Kegeln RHEINPFALZ Plus Artikel Ohne viel Brimborium zum Titel

Runde Sache: Stadtverwaltungs-Kegler Rüdiger Stange, Günther Hammann, Carmelo Falzone (von links).
Runde Sache: Stadtverwaltungs-Kegler Rüdiger Stange, Günther Hammann, Carmelo Falzone (von links).

Mit einem ganz besonderes Präsent hat Günther Hammann seine Teamkollegen von der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Stadtverwaltung Ludwigshafen bei der letzten Weihnachtsfeier überrascht: ein Shirt mit dem Aufdruck „Deutscher Mannschaftsmeister 2021“ samt dem jeweiligen Vornamen. Dabei hätte er getrost noch 2019 ergänzen können, denn Rüdiger Stange, Carmelo Falzone und Hammann selbst gehörten bereits da zum erfolgreichen Keglerteam, das sich bei den nationalen Titelkämpfen im Breitensport den Titel sicherte.

Damals noch nicht dabei war das Küken, Jannis Christmann. Der 30-Jährige ist das Nesthäkchen im Team, denn die übrigen Spieler sind allesamt jenseits der 60, zwei davon sogar über 70. Kegeln gehört zu den Sportarten, in denen das Alter allerdings eine untergeordnete Rolle spielt. „Ich sehe es als Vorteil, dass meine Mannschaftskollegen älter sind. So bekomme ich immer gute Tipps und kann noch viel von ihnen lernen“, meint Jungspund Christmann, dessen Vater Rainer, in früheren Jahren Mitarbeiter der Stadtverwaltung Ludwigshafen und Kegel-Abteilungsleiter der BSG war.

Die BSG Stadtverwaltung ist einer von 13 Clubs der Freizeit Kegler Vereinigung Ludwigshafen (FKV). Schon als kleiner Junge wurde Jannis Christmann mit dem Kegel-Virus infiziert. Schließlich nahm in der Papa regelmäßig mit ins Training und zu Turnieren. Inmitten der „Oldies“ oder sollte man wohl besser schreiben Routiniers fühlt sich der Limburgerhofer pudelwohl. „Menschlich passt es einfach. Wir sind eine tolle Truppe“, sagt Christmann. Die übrigen Drei pflichten im bei.

Der Mittwoch ist dem Quartett „heilig“, denn das ist ihr fester Trainingstag im Kegelcenter in Mutterstadt, ihrer sportlichen Heimat. Und so ein Training ist wahrlich nichts für Weicheier, denn bei 100 Wurf kommen auch die „alten Hasen“ ganz schön ins Schwitzen. Jeder Spieler absolviert pro Bahn 50 Wurf kombiniert, das heißt 25 Wurf in die Vollen und 25 Wurf Abräumen. Danach erfolgt der Bahnwechsel.

Abläufe einstudiert

Da ist Konzentration gefragt. „Es geht uns dann schon um ein gutes Ergebnis und nicht um die Gaudi.“ Die einzelnen Bewegungsabläufe, die haben sie immer und immer wieder trainiert, hunderte, ja tausende Mal. Und doch kann es passieren, dass die Kugel mal zu weit nach links oder nach rechts rausgeht. Dass sie eben nicht so läuft, wie sie eigentlich soll. Ehrgeiz ja, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. „Wir sind immer noch Freizeitkegler und wollen Spaß an der Sache haben“, betont Stange (66), Abteilungsleiter der BSG und Referent für Breitensportkegler des Landesfachverbandes Rheinland-Pfalz e.V., Sektion Classic.

Dass sie den stärker eingeschätzten Bayern bei den deutschen Meisterschaften jetzt schon zwei Mal ein Schnippchen geschlagen haben, das freut sie natürlich ganz besonders. „An sich waren die Bayern stärker einzuschätzen, da sie insgesamt wesentlich mehr Mitglieder und dadurch auch eine deutlich größere Auswahl haben“, erklärt Stange. Dass die Konkurrenz im Vorfeld sogar mit Fitness- und Mentaltrainern arbeiteten, das ließ die Ludwigshafener kalt. Schließlich schafften sie es auch ohne das Brimborium aufs oberste Treppchen. Die eigene Nervosität, die hielten sie selbst in Schach. „Man kann nicht sagen, dass man nach all den Jahren abgeklärt ist, aber wir haben es ganz gut im Griff“, meint der Ludwigshafener Hammann (72).

Es ist nur ein Hobby, das Kegeln, aber ein durchaus zeitintensives, denn viele Wochenenden im Jahr gehen dafür drauf. „Wenn ein Turnier, eine Meisterschaft oder Ligabetrieb ist, wird auch mal ein Urlaub verschoben oder ein Tag früher nach Hause gereist“, sagen die Vier lachend. „Es gehört schon viel Idealismus dazu“, ergänzt Stange. Zwei Mal nun schon durften sie über den deutschen Meistertitel jubeln. 2019 gewannen sie „Gold“ in München, im vergangenen Jahr waren sie erneut nicht zu schlagen, setzten sich deutlich gegen die bajuwarische Konkurrenz durch. Zusätzlich konnten sich Christmann und der Oggersheimer Falzone (72) im Tandem die Silbermedaille sichern. „Unser Ziel war es, den Mannschaftstitel zu verteidigen“, sagt Stange.

Und das ist ihnen eindrucksvoll gelungen. Damit schafften sie es sogar zur Landessportlerwahl, bei der sie in der Wertung „Mannschaft“ inmitten hochkarätiger Mitbewerber den fünften Platz belegten. „Kegeln ist eine Randsportart, daher freut uns die Platzierung umso mehr“, sagt Stange. Dass sie dann als deutsche Meister zum zweiten Mal bei der Meisterehrung des Landessportbundes Rheinland-Pfalz in Ingelheim dabei sein durften, dort zwischen Olympioniken und Hochkarätern aus Sport und Politik sitzen durften, war eine ganz besondere Ehre. „Dieses Mal haben wir nicht den Fehler gemacht und sind danach wieder direkt nach Hause gefahren“, sagt Stange.

Nein, die Kegler hatten ihre Ehefrauen eingeladen, übernachteten in einem Hotel in der Rotweinstadt Ingelheim, genossen am Ehrungsabend zu Antipasti, Pasta-Variationen und zu Tiramisu und Panna Cotta Pfälzer Weine vom Weingut Anselmann aus Edesheim. „Das war ein kleiner Ausgleich dafür, dass wir an vielen Wochenenden nicht da sind“, unterstrich Hammann augenzwinkernd.

Nach dem Ausflug in die große Sportwelt hat die Vier nun der Kegler-Alltag wieder eingeholt. Ligabetrieb und nun an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden auf den heimischen Bahnen im Kegelcenter in Mutterstadt die Landesmeisterschaften, Turniere und im Oktober die deutschen Meisterschaften, bei denen die BSG Stadtverwaltung ihren Titel verteidigen möchte – das Programm ist wahrlich straff. Vielleicht gibt’s dann bei der Weihnachtsfeier Ende des Jahres neue Meistershirts.

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