Mannheim
New York in der Quadratestadt: Gitarrist Mike Stern im „Ella & Louis“
Zum zweiten Mal gab der US-amerikanische Gitarrist im „Ella & Louis“ am Rosengartenplatz ein Club-Konzert. Im Laufe seiner Karriere hat er sich mit seinem Instrument schon an Jazz, Rock, Pop, Blues und Funk ausprobiert und dabei mit Größen des Genres zusammengewirkt. Unter anderem mit Miles Davis, der mit Stern drei Alben aufgenommen hat. Der legendäre Jazz-Trompeter war vom Spiel des Gitarristen hingerissen. Dem Publikum im ausverkauften „Ella & Louis“ erging es am Sonntag nicht viel anders. Am Ende des Gigs gab es anhaltenden Applaus für ihn und seine Band.
Stern kommt zusammen mit seiner Ehefrau
Mit Mike Stern betraten seine Ehefrau, die Sängerin und Fusion-Gitarristin Leni Stern, Bob Franceschini (Saxophon), Chris Minh Doky (Bass) und Dennis Chambers (Schlagzeug) die Bühne. Das ist ein Live-Erlebnis, von dem so manch ein Connaisseur ein Leben lang nur träumen mag. Das Konzert in Mannheim sollte der Band zu einem einzigen langen Set geraten. Sehr zur Freude der rund 130 Gäste, denen rund zwei Stunden lang eine coole Wohnzimmeratmosphäre mit fünf Ausnahmemusikern geboten wurde. Das „Ella & Louis“ hätte an diesem Abend auch ein angesagter Jazz-Club im New York der Sechziger sein können.
Für Schubladen war Mike Stern noch nie zu haben. Sein Gig war insofern auch ein Spiegel der musikalischen Wege, auf die er im Laufe seiner Karriere abgebogen ist. Schnelles Picking, sattes Vibrato und mitunter bratigen Sound vermengt der Gitarrist zu einem manchmal rotzigen Stil, der in der Jazz-Szene unverkennbar ist. Man bemerkt schnell, dass Stern eine Menge Inspiration von den Altmeistern des Blues und Rock bezogen hat. Eric Clapton und Jimi Hendrix lassen sich da durchaus erkennen.
Coole Experimente
Auch das Herz von Ehefrau Leni schlägt für solche Experimente. Als Jazz-Gitarristin und Sängerin stand sie beim ersten Stück des Abends im Mittelpunkt. Den Song „Like a thief“ hat sie selbst geschrieben, wobei sie ihren balladenhaften Gesang auf einem afrikanischen Zupfinstrument begleitete. Bob Franceschini fiel mit seinem ersten Saxophon-Solo an diesem Abend ein, während Chris Minh Doky am Bass und Dennis Chambers am Schlagzeug souverän den Rhythmus dazu ablieferten. Und mittendrin stand Mike Stern, der wie ein kreativer Janus beides mit Chuzpe aus seiner Gitarre holte. Das hatte schon was Magisches.
Der Song „Out of the Blue“, den Mike Stern im Jahr 2012 für sein 15. Studioalbum „All over the Place“ geschrieben hat, klang ein wenig wie ein psychedelischer Trip, in den Jazz- und auch Blues-lastige Akkorde einflossen. Mit dem energetischen Saxophon von Bob Franceschini entstand eine Tonalität, die man sich ganz gut auch im Soundtrack eines Film Noir im Stil von „Blast of Silence“ oder „Fahrstuhl zum Schafott“ hätte vorstellen können. Gleichzeitig kam klassisches Jam-Feeling auf.
Die großen Vorbilder
Mit seinem ersten längeren Solo spazierte Mike Stern acht Minuten lang über die Tonleiter, wobei Zeit und Raum verschwammen. Auch der Song „You never know“, den Stern für sein Album „Eclectic“, eine Kooperation mit dem US-Gitarristen Eric Johnson, aufgenommen hat, wurde von viel kollektiver Spielfreude getragen. Das Herzstück des Konzerts war allerdings eine klassische Session, von der sich das Ensemble fast bis zum letzten Vorhang tragen ließ. Ehe dieser fiel, huldigte Stern aber noch einem seiner Vorbilder, und zwar mit einem Cover von „Red house“ aus der Feder von Jimi Hendrix. Und auch hier mag den einen oder anderen der Gedanke beschlichen haben: Genauso könnte es gewesen sein. Damals.