Ludwigshafen
Orgelrenovierung in St. Ludwig: Eine Königin in neuem Glanz
Mozarts Satz, dass für ihn die Orgel die Königin aller Instrumente sei, ist Musikern weltweit bekannt, schützt aber ein solches Instrument nicht vor den Widerwärtigkeiten der Zeit: so geschehen am 5. Mai 1943 in Ludwigshafen. An diesem Tag wurden der Innenraum und die Fassade der Kirche St. Ludwig durch eine Luftmine zerstört. Die Stadt verlor eine ihrer bedeutendsten Innenstadtkirchen. Auch die Orgel wurde zerstört. Doch längst erklingt sie frisch renoviert wieder im Gottesdienst.
Die orgellose Zeit war damals erstaunlich kurz: Nach dem Wiederaufbau der Kirche führte die Pfarrgemeinde Verhandlungen mit der Orgelbau-Firma Späth in Ennetach-Mengen, die seit 1927 den Titel „Päpstlicher Hoflieferant“ führen durfte. Diese Verhandlungen mündeten in einen Orgelbauvertrag, der ab 1956 zum Beginn des Aufbaus der heute vorhandenen Orgel führte und 1958 abgeschlossen wurde. Es ist ein Instrument mit 41 klingenden Registern, verteilt auf drei Manuale (Klaviaturen) mit einem Pedalwerk – diese Orgelgröße war dem neuen Kirchenraum angemessen.
In Emporenbrüstung eingebaut
Als Besonderheit des Instrumentes wurde ein Teil der Orgel aus klanglichen und optischen Gründen in die Emporenbrüstung eingebaut: das Rückpositiv. Solche in der Emporenbrüstung eingebauten Teilwerke waren in Ludwigshafen bisher nicht üblich: Für die 1932 erbaute Klais-Orgel der Kirche Herz Jesu in Süd war ein solches Rückpositiv von Johannes Klais zwar geplant, aber aus Inflationsgründen nicht gebaut worden. Weitere Orgeln mit einem Rückpositiv entstanden in Ludwigshafener Kirchen in den 1950er-Jahren beispielsweise in der protestantischen Kirche in Rheingönheim, in der Kirche St. Josef in Friesenheim, in der Kirche St. Martin in Oppau und in der protestantischen Kirche in Oppau.
Mit Spielwind versorgt
Das Instrument in St. Ludwig war technisch und klanglich nach den damals (1956) führenden orgelbautechnischen Prinzipien erbaut worden: Die Orgelpfeifen standen auf elektropneumatischen Kegelladen und wurden so mit Spielwind versorgt. Das klangliche Konzept orientierte sich nach der damals üblichen Verbindung von neobarocken Klangideen auf bescheidener Windversorgung.
Bei der im Jahr 2023 durchgeführten Renovierung des Instruments durch die Firma Mayer aus Heusweiler wurden alle Gehäuseteile sowie alle Holz- und Metallpfeifen nass gereinigt. Sämtliche Windladen wurden per Staubsauger gesäubert, alle elektrischen Steuerelemente erneuert sowie alle pneumatischen Steuerelemente aufgearbeitet. Der optisch eindrucksvolle Spieltisch der Orgel wurde beibehalten, mit neuen Klaviaturen ausgestattet und die elektrischen Steuerelemente ebenfalls erneuert.
Hörbar verbessert
Die 1956 eingebaute, bescheidene Windversorgung des Instruments wurde deutlich hörbar verbessert durch den Einbau eines größerer Magazinbalgs und eines neuen, leistungsstärkeren Windmotors, der jetzt eine deutlich verbesserte Klangentwicklung der Orgel im Kirchenraum gestattet. In den Monaten Juli bis September 2023 wurde die Orgel unter Mithilfe des Organisten Heinz-Georg Saalmüller klanglich erneut auf den Kirchenraum eingerichtet. Seit Mitte Oktober erklingt das renovierte Instrument wieder im Gottesdienst. Eine feierliche Neueinweihung der Orgel ist geplant, jedoch noch nicht terminiert, wie Saalmüller und das Katholische Dekanat informieren.