Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Opernair“ im Luisenpark: Schwindelerregende Höhenflüge

Die Seebühne im Luisenpark.
Die Seebühne im Luisenpark.

Ein festliches Konzert im Luisenpark, auf der Seebühne – beziehungsreich „Opernair“ betitelt –, hat den anregenden Auftakt gegeben zur neuen Spielzeit der Musiksparte am Mannheimer Nationaltheater. Mitwirkende waren sieben Sängerinnen und Sänger des Opernensembles sowie das Orchester der Schillerbühne in kammermusikalischer Besetzung unter Leitung des ersten Kapellmeisters Jänis Liepins.

Folgende Vorbemerkung lässt sich freilich nicht aussparen: Es wäre schön, wenn die jetzt hoffnungsfroh begonnene Saison nicht coronabedingt bald schon wieder unterbrochen beziehungsweise auf digitale Formate reduziert werden müsste. Prinzip Hoffnung steht derzeit auf jeden Fall groß geschrieben – und stirbt bekanntlich zuletzt.

Aber zurück zum „Opernair“. Dessen Vortragsfolge spannte einen Bogen von Mozart und Rossini bis zur Romantik (Verdi, Wagner, Tschaikowsky) und Spätromantik (Humperdinck, Puccini); wobei die leichtere Muse ebenfalls nicht ganz unberücksichtigt blieb. Zu hören waren also „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs „Land des Lächelns“, eine Wunschkonzertnummer par excellence, von Irakli Kakhidze mit bestechendem vokalem Glanz und mitreißender tenoraler Verve vorgetragen; eine Arie aus Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“, von Marie-Belle Sandis überaus elegant, raffiniert, schauspielerisch höchst gewandt serviert, und Johann Strauß’ „Seufzer“-Galopp. Hauptsächlich präsentierte das „Opernair“ Voraus- und Rückblicke, also Auszüge aus Stücken, die in den vergangenen Saisons am Nationaltheater gespielt wurden oder geplant sind für die kommenden.

Mit kompakter Bassgewalt

Dem Konzert lässt sich vorbehaltlos durchgehend überaus ansehnlicher Standard bescheinigen. So profilierte sich Evez Abdulla in der zweiten Arie der Titelgestalt aus Verdis „Nabucco“ und in einer Szene aus dem Schlussakt von Puccinis „Madame Butterfly“ als Sänger-Darsteller von Format mit exquisitem Baritonklang – an der Seite des auch hier sehr überzeugenden Irakli Kakhidze. Apropos vokale Qualität: Mit kompakter Bassgewalt wusste Patrick Zielke damit auf sehr beeindruckende Weise zu dienen. Gestalterische Präsenz zeigte er besonders in Dalands Arie aus Wagners „Fliegendem Holländer“.

Amelia Scicolone entfaltete ihrerseits viel Charme in Blondes erster Arie aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“, bezwang zugleich auch bravourös die vorgeschriebenen schwindelerregenden Höhenflüge bis zum dreigestrichenen „E“. Gelegentliche Schärfen waren allerdings nicht zu überhören.

Ausgewogen, konzentriert und differenziert

Einen vielversprechenden, in jeder Beziehung imponierenden Einstand gab dann der Neuling im Mannheimer Ensemble: die junge koreanische Sopranistin Seunghee Kho mit der Arie der Lauretta aus Puccinis „Gianni Schicchi“ und in Duetten mit Scicolone und Sandis. Vor allem durch hoch sensiblen, bewegend expressiven Vortrag von Lenskis Arie aus Tschaikowskys „Anegin“ nahm schließlich Joshua Whitener für sich ein. Das Nationaltheater-Orchester agierte stets ausgewogen, konzentriert und auch differenziert unter Liepins’ durchweg sicherer, klarer, präziser Stabführung.

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