Ludwigshafen
Omikron: Für den Katastrophenfall gerüstet
„Alle Experten sind sich sicher, dass die Omikron-Variante in wenigen Wochen die dominierende Variante sein wird und dadurch die Anzahl der Infektionen erneut deutlich ansteigen wird. Die Frage ist nicht, ob die Welle kommt, sondern nur wann“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther. Das mit rund 1000 Betten zweitgrößte Krankenhaus in Rheinland-Pfalz hat sich auf Omikron vorbereitet. „Wir sind sehr aufmerksam und haben für uns und unser Haus klare Verhaltensregeln festgelegt, deren Einhaltung wir auch kontrollieren. Es gilt eine Kombination aus Impfen, Testen, Kontaktbeschränkungen, Masketragen und Hygieneregelungen“, erläutert Günther.
So sollen beispielsweise die Corona-Tests noch weiter ausgeweitet werden. Alle Patienten, ob stationär, ambulant oder Notfälle, werden schon länger getestet. Die geimpften Mitarbeiter des Krankenhauses müssen sich mindestens zweimal die Woche testen lassen. Die ungeimpften Mitarbeiter werden täglich getestet. „Die Impfquote unsere Mitarbeiter liegt bei annähernd 95 Prozent, und die meisten sind auch schon geboostert. Wir bieten regelmäßig weitere Impftermine an“, sagt Günther.
15 Intensivpatienten
Zudem gilt seit einiger Zeit ein Besuchsstopp für Angehörige von Patienten – mit Ausnahmen bei besonderen Fällen. Im ganzen Haus gilt Maskenpflicht. Gleichwohl ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann der erste Omikron-Patient im Klinikum behandelt werden muss. Noch ist die Delta-Variante dominierend. Aktuell liegen laut Günther 42 Covid-Patienten im Krankenhaus, davon zehn auf der Intensivstation. Hinzu kommen weitere 16 sogenannte Post-Covid-Patienten, das sind Menschen, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben und bei denen ein PCR-Test negativ verläuft, die aber noch stationär behandelt werden müssen. Davon liegen fünf schwer erkrankt auf einer der Intensivstationen. Die vierte Corona-Welle ist also noch nicht vorbei, während sich mit Omikron gerade die fünfte Welle aufbaut.
Laut Landesuntersuchungsamt gibt es in Ludwigshafen und im Kreis 25 Omikron-Verdachtsfälle. Doch diese Zahl bezieht sich auf auffällige Tests, die noch genetisch untersucht werden müssen. Ein Fall im Landkreis wurde bestätigt. Experten gehen von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Zum einen lassen sich nicht alle Infizierten testen, zum anderen wird nur ein Bruchteil der positiven Tests näher untersucht. Wie der Blick in andere Regionen zeigt, verdoppeln sich Omikron-Fälle innerhalb von zwei, drei Tagen. Das Wachstum ist viel rasanter als bei der Delta-Variante, die einige Monate brauchte, um sich überall auszubreiten.
Schichtmodell für Ausnahmefall
In einigen europäischen Großstädten, wo Omikron bereits 90 Prozent der Neuinfektionen ausmacht, ist die kritische Infrastruktur gefährdet. Für Kliniken und Krankenwagen fehlt Personal. Es fahren weniger Züge, weil Lokführer ausfallen. In nahezu alle Bereichen wirken sich die hohen Infektionszahlen aus. In Ludwigshafen sind Polizei und Feuerwehr deshalb alarmiert. „Wir beobachten die Entwicklung ständig. Wir sind in Habachtstellung, um schnell reagieren zu können“, sagt Jan Deubel. Der 39-Jährige ist stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr in Ludwigshafen. Bei Ausbruch der Pandemie – als die Lage noch unklar war – hatte die Feuerwehr einen Wochenschichtdienst eingeführt. Die Wehrleute schliefen auch auf der Wache, hatten so gut wie keinen Außenkontakt, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. „Je nachdem, wie bei Omikron die Lage ist, haben wir mehrere Maßnahmen vorbereitet. Dazu zählt auch wieder der Wochenrhythmus“, erläutert Deubel. „Bisher sind wir gut durch die Pandemie gekommen. Die Kollegen sind vorsichtig. Wir hatten bisher sehr wenig Corona-Fälle in der Feuerwehr.“
Schon jetzt würden alle 200 Wehrleute vor dem Dienstantritt zu Hause einen Schnelltest machen – egal ob geimpft oder genesen. Von den Wehrleuten seien deutlich mehr als der Bevölkerungsdurchschnitt (73 Prozent) geimpft, aber auch nicht 100 Prozent. Sobald es im persönlichen Umfeld eines Feuerwehrmanns eine Covid-Infektion gebe, stehe ein PCR-Test an. „Wir wollen alle Fälle frühzeitig erkennen. Das hat bisher funktioniert. Omikron wird eine Herausforderung. Wir haben uns vorbereitet“, sagt Deubel.
Fast alle Polizisten sind geimpft
Auch im Polizeipräsidium Rheinpfalz wird die Lage genau beobachtet. Dort ist man für die Vorder- und Südpfalz zuständig, wo rund 900.000 Menschen leben. Die meisten der 1700 Beamten sind mittlerweile geboostert, sagt Präsidiumssprecher Thorsten Mischler. Die Impfquote liege bei über 90 Prozent der Belegschaft. „Wir sind schon nahe der 100 Prozent“, sagt Mischler. Ein Schnelltest wird allen Beamten zweimal die Woche empfohlen. In den Büros und auf den Fluren der Dienststellen werden FFP2-Masken getragen. Im Streifenwagen ist das dem Zweierteam überlassen.
Ähnlich wie die Feuerwehr hatte die Polizei beim Ausbruch der Pandemie zunächst sogenannte Kohorten gebildet – getrennte Gruppen von Polizisten, die sich im Schichtdienst nicht begegnen, damit im Falle von Infektionen eine Dienststelle nicht lahmgelegt wird. Diese Regelung wurde mittlerweile gelockert, dennoch sehen die Dienstpläne vor, dass die Dienstgruppen weitgehend unter sich bleiben. „Wir sind jederzeit bereit, uns an die Lage anzupassen und können die Pläne mit den Kohorten wieder reaktivieren“, sagt Mischler. Bisher sei auch die Polizei gut durch die Corona-Wellen gekommen. „Unser Schutzkonzept funktioniert. Wir sind mit Notfallplänen gut auf Omikron vorbereitet“, versichert Mischler.
TWL haben Notfallplan
Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) versorgen die Stadt mit Strom, Gas und Wasser. Um dies während der Pandemie zu gewährleisten, gibt es einen Krisenstab, der einen mehrstufigen Notfallplan entwickelt hat. Dazu zählen Hygienekonzepte sowie die räumliche Trennung der Schichten und Teams, wie eine Unternehmenssprecherin erläutert. Seit Beginn der Pandemie habe es nur vereinzelte Infektionen gegeben. Auch Quarantänefälle seien auf Kontakte im Privatleben zurückzuführen gewesen. „Im kaufmännischen Bereich konnten die betroffenen Mitarbeiter während der Quarantäne größtenteils im Homeoffice weiterarbeiten. Im technischen Bereich wurden Ausfälle bei Mitarbeitern, die für ihre Tätigkeit vor Ort sein müssen, durch entsprechende Vertretungsregelungen ausgeglichen“, sagt die TWL-Sprecherin. Die Impfquote in der Belegschaft sei sehr hoch, viele Mitarbeiter seien geboostert.
Der Energieversorger rechnet damit, auch in den kommenden Monaten mit den bisherigen Schutzmaßnahmen durch die Pandemie zu kommen. Trotzdem wurde ein Worst-Case-Szenario entwickelt, um für den Notfall gerüstet zu sein. Dazu zählt eine sogenannte Arbeitsquarantäne in isolierten Bereichen. „Die Mitarbeiter gehen dabei direkt bei den TWL in Quarantäne und von hier aus weiter ihrer Arbeit nach. In diese Quarantäne- und Isolierungsbereiche wurden alle notwendigen Leitungen und Kommunikationskanäle verlegt“, so die Sprecherin. „Wir tun das uns Mögliche, um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten.“
Auch die Stadtverwaltung hat Pläne, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Man tue alles, um die Verwaltung funktionsfähig zu halten, sagt ein Stadtsprecher. Von den knapp 4000 Mitarbeitern der Verwaltung arbeitet ein großer Teil im Homeoffice. In manchen Bereichen gehe dies aber nicht, etwa bei der Müllabfuhr.
