins Grüne geschaut habe, da war Rasen, Bäume, eine Hecke. Wurde alles vom Bagger abgeräumt“, bedauert die Frau, die schon Jahrzehnte hier wohnt.
Wie die Ludwigshafener Stadtverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt, seien beim Neubauvorhaben 195 Stellplätze erforderlich gewesen. Ursprünglich hätten 69 Stellplätze oberirdisch und 126 Stellplätze in einer Tiefgarage angelegt werden sollen. Nach einer Umplanung des Bauherren seien dann 119 oberirdische Stellplätze genehmigt worden. De facto ist hier überhaupt keine teure Tiefgarage gebaut und stattdessen ein fast doppelt so großer oberirdischer Parkplatz angelegt worden. Genaueres war vom Bauherren nicht zu erfahren. Auf eine Anfrage unserer Zeitung hat das Immobilienunternehmen nicht reagiert.
Stadt: Wohnraumschaffung hat Vorrang
Wie die städtische Bauverwaltung mitteilt, seien auch Pkw-Stellplätze mit einem Abstand von anderthalb Metern zur Balkonfassade genehmigt worden. Es gebe hinsichtlich des Abstands keine gesetzliche Regelung, heißt es. Bei der Baugenehmigung sei aber das „Rücksichtnahmegebot im Hinblick auf die Umgebung berücksichtigt und eine Abwägung hinsichtlich der Herstellung der Stellplätze vorgenommen worden“.
Ein schalltechnisches Prognosegutachten habe ergeben, dass die zulässigen Richtwerte eingehalten würden. Auf die Frage, warum die Versiegelung einer so großen Grünfläche genehmigt worden sei, obwohl an anderer Stelle die Versiegelung von Vorgärten kritisiert und allgemein die Entsiegelung von versiegelten Flächen angestrebt werde, teilte die Verwaltung mit, dass die Realisierung von Bauprojekten befürwortet werde, weil in Ludwigshafen dringender Bedarf an neuem Wohnraum bestehe. Ein Widerspruch zur Vorgehensweise der Stadt gegen versiegelte Vorgärten bestehe nicht.