Ludwigshafen Nur 50 Meter bis zur Baustelle

Das Büro von Thomas Fries hat einen prominenten Platz. Der 54-jährige Diplomingenieur sitzt an einem Schreibtisch direkt in der Fußgängerzone. In einem ohnehin leerstehenden Geschäft, nur 50 Meter von seinem Arbeitsobjekt entfernt. Thomas Fries ist für die Projektsteuerung der Baustelle ehemaliger Kaufhof, Ecke Bahnhofstraße, zuständig. 2019 sollen in das frühere Warenhaus als Hauptmieter die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) einziehen. Seit 2017 wird das markante Haus umgebaut und von Grund auf neu gestaltet. Thomas Fries arbeitet beim Bauteam Deutschland (btd), einem Kölner Ingenieurbüro. Er und seine Kollegen werden bei Bauprojekten mit den verschiedensten Aufgaben beauftragt. Mal überwachen sie den Ablauf eines Baus – also, ob Generalunternehmer und Handwerker alles vertragsgemäß ausführen–, mal ist btd nur für die Bauabnahme zuständig. Beim Ex-Kaufhof-Projekt, hinter dem als Bauherr die Mannheimer Firma Pro Concept steckt, macht btd alles. „Und das ist uns das Liebste“, ergänzt er. „Wir beraten von der ersten Phase an, holen Kostenschätzungen ein.“ Zum jeweiligen Planungsstand müssen die Budgets ermittelt werden. Er stimmt mit zukünftigen Mietern die Details ab, schreibt dann die Leistungen aus. Bei einem Bauprojekt dieser Größenordnung wird ein Generalunternehmer gesucht, der sich selbst darum kümmert, Handwerker für einzelne Gewerke zu finden. Während der Bauphase ist Fries etwa dreimal die Woche auf der Baustelle und schaut, ob alles so läuft, wie geplant. Kontrollieren muss er vor allem, dass die vereinbarte Qualität und der Zeitplan der Arbeiten eingehalten werden. Ganz am Ende steht die Abnahme. Das könne bei einem so großen Projekt wie dem Ludwigshafener schon mal ein bis zwei Tage dauern – pro Etage! „Sie müssen sich jede Glasscheibe angucken“, nennt Fries ein Beispiel. Sein Beruf ist abwechslungsreich. „Sie müssen technische Kenntnisse haben und auch kaufmännische“, sagt er. Und: „Ein Bauvorhaben ist erfolgreich, wenn es für alle erfolgreich ist.“ Denn er und sein Team stehen zwischen dem Bauherrn als Auftraggeber, dem Generalunternehmer, den Mietern und auch der Stadt. „Mir ist eine Baustelle am liebsten, auf der sich nichts mehr ändert“, sagt Fries. Überlegt auf Nachfrage allerdings kurz und muss zugeben: „Es gibt wohl kein Bauvorhaben ohne nachträgliche Änderungen.“ Deshalb gehören zu den wichtigsten Utensilien auf seinem Schreibtisch die aktuellen, großformatigen Baupläne. „Wichtige Sachen will ich immer noch auf Papier haben“, sagt Fries, auf dessen Tisch natürlich auch ein Laptop steht und ein Smartphone liegt, das während des Pressetermins mehrmals klingelt – der Bauingenieur ist von vielen Seiten gefragt. „Außerdem sieht man bei einem großen Plan auf Papier die Gesamtzusammenhänge besser.“ Die kleine blaue Taschenlampe auf dem Tisch braucht er für Baustellenbegehungen. „Sie haben immer Ecken, die nicht ausreichend für eine Kontrolle ausgeleuchtet sind.“ Im Stiftehalter steckt neben einem Lineal auch ein linealähnliches Gerät, mit dem Maßstäbe abgelesen werden können. Unerlässlich für ihn sind: Warnwesten und Bauhelme, die auf dem Schrank platziert sind, an der Wand hängen und im Schaufenster ausliegen. In dem großen Raum war früher mal ein Optikergeschäft. Das Glück, solch ein großzügiges Büro in direkter Nähe zur Baustelle zu haben, hat er nicht immer. Häufig ist sein Arbeitsplatz ein Doppelcontainer. „Es gibt viele Baustellen in Industriegebieten und auf der ,grünen Wiese’“, sagt er. Für Baustellenfahrzeuge sei das zwar wesentlich einfacher, für ihn aber wenig komfortabel. Auch, sich auf dem Weg vom „Büro auf Zeit“ zur Baustelle mal eben ein Eis holen, kann er dort nicht, wie er lachend mit Blick auf seinen derzeitigen Standort sagt. „Die Lage ist ideal.“ Sein eigentliches Büro ist in Köln, sein Zuhause in Neuwied. Nach Ludwigshafen pendelt er, betreut zeitgleich noch eine weitere Baustelle in Rheinland-Pfalz. Die Größe des Büros hat noch einen Vorteil: Den hinteren Teil des Raums nutzt er als Bemusterungsfläche. Dort hängen Entwürfe an den Wänden. Auf dem Boden liegen Feuermelder, an einer Wand sind Waschbecken und Kloschüssel angebracht. Natürlich nicht zum Gebrauch, sondern als Muster dafür, wie die Toiletten im neuen Gebäude aussehen werden. Wenn Thomas Fries – geplant Ende 2018 – seine Arbeit in der Bismarckstraße beendet, warten schon neue Projekte auf ihn. Die Nachfrage sei sehr groß. „Aber es ist ganz schwierig, Jungingenieure zu finden.“ Sein Unternehmen sucht Nachwuchs – für einen vielfältigen Job. „Sie haben auf Baustellen mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun.“ Und manchmal auch einen Schreibtisch in einem ziemlich großen Büro.