Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Odyssee mit Übernachtung auf Autobahn nach Gala-Auftritt

Tim Schmieder und seine Mitspieler hatten eine kurze Nacht und siegten dann noch in einen fremden Halle im Heimspiel.
Tim Schmieder und seine Mitspieler hatten eine kurze Nacht und siegten dann noch in einen fremden Halle im Heimspiel.

Die VTV Mundenheim können die Meisterfeier in der Handball-Oberliga planen. Nach dem 29:18 (15:7)-Sieg im Spitzenspiel gegen Verfolger TV Homburg hielten sich die Mundenheimer 24-Stunden danach auch im Heimspiel gegen den TuS 05 Daun schadlos. Die Mannschaft von Steffen Schneider siegte mit 24:19 (10:11) und trotzte dabei allen Widerständen.

Am Ende waren die Mundenheimer sogar zu erschöpft zum Feiern. Mehr pflichtschuldig als mit Überzeugung skandierten die Mundenheimer noch drei kräftige „Spitzenreiter“ und widmeten sich im Anschluss der Körperpflege mithilfe von isotonischen Getränken. Denn der Erfolg gegen Daun war zwar kein spielerisches Glanzlicht, aber dafür eine unfassbare Willensleistung einer noch immer sehr jungen Mannschaft, die sich auf dem Weg zur Meisterschaft durch nichts und niemanden bremsen lässt. „Ich kann mit der Mannschaft nur absolut zufrieden sein“, sagte Schneider.

Denn tatsächlich hätten die VTV-Akteure gerade gegen Daun jede Menge Entschuldigungen vorbringen können. „Gerade nach einem so emotionalen Höhepunkt wie in Homburg ist es unglaublich schwer, sich noch einmal zu fokussieren“, wusste Schneider. Vor offiziell 400 Zuschauern, Augenzeugen wollten gar fast doppelt so viele Besucher in der Homburger Sporthalle gezählt haben, dominierten die VTV das Spitzenspiel, führten mit 5:1 (12.) und ließen die ambitionierten Gastgeber nie ins Spiel finden. „Wir haben überragend verteidigt und im Angriff enorm effektiv“, bilanzierte der VTV-Trainer, fand ein winziges Haar in der Suppe: „In Sachen Tempo hätten wir noch etwas Luft nach oben.“ Dabei grinste er.

Mundenheimer Halle unter Wasser

Immerhin wusste er da noch nicht, was für eine Odyssee vor seiner Mannschaft lag. Denn die überschaubare Busfahrt aus dem Saarland nach Ludwigshafen wurde zu einer neunstündigen Übernachtung auf der Autobahn. Die Mundenheimer wurden eines der Opfer im Schneechaos, kamen erst um 8 Uhr wieder in Ludwigshafen an. Das geplante Vormittagstraining war damit gestrichen. Zumal in der gewohnten Trainings- und Spielhalle, dem Schulzentrum Mundenheim, das Wasser in Sturzbächen von der Decke kam. So ging es kurzfristig in die Heinrich-Ries-Halle nach Friesenheim. Alles andere als ein Heimvorteil also.

Umso höher ist die Energieleistung zu bewerten, die die Mundenheimer gegen Daun auf die Platte brachten. Das war nicht immer schön anzusehen, aber Schönheitspreise waren an diesem Tag nicht zu gewinnen. Und es dauerte tatsächlich ein wenig, ehe sich die Mundenheimer auf Spiel und Gegner konzentrieren konnten. „Die Abwehrleistung war von Beginn an da, aber uns hat die Effektivität im Angriff gefehlt“, beschrieb Schneider den ersten Durchgang, der mit einem knappen 10:11-Rückstand endete.

Schneider war in der Kabine als Psychologe und Motivator gefragt und fand ganz offensichtlich die richtigen Worte. Tim Schmieder (3), Aaron Schleidweiler und Marco Binnes machten aus einem 10:13 (34.) ein 15:13 (38.). Diese Führung ließen sich die Mundenheimer nicht mehr nehmen. Mit den wirklich allerletzten Kraftreserven steuerten sie in Richtung Sieg und verdienten sich damit ein paar trainingsfreie Tage.

In denen können die Mundenheimer zumindest anfangen zu rechnen. Bei noch zwölf zu vergebenden Punkten und mindestens sieben Zählern Vorsprung – Verfolger Homburg hat noch zwei Nachholspiele – können die VTV den Meistersekt im Vereinsheim schon einmal kaltstellen.

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