Ludwigshafen Nie mit dem Träumen aufhören

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Der Mannheimer Filmemacher Ammar Sonderberg hat in diesem Jahr mehrere Preise auf internationalen Filmfestivals gewonnen. Bisher hat der 27-Jährige jedoch nur Kurzfilme gedreht. Er träumt von einem abendfüllenden Film. Und auch in seinen Filmen spielt das Träumen eine große Rolle.

Als Kind griff sich Ammar Sonderberg, wenn er nicht gerade „Star Wars“ oder „Alien“ guckte, immer mal wieder die Kamera seines Vaters. Dann wurde der Teppichboden zum Lavastrom und die Wohnung zum Fluggebiet, das er filmisch durchschwebte. „Film hat mich magisch angezogen“, erinnert er sich. Heute ist der Lockenkopf 27 Jahre alt, hat schon einige Kurzfilme gedreht und blickt auf ein ziemlich erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Ein Zeichen, dass seine Karriere als Filmemacher so langsam Fahrt aufnimmt? Vielleicht. Und wenn nicht? „Ich habe Geduld und bleibe mir treu“, sagt Ammar Sonderberg. „Dann funktioniert das.“ Insgesamt hat der gebürtige Aachener, der schon seit sechs Jahren in Mannheim lebt, dieses Jahr zehn Awards abgeräumt. Sein Kurzfilm „The Call“ überzeugte unter anderem in Moskau auf dem „European Film Festival“, in Kanada beim „Best Short Fest“, in London beim „Rob Knox Filmfestival“ oder beim deutschen „Camgaroo Award“. Beim „CineFest“ in Los Angeles gehörte er zu den Finalisten. Hinzu kommen vier Nominierungen auf Filmfestivals in aller Welt. Für manche wäre das ein Grund zum Abheben. Ammar Sonderberg bleibt jedoch auf dem Teppich und freut sich sichtlich über seine Preise. Er freut sich wie ein Kind, könnte man behaupten, ohne dass es für ihn abwertend klingen würde. „Ich will das Kind in mir nie verlieren“, sagt er und meint: die Fantasie behalten, niemals mit dem Träumen aufhören. Eine Einstellung, die auch in seine Filme einfließt, etwas, das er im Film umsetzen kann. Mit kleinen Schritten, also mit Kurzfilmen, eifert der junge Mann seinem größten Traum nach: „Einen Langfilm drehen“, erklärt er. Ohne einen Produzenten mit den notwendigen finanziellen Mitteln gehe das allerdings nicht. Aber Ammar Sonderbergs Augen funkeln durch die große Brille. „Eine Münchner Filmfirma will mich kennenlernen“, erzählt er. Es könnte seine Chance sein. Doch auch da hält er den Ball flach. Nicht von allen Filmfestivals, auf denen er dieses Jahr erfolgreich vertreten war, hat Ammar Sonderberg persönliche Eindrücke mitgebracht, denn er war nicht überall anwesend. „Das kann ich mir gar nicht leisten“, sagt er und lacht. Der gelernte Mediengestalter arbeitet, um sich über Wasser zu halten und seinem Hobby, dem Filmemachen, frönen zu können, immer mal wieder für diverse Unternehmen in der Region. Er dreht unter anderem Imagefilme, war schon für die Rhein-Neckar-Löwen tätig und ist zurzeit Video-Producer am Heidelberger Uni-Klinikum. Dabei versucht er jedoch, immer genug Zeit für seine eigenen Filmprojekte zu haben, die sich wegen des schmalen Geldbeutels hauptsächlich im Low-Budget-Bereich bewegen. Dennoch wirken seine Filme keineswegs billig. „Die Schauspieler machen unentgeltlich mit“, erzählt er dankbar. Auch in Sachen Kamera und Equipment greift er oft auf ein Netzwerk zurück oder startet Aufrufe über soziale Plattformen. Und dann fällt ihm lachend ein: „Ich habe sogar schon mein Auto verkauft, um einen Film drehen zu können.“ Mit seinen Filmen möchte Ammar Sonderberg auch seinen Zuschauern wieder ein Stück Kindheit zurückgeben. Dazu nutzt er verschiedene Genres. Science Fiction gehört dazu, mal was Witziges, mal was Ernstes. „Ich möchte unterhalten, aber den Menschen auch etwas mitgeben“, sagt er und fügt sofort hinzu: „Ohne erzieherisch zu wirken.“ Das sei etwas, was ihm an vielen deutschen Filmen nicht gefalle. Typisch deutsch sollen seine Produktionen auch nicht sein. „Ich bin mit Spielberg und George Lucas aufgewachsen“, erklärt er. Und so versieht er seine Filme gerne mit amerikanischem Flair. Doch was am Ende dabei herauskommt oder welches Thema Ammar Sonderberg anpackt, hängt von seiner Gefühlslage ab. „The Call“ wurde ein Film, der zum Nachdenken bringt. Der Vier-Minuten-Film greift Ereignisse in der derzeitigen angespannten Weltlage auf und rührt zu Tränen. Und er hat, typisch für die Filme des Lockenschopfs, ein überraschendes Ende. Denn Ammar Sonderbergs Filme sollen im Kopf bleiben. Dennoch lässt er sich vom Erfolg des emotionalen Streifens nicht dazu verleiten, etwas Ähnliches sofort wieder zu machen. Und so geht sein neuestes Projekt „Astronaut – Lost in Mind“ wieder in eine ganz andere Richtung. INFO Der Film „The Call“ wird demnächst auf www.youtube.de zu sehen sein. Ammar Sonderbergs Internetseite findet man unter www.ammar-sonderberg.com.

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