Kommentar
OB-Wahl in Ludwigshafen: Bitte keine Alibi-Lösungen
Mit ihrem angekündigten Verzicht auf eine zweite Kandidatur hat Amtsinhaberin Jutta Steinruck (parteilos) im Prinzip den Wahlkampf für die OB-Wahl am 28. September 2025 selbst eingeläutet. Noch ist keine Partei aus der Deckung gegangen. Möglicherweise haben ja alle nur darauf gewartet, wie sich Steinruck entscheidet. Seit Dienstag ist klar: Die 62-Jährige ist aus dem Rennen. Damit steigt der Druck, speziell auf CDU und SPD, mit 17 und 13 Sitzen die größten Fraktionen im Stadtrat, eine Person aus ihren Reihen zu präsentieren, die Steinruck ab Anfang 2026 beerben kann.
Findungskommission eingesetzt
Die Union hat dafür direkt nach der Kommunalwahl eine Findungskommission eingesetzt, die laut ihrem Kreisvorsitzenden Torbjörn Kartes Ende September, Anfang Oktober einen Bewerber vorstellen will. Eigentlich kann es da nur einen geben: Peter Uebel. Der 60-jährige Mediziner ist das Gesicht und als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat auch das Sprachrohr der CDU. Er ist bekannt, gut vernetzt und sozial engagiert beim Projekt „Street Doc“, unterm Strich also ein politisches Schwergewicht. Er wäre die 1a-Lösung. 2017 ist er Steinruck erst in der Stichwahl unterlegen.
Peter Uebel will eher nicht
Die CDU hat bei der Kommunalwahl im Juni kräftig zugelegt, die SPD als stärkste Kraft im Stadtrat abgelöst und aktuell politischen Rückenwind aus Berlin. Kurz gesagt: Uebel hätte – Stand heute – allerbeste Chancen, eine OB-Wahl zu gewinnen. Ob er antritt, ist hingegen weiter offen. Er selbst habe sich schon entschieden, sagte er der RHEINPFALZ, wolle der Findungskommission aber nicht vorgreifen. Dem Vernehmen nach will Uebel eher nicht den Finger heben.
Noch mehr Stress?
Das von ihm mitbegründete Ärztehaus in der Gartenstadt läuft gut, und der OB-Job in Ludwigshafen, das zeigt Steinrucks frustrierter Abschied mit Ansage, ist kein Zuckerschlecken. Diese Aufgabe würde den Internisten noch mehr fordern als sein jetziger Beruf, bei dem er vermutlich auch mehr verdient. Noch mehr Stress? Darunter würde wohl auch seine neue Beziehung nach der Trennung von seiner Frau Eva-Mara leiden. Alles Gründe, die vermeintlich gegen eine Kandidatur Uebels sprechen.
Professor als 1b-Lösung?
Vor diesem Hintergrund kursiert mit Blick auf die OB-Wahl ein neuer Name in CDU-Kreisen, wenn man so will eine 1b-Lösung: Klaus-Jürgen Blettner (56), frisch in den Stadtrat gewählter Hochschul-Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und dort bereits CDU-Fraktionsvize, was für einen Quereinsteiger ein schneller und beachtlicher Aufstieg ist. Da drängt sich der Eindruck auf: Der Mann wird für höhere Aufgaben positioniert.
Ob er das Rüstzeug mitbringt, eine 4000 Mitarbeiter starke Verwaltung sowie den Konzern Stadt zu führen und über das notwendige Gespür verfügt, um eine Stadtgesellschaft sowie die politischen Gremien sympathisch, intelligent und integrierend zu moderieren, wie es das Kandidatenprofil verlangt, ist schwer zu beantworten. Fest steht: Uebel wäre die erfolgversprechendere und glaubwürdigere Personalie für den 570 Mitglieder starken Kreisverband.
Auch SPD steckt in einem Dilemma
Die SPD steckt in einem ähnlichen Dilemma. „Wir haben viele gute Köpfe. Wir werden vermutlich noch dieses Jahr verkünden, wer bei der OB-Wahl ins Rennen geht“, sagt David Guthier. Auch wenn er erst 34 ist, wäre er die 1a-Lösung für die Genossen. Seit zehn Jahren führt der frühere Juso-Chef den Stadtverband, seit 2019 ist er als Fraktionssprecher der Vordenker im Stadtrat, seit Januar 2024 sitzt er im Mainzer Landtag. Dort ist er verkehrspolitischer Sprecher und in mehreren Ausschüssen vertreten. Er ist das Gesicht der 1250 Mitglieder zählenden Ludwigshafener SPD.
Auch David Guthier zögert
Doch auch Guthier, bei der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft als Produktmanager im Bereich Unternehmensentwicklung und Controlling beschäftigt, zögert, wie man hört. Wohl mit ein Grund dafür: Das OB-Amt ginge auf Kosten der jungen Familie. Guthier ist seit 2018 verheiratet und hat zwei kleine Söhne.
Wie bei der Union werden daher auch bei der SPD hinter den Kulissen bereits Namen aus der zweiten Reihe gehandelt, also ebenfalls 1b-Lösungen: wie Julia May, Juristin, bald 40, Fraktionsvize im Stadtrat. 2017 hat sie ihren ehrenamtlichen Posten als Rheingönheimer Ortsvorsteherin der beruflichen Karriere bei den Technischen Werken geopfert – ist lange her, aber nicht gerade ein Empfehlungsschreiben für den Chefsessel im Rathaus. Weitere personelle Alternativen wären: Bundestagsabgeordneter Christian Schreider (52). Doch der will sein Direktmandat verteidigen. Unterbezirkschef Gregory Scholz (42). Der Landtagsabgeordnete aus Oppau hat angeblich kein Interesse. Kämmerer Andreas Schwarz, Jahrgang 1968, ist schon 2015 als OB-Kandidat in Frankenthal gescheitert.
Stellen Sie sich der Verantwortung!
Für CDU wie SPD gilt: Eine zweit- oder drittbeste Lösung als OB-Kandidat wäre nur schwer vermittelbar. Zumal auch die AfD, motiviert durch die satten Zugewinne bei der Kommunalwahl, nicht ganz chancenlos ist, falls sie einen akzeptablen Bewerber findet. Daher der Appell an Uebel und Guthier: Stellen Sie sich der Verantwortung, wenn Ihnen die Zukunft der Stadt wirklich etwas bedeutet!