Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Ohne Hirn, ohne GAG – aber voller Hoffnung

Weg damit: Neue Hackordnung in Ludwigshafen.
Weg damit: Neue Hackordnung in Ludwigshafen.

Welche Themen uns in dieser Woche besonders beschäftigt haben.

Rathausabriss: Ohne Hirn

Der Ausdruck „Lost Place“ bedeutet sinngemäß „vergessener Ort“. Dazu zählen auch Bauruinen, von denen sich in Ludwigshafen einige finden. Manche behaupten ja, die ganze Stadt sei inzwischen ein „Lost Place“, was natürlich dummes Zeug ist. Aber selbst (oder gerade) dummes Zeug wird ja heutzutage in den sozialen Netzwerken konsumiert wie eiskaltes Cola an extrem heißen Tagen. Muss nur spektakulär genug sein, unterlegt mit eben solchen Bildern. Auf der Mega-Baustelle des dem Abriss geweihten Rathauses gibt es viele „Lost Places“ – ob im 15. Stock oder tief unten im Keller. Läuft man diese mit Experten in Helm, Schutzwesten und Sicherheitsschuhen ab, entdeckt man viele Flecken, die gruselig schön sind. Dass sich „Lost-Place-Fans“ des Nervenkitzels oder des Kicks wegen immer wieder illegal aufs Areal schmuggeln, zeigt vor allem eins: den „Lost Space“ in ihrem Hirn. Das ist verdammt noch mal lebensgefährlich.

Wohnungsbau: Ohne GAG

Das kommunale Immobilienunternehmen GAG baut kaum noch neue Wohnungen in Ludwigshafen. Weniger als jeweils 20 Millionen Euro sind für Neubauprojekte in diesem und im kommenden Jahr eingeplant. Für gerade mal 65 neue Wohnungen wäre ein Baustart im nächsten Jahr in Oggersheim möglich. Das ist nicht nur mau, sondern ein Desaster. Denn in Ludwigshafen werden gerade 700 neue Wohnungen pro Jahr gebraucht. Die Wohnungsnot in der Stadt spitzt sich so von Monat zu Monat immer weiter zu. Das bekommen besonders Menschen mit kleinem Geldbeutel zu spüren. Auf dem seit mehr als einem Jahr baureifen Baufeld der geplanten Heinrich-Pesch-Siedlung zwischen West und Oggersheim will sich die GAG gerade gar nicht engagieren. Dabei wäre ein repräsentatives Projekt an dieser Stelle ein wichtiges Zeichen für die vielen Bürger, die nach einer neuen Wohnung suchen, und für potenzielle Investoren von außerhalb. Eine Baugesellschaft aus Nordrhein-Westfalen hat dagegen schon im Frühjahr zugesagt, 200 neue geförderte Wohnungen in der Pesch-Siedlung zu errichten. Wohnungsneubau ist also auch in den aktuell schwierigen Zeiten nicht unmöglich. Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg. Ludwigshafen kann es sich gerade nicht leisten, dass die GAG mit ihren 227 Mitarbeitern den Kopf in den Sand steckt.

Hochschule: Mit vielen Gästen

Endlich, endlich ist der Neubau der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft vor einigen Monaten fertig geworden. In dieser Woche wurde das 72 Millionen Euro teure Projekt mit vielen Gästen auch noch offiziell eingeweiht. Die Besucher konnten sich nach dem obligatorischen Festakt ein Bild davon machen, dass der neue Campus sehr vorzeigbar geworden ist. Auch wenn hinter den Kulissen schon wieder über Platzmangel geschimpft wird. Eineinhalb Jahrzehnte sind bis zur Realisierung des C-Gebäudes ins Land gegangen. Wie der Volksmund schon sagt: Was lange währt, wird endlich gut. Vielleicht klappt das mit der neuen City West und den neuen Straßen in der Innenstadt ja auch irgendwann in ferner Zukunft. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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