Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Parking Day: Mannheimer Fressgasse wird zur Fußgängerzone

Beim „Parking Day“ gab es Töpfern als alternative Nutzung von Parkflächen.
Beim »Parking Day« gab es Töpfern als alternative Nutzung von Parkflächen.

Beim Mannheimer „Parking Day“ warben die Veranstalter für weniger Autos in der Innenstadt. Und sammelten Ideen, wie das möglich wäre.

Nach Ausflügen in den Jungbusch und die Neckarstadt ist der „Parking Day“ seit dem Vorjahr wieder zurück in der Mannheimer Innenstadt. „Die Fressgass ist nun einmal die prominenteste Autostraße in der Mannheimer Innenstadt“, erklärte Jan Nehmiz. Das sei der Grund, warum die Aktivisten in ihrer Vorstellung von einer möglichst autofreien Innenstadt gerade hier noch großes Verbesserungspotenzial sehen – für Besucher, Anwohner, aber auch für die Geschäftswelt.

„Die Anziehungskraft der Innenstädte lebt nicht mehr von den Geschäften, sondern eben von der Aufenthaltsqualität“, zeigte sich einer der Organisatoren der Veranstaltung überzeugt. Genau darüber hätte er sich gerne mit den Anliegern sowie mit Lutz Pauels, dem Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Mannheim City, unterhalten.

Versiegelten Raum umgestalten

„Wir haben ihm ein Gesprächsangebot gemacht. Es kam eine E-Mail zurück. Aber seither haben wir keinen Kontakt mehr“, bedauerte Nehmiz. Er hatte mehrere mit KI erstellte Ideen für die Fressgasse mitgebracht. „So schön könnte das hier aussehen“, sagte er. Wobei auch ihm klar sei, dass diese Idealvorstellungen kaum durchführbar seien. Als Denkanstoß könnten sie jedoch allemal herhalten. „Man müsste den Straßenraum eben in seiner Gesamtheit denken. Das wird leider nicht gemacht.“

Dabei müsste gerade Mannheim als eine der heißesten Städte Deutschlands mehr Anstrengungen in dieser Richtung unternehmen. „Parkplätze zu Parks“ lautete so das von den Veranstaltern ausgegebene Motto. Sie möchten versiegelten Stadtraum für Umwelt, Klima und Lebensqualität umgestalten.

Ins Gespräch kommen

Dabei fehlte allerdings ein wenig die breite Unterstützung. „Es sind mehrere Veranstaltungen mit ähnlichem Ziel“, bedauerte Nehmiz. Er verwies auf die Fahrraddemonstration „Critical Mass“ oder die Klimaschutzdemonstration in der Innenstadt. Trotzdem sei der „Parking Day“ wichtig, fanden er und Mitorganisatorin Ines Joneleit. „Es geht darum, unsere Lösungsansätze auch Leuten zu zeigen, die nicht aus unserer Bubble sind.“ Die gut besuchte Innenstadt sei eine gute Gelegenheit, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Aus diesem Grund beteilige sich auch die evangelische Kirche seit Jahren. „Die Schöpfung ist für den Menschen gemacht – nicht für Autos“, so die Kernaussage des Standes. Nebenan sammelte die Klimaliste Ideen und Wünsche für eine lebenswerte Innenstadt.

Kreatives auf dem Parkplatz

Dabei spiele das Auto weiterhin eine Rolle. „Aber man könnte doch außerhalb parken und kostenlose Fahrkarten für den ÖPNV verteilen“, so die Vorstellung einer Anwohnerin. Die Kosten für die Fahrkarten könnten von den Geschäften übernommen werden. „Bis jetzt zahlen die lieber für die Parkgebühr ihrer Kunden“, ergänzte eine Sprecherin der Klimaliste.

Das Künstlerkollektiv „Peer 23“ befindet sich bereits außerhalb der Innenstadt und hat daher eigentlich auch nicht mit der Verkehrsproblematik zu kämpfen. „Aber viele von uns wohnen hier“, erklärte eine Sprecherin. Deshalb beteilige sich das Gemeinschaftsatelier seit Jahren am „Parking Day“. Es war auf der Fressgasse wieder mit seiner Töpferwerkstatt vertreten und lud zur kreativen Nutzung des Parkraums ein.

Mehr Grün, weniger Autos

Auch Klimaagentur, Surfriders, Grüne Jugend und viele andere waren wieder mit dabei. Sie teilten ein gemeinsames Ziel: mehr Grün, weniger Asphalt und weniger ruhender Verkehr auf den Straßen. Das könne sich auch positiv auf Gastronomie und Einzelhandel auswirken. Städte wie Paris oder Barcelona seien dafür gute Beispiele.

Entstanden ist der internationale „Parking Day“ im Jahr 2005 in San Francisco in den USA. Seit 2019 wird auch in Mannheim für die Umnutzung des öffentlichen Raums geworben.

Die Mannheimer Klimaagentur demonstrierte, wie verschiedene Bodenbeläge Hitze abstrahlen.
Die Mannheimer Klimaagentur demonstrierte, wie verschiedene Bodenbeläge Hitze abstrahlen.
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