Leichtathletik Olympia-Teilnehmer Gast beim Werfertag des RKS Phönix Mutterstadt
Satt, grün und unberührt liegt der Rasen im Stadion des Mutterstadter Sportparks. Und das soll er möglichst lange bleiben. Ein Hauch von Olympia wehte auf der gelbbraunen Wiese nebenan. „Die Hälfte unserer Sportler hat es weggeschwemmt“, berichtete RKS-Geschäftsführer Gerhard Zachrau. Tatsächlich konnte der eigentlich geplante Wurf-Fünfkampf in den Disziplinen Kugelstoßen, Diskus- und Hammerwurf, Speer und amerikanisches Gewichtwerfen nicht wie geplant ausgetragen werden. Der Wolkenbruch am Mittwoch verhinderte einen Teil der Disziplinen.
Uziel Munoz und Hanna Kaiser ließen sich davon nicht abschrecken. Kaiser, immerhin eine der besten Diskuswerferinnen in Rheinland-Pfalz und auch der mexikanische Kugelstoßspezialist Munoz kamen mit einem strahlenden Lächeln auf die Anlage, wenn auch mit unterschiedlichen Zielen. „Der Ring und der Wurfplatz sind überall auf der Welt gleich. Es geht darum, dass die Athleten in ihrer täglichen Routine bleiben“, erklärte Khalid Al Qawati. Der bekannte Wurftrainer ist verantwortlich dafür, dass immer wieder internationale Spitzenathleten den Weg auf die Wiese in Mutterstadt finden, etwa Kugelstoßer Tom Walsh aus Neuseeland, der bei Olympia 2016 und 2021 jeweils die Bronzemedaille gewann, hier vor Jahren mit 21,50 Metern den damaligen Ozeanienrekord verbesserte, oder Silbermedaillengewinnerin Ehsan Hadadi (2012, London).
Der Wettkampf 2025 erfüllte hingegen gleich mehrfach nicht alle Erwartungen. So blieb Hanna Kaiser bei wechselhaften Winden mit 45,53 Metern unter der erhofften Qualifikationsweite für die Deutschen Meisterschaften. Vielleicht war sie ein wenig abgelenkt von dem Bohei um die mexikanische Delegation. Der überaus gewichtig, aber auch bescheiden auftretende Uziel Munoz stand nach seiner Ankunft im Mittelpunkt. Nicht allein, dass sich der Olympiaachte von Paris mit einem geliehenen Kugelschreiber ins Gästebuch der Stadt eintragen durfte. Er stand anschließend noch für Fotos mit den Stadtoberen und den Veranstaltern zur Verfügung, was die Wettkampfvorbereitung der Lokalmatadorin ganz offensichtlich störte.
Munoz selbst war nur einer von eigentlich zwei angekündigten Topstars. „Eigentlich hätte noch der chilenische Diskuswerfer Claudio Romero bei uns antreten sollen, aber er musste kurzfristig verletzt absagen“, erklärte Zachrau. Alles halb so wild, erklärte Trainer Al Qawati, der seit zwei Monaten auch mit dem Chilenen in Mannheim trainiert. „Er hat am Montag neue Schuhe probiert und eine Blase am Fuß und wollte vor dem Diamond-League-Wettkampf am Samstag in London kein Risiko eingehen.“
So blieb es bei Achtungserfolgen. Kugelspezialist Munoz trat beispielsweise mit dem Diskus an, kam hier auf stattliche 50,97 Meter. Sein eigentliches Spezialgerät stieß der Drehstoßtechniker immerhin auf satte 19,88 Meter – rund zwei Meter weniger als seine persönliche Bestleistung aber ebenfalls ein bisschen den äußeren Umständen geschuldet: „Das erneut heraufziehende Gewitter zwang zu einem beschleunigten Ablauf, was sich auf alle Teilnehmer nachteilig ausgewirkt hat“, bedauerte Wettkampfleiter Zachrau.
Er freute sich immerhin, dass Mutterstadts Eigengewächs Samantha Borutta sich mit 68,50 Metern im Hammerwerfen immerhin auf Platz zwei der deutschen Jahresbestenliste nach vorne warf. Und Beigeordneter Frank Pfannebecker war begeistert vom Wettkampfkonzept: „Hier messen sich Amateure mit internationalen Spitzensportlern.“ Und ein neues Autogramm samt spanischer Widmung von Munoz brachte er im Gästebuch der Stadt außerdem zurück ins Rathaus.