Ludwigshafen
Ortsbeirat Rheingönheim lehnt Neubaugebiet „Im Kappes“ ab
In einer gemeinsamen Anfrage betonen die CDU- und die FWG-Ortsbeiratsfraktion die Bedeutung von Grünflächen für das Stadtklima und die Erholung der Bürger und beziehen sich dabei auf Aussagen von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). Diese habe sich 2018 vehement für das Prinzip „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ in der Stadt ausgesprochen. „Wir fordern den Stopp der Erschließung weiterer Baugebiete und erwarten von unserer Stadtspitze und Verwaltung, dass sie der Innenentwicklung Vorrang gibt“, heißt es im CDU/FWG-Papier. Dabei sei ihnen „die Konzentration auf den Ortskern ein besonderes Anliegen“. Es dürfe nicht jeder freie Quadratmeter Boden im und um den Ort für den Hausbau versiegelt werden.
Auch aus Gründen des Klimawandels müsse ein Stadtteilentwicklungskonzept erstellt werden, das diese Ziele festlegt. Schwerpunkt der Verwaltung sollte die Entwicklung von lebenswertem Wohnraum in der Innenstadt sein. Auf die konkrete Frage, welche Grundstücke in Rheingönheim auf den landwirtschaftlichen Flächen „Im Kappes“ und „Obere Weide“ bereits im Besitz der Stadt sind, nennt die Verwaltung rund 7500 Quadratmeter Grund „Im Kappes“ und 4725 Quadratmeter in der „Oberen Weide“. Insbesondere das Gebiet „Im Kappes“, das vom Wohngebiet um die Bürgermeister-Horlacher-Straße bis hinüber zum Ende der Hauptstraße am Friedhof reicht, ist seitens der Stadt offenbar bereits ins Auge gefasst und im Prüfstadium.
Im September 2019 informierte die Stadt im Ortsbeirat, dass die Flächen durch die ACI GmbH erschlossen werden sollen. In der Sitzung am Mittwoch kritisierte Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (CDU), dass ein privater Projektentwickler bereits dortige Grundstücksbesitzer angesprochen habe, bevor der Ortsbeirat darüber abgestimmt hat. „Es ist ein Unding, immer mit einer Expansion nach außen für Wohnraum sorgen zu wollen. Dann fehlen uns in Rheingönheim wieder Kitaplätze und Schulplätze. Besser wäre es, Alt-Rheingönheim aufzuwerten“, sagte CDU-Ortsbeiratssprecher Joachim Zell.
CDU und FWG dagegen
„Die Bodenpreise werden im Kappes mit vielleicht 700, 800 Euro pro Quadratmeter so hoch sein, dass sich Normalverdiener nichts kaufen können“, argumentierte Mathias Weickert (FWG). „Ich bin entsetzt von dieser Haltung“, entgegnete Thomas Schell (FDP). Es gebe Wohnraummangel in Ludwigshafen, die Ablehnung sei daher egoistisch.
Gleicher Meinung ist auch die SPD-Fraktion, die sich für das Neubaugebiet aussprach. Mehr Wohnraum werde dringend gebraucht, im Neubaugebiet solle es auch einen Anteil „preisgünstigen Wohnraums“ geben, meinte Julia Appel, die zusammen mit Fraktionssprecher Thomas Engeroff für ein Neubaugebiet im „Kappes“ stimmte. Mit der Mehrheit von CDU und FWG lehnte der Ortsbeirat das Neubaugebiet schließlich ab.