Ludwigshafen Palzki und die Weinprobe
Es hätte so ein schöner Tag werden können. Die meisten Pfälzer können sich mit maximal zwei verschiedenen Getränken über Wasser halten, wobei Wasser für einen Pfälzer natürlich nicht als Getränk zählt, höchstens als Zugabe für eine Schorle. Bezüglich des Pfälzer Nationalgetränkes gibt es zwei komplett gegensätzliche Antworten: Auf der einen Seite der Weinliebhaber, der oft anhand der Farbe des Rebensaftes zielsicher die Sorte und manchmal den Jahrgang erkennen will. Auf der anderen Seite der Bierliebhaber, der den Geschmack einer Hopfen-Malz-Mischung jedem gegärten Traubensaft vorzieht. Doch egal ob Deutsche Weinstraße oder Kurpfälzer Bierstraße, der heimliche flüssige Bestseller ist in der Pfalz, wie mehrere Statistiken einwandfrei belegen, der Kaffee. Fakt ist, dass der Kaffeeverbrauch, in Litern gemessen, höher ist, als der Wein- und Bierverbrauch zusammen. Seltsam, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, an unser Klima angepasste Kaffeeplantagen in der Pfalz zu etablieren. Im ersten Moment mag das skurril klingen, aber auch die Weinreben wurden irgendwann einmal in unser Land importiert. Vor noch nicht allzu langer Zeit zählte ich mich eindeutig zur Bierfraktion, doch nach meinen erfolgreichen Ermittlungen an der Weinstraße und der Rettung des Bad Dürkheimer Wurstmarktes kam ich auf den Geschmack. Seitdem leben in meinem Keller Wein- und Bierflaschen einträchtig nebeneinander. Daher war es für mich absolut kein Problem, als ich zu einer Weißweinprobe im Mutterstadter Palatinum eingeladen wurde. Dass dieser Abend schließlich im Chaos versinken würde, konnte ich zu Beginn der Veranstaltung nicht ahnen. Aus persönlichen Sicherheitsgründen fuhr ich sogar mit dem Taxi nach Mutterstadt. Ich wollte gerade den Saal betreten, als jede Menge uniformierter Kollegen an mir vorbeirannten und den Saal stürmten. Nachdem ich mich bei passender Gelegenheit als Kollege geoutet hatte, erfuhr ich, dass die Abendkasse, beziehungsweise deren Inhalt gestohlen wurde. „Wir haben bisher drei Verdächtige ermitteln können“, sagte mir der Leiter der Truppe eine Viertelstunde später. „Wollen Sie bei den Befragungen dabei sein?“ Natürlich wollte ich und begab mich mit ihm in ein Hinterzimmer. „Mein Name ist Pierre Bottel“, stellte sich ein grauhaariger Riese vor, der über zwei Meter groß sein musste. „Ich arbeite als Kellermeister beim Weingut Hutzelbacher und wollte heute Abend unseren 2014er Spätburgunder vorstellen. Ich war nicht einmal in der Nähe der Kasse, auch wenn das andere Leute noch so fest behaupten. Schauen Sie, ganz dahinten im Saal, da ist unser Stand.“ Beinahe wäre ich in Versuchung gekommen, aus ermittlungstaktischen Gründen ein paar Flaschen des Spätburgunders zu beschlagnahmen, doch leider war ich nur Gasthörer. Sybille Tilsyn war ein anderes Kaliber. Die robuste Mittvierzigerin kam wütend zu uns ins Zimmer und schlug sogleich mit der Faust auf den Tisch. „Was erlauben Sie sich eigentlich, mich zu verdächtigen? Mich, Sybille Tilsyn. Mein Mann ist im Ortsgemeinderat, lassen Sie sich das gleich sagen, meine Herren! Das wird Konsequenzen haben.“ Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, erfuhren wir, dass die Dame die Aufgabe hatte, den ordnungsgemäßen Ablauf des Abends zu gewährleisten. Nach ihren Angaben hatte sie sich auch mehrere Male mit Agnes Gotowka unterhalten, die die Kasse führte und sogleich die dritte Verdächtige war. „Ich war höchstens für fünf Minuten auf der Toilette“, erzählte uns Gotowka. „Sybille hatte in der Zeit die Kasse übernommen, wie wir es bereits in der Planung ausgemacht hatten. Ich kam gerade von der Toilette zurück, da gab es einen kleinen Tumult, weil irgendjemand Knallfrösche geworfen hatte. Aus Sicherheitsgründen mussten wir daraufhin den Vorraum verlassen. Als wir wieder zurück durften, entdeckte ich die leere Kasse.“ Ich sah in das ratlose Gesicht meines Gegenübers. Eine kleine Hilfestellung konnte daher nicht schaden. „Ich weiß zwar nicht, wer den Inhalt der Kasse tatsächlich gestohlen hat, aber einer dieser drei Personen hat, warum auch immer, gelogen.“ Lösen Sie den Fall Was war Reiner Palzki aufgefallen? Schicken Sie uns die Lösung mit Ihrem Namen und Ihrer vollständigen Anschrift per E-Mail an marktlud@rheinpfalz.de, per Fax an 0621 5902856 oder postalisch an DIE RHEINPFALZ „Marktplatz regional“, Kaiser-Wilhelm-Straße 34, 67059 Ludwigshafen am Rhein. Der Einsendeschluss ist Montag, 23. November. Zu gewinnen gibt es ein handsigniertes Exemplar von Harald Schneiders Kriminalroman „Tote Beete“. Auflösung Oktober Das Foto zeigte einen Rechtshänder. Der Schusseintritt lässt nicht auf einen Rechtshänder schließen. Gewonnen hat Dieter Walloch aus Limburgerhof.