Mannheim
Nicht ohne de Neggarbrigge Blues: Mitreißende Show beim Seebühnenzauber
Die Show hat nicht den Anspruch, historisch akkurat die Geschichte der Blues-Frauen aufzuarbeiten. Vielmehr geht es darum, ausgewählte Stücke ausgewählter Stars zu präsentieren, und das mit ordentlich Schmackes. Die Mannschaft dafür hat sich schon vielfach bewährt. Musikalischer Direktor ist Robert Ahl, der auch an der originalen Hammond B3 Orgel mitspielt. Es gibt eine Rhythmusgruppe und eine Horn-Section, bei der Gassman auf dem Baritonsaxophon mitmacht. Gitarrist Christian Gasch hat viele Solos, weil Blues halt ziemlich gitarrenorientiert ist.
Die Sängerinnen haben schon bei früheren Produktionen mitgemacht, bei „Respect“, der Aretha Franklin Tribute Show, bei der Formation Soulfinger oder bei der ersten Soul Revue „Sweet Soul Music“. Mit dabei ist Lisa Benjamin aus Mannheim, Donielle Graves, die in St. Leon-Rot lebt, sowie Menoosha Susungi aus Idar-Oberstein und Flore M aus Straßburg.
Jede durfte einmal Leadstimme singen
Alle machten ihre Sache hervorragend. Sie wechselten sich ab, jede durfte einmal vor, um Leadstimme zu singen, während die anderen dazu Backings sangen. Donielle Graves eröffnete das Programm mit Nina Simones „Feeling Good“. Menoosha Susungi brachte einen Blues-Klassiker, der aber nicht von einer Blueslady, sondern von B. B. King stammt. Flore M sang mit viel Dynamik „Super Duper Love“, das Joss Stone bekannt gemacht hat. Lisa Benjamin erinnerte an die große weiße Bluessängerin Janis Joplin mit einem mitreißenden „Piece of My Heart“.
Blues und Mannheim, da darf eins nicht fehlen, nämlich de Neggarbrigge Blues vun de Joy Fleming. Die meinte man tatsächlich zu hören, als Susan Horn ihren Gastauftritt hatte. Horn hat das bestens drauf, sie ist nämlich auch mit einer Joy Fleming Tribute Show am Start. Sie sang sich die Seele aus dem Leib, und das Publikum jubelte zu Recht.
Daria Biancardi ist eine Entdeckung
Und noch ein besonderer Gast muss unbedingt erwähnt werden: Daria Biancardi. Sie ist wohl ganz kurzfristig zur Show gekommen, wie Gassmann erklärte. Aber sie wurde an diesem Abend zum Star. Sie hat eine fantastische Stimme und singt mit einer umwerfenden Energie. Ihre Bühnenpräsenz ist beeindruckend. Wenn andere Instrumente Solos hatten, lenkte sie die Aufmerksamkeit auf die Solisten, war voll konzentriert bei ihnen und forderte für sie Applaus.
Daria Biancardi stammt aus Sizilien, ging mit 20 Jahren nach New York, kam ein paar Jahre später zurück nach Palermo zu ihrer Familie, als sie schwanger war. Sie gab das Singen auf, widmete sich der Familie und arbeitete in einem Krankenhaus. Nach zehn Jahren fing sie wieder an zu singen. Zum Glück! Auch wenn sie in italienischen Castingshows nicht den großen Durchbruch geschafft hat, wenn sie weiter so auftritt wie auf der Seebühne des Luisenparks, muss sie es hier schaffen. Das Publikum feierte die Entdeckung.
Der Abend bot beste Musik und tolle Unterhaltung. Die Band und die Sängerinnen waren toll in Form. Es gab echte Glanzlichter. Das Publikum forderte Zugaben, die dann auch kamen, als alle noch einmal auf die Bühne traten.