altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Neustart in der Galerie im Hof

Langjährige Künstlerfreundinnen: Susanne Wolf-Kaschubowski und Ingrid Hess.
Langjährige Künstlerfreundinnen: Susanne Wolf-Kaschubowski und Ingrid Hess.

Susanne Wolf-Kaschubowski, Galeristin und Künstlerin, ist glücklich über „Zeitspur“, die erste Ausstellung seit zwei Jahren in der Galerie im Hof in Altrip. Zugleich rückt der Ausstellungstermin für das Künstlerinnenprojekt „Changes“ näher.

Die Idee zu „Changes – Zeit der Veränderung“ war während der Pandemiezeit entstanden. Um der Isolation zu entkommen, den Kontakt zu Künstlerinnen zu halten, zugleich etwas Gemeinsames zu schaffen, kamen sechs Frauen aus dem Großraum Ludwigshafen und München auf eine besondere Idee: Im September vergangenen Jahres begann jede Künstlerin, ein Bild zu malen und es dann zur Bearbeitung weiterzureichen.

Nicht nur, dass das gemeinsame Tun, das Loslassen des eigenen Bildes, das Einlassen auf das Folgende, eine hohe Form des Respekts vor der Arbeit der anderen war. Vielmehr verband die Künstlerinnen, in der Zeit des Lockdowns sensibilisiert für gesellschaftliche und soziale Veränderungen, ein weiteres Ziel: Eine Ausstellung mit Spendengala zugunsten des Frauenhauses Ludwigshafen. Nun ist das Projekt auf der Zielgeraden.

Viel Spaß

„Es hat uns viel Spaß gemacht, einander kennen zu lernen und zusammen zu arbeiten“, sagt Ingrid Hess, Malerin aus Ludwigshafen. „Es war sehr spannend, denn jede von uns hat ja einen anderen Stil, andere Motive oder arbeitet mit anderen Materialien. Immer, wenn ich ein Bild von einer Kollegin bekam, war ich oft tagelang am Überlegen, wie viel ich verändern soll oder darf“, beschreibt Hess ihre Gefühle.

„Dadurch, dass wir sehr offen miteinander waren, habe ich mich nach und nach getraut, mehr zu übermalen oder hinzuzufügen“, fasst Susanne Wolf-Kaschubowski ihre Erfahrungen zusammen. Inzwischen sind die Bilder fertig; die künstlerische Arbeit des Projekts ist also abgeschlossen. Momentan geht es an die Organisation der Veranstaltung, „und das soll richtig professionell sein – umso höher ist die Spendenbereitschaft“, sagt Wolf-Kaschubowski.

Auch nicht das kleinste Detail wird dem Zufall überlassen. Die Spendenbox gestaltete die ebenfalls ins Projekt involvierte Schifferstadter Künstlerin Maria Stahl-Kolb. Für die Schirmherrschaft gewannen die Macherinnen den Zonta-Club Ludwigshafen unter der Präsidentschaft von Eva Lohse. Auch ein Steuerberater wurde herangezogen. Mit ihm entwickelten die Künstlerinnen ein steuerrechtlich wasserdichtes Konzept zur Einnahme und Verwendung der Spendengelder.

Ungewöhnliche „Lucation“

„Es wird wie eine anonyme Auktion verlaufen“, verrät Wolf-Kaschubowski: „Das Mindestgebot für ein Bild sind 700 Euro. Wer am meisten in seinen Umschlag legt, erhält den Zuschlag.“ Nicht zuletzt baut sie auf die ungewöhnliche „Lucation“ als Besuchermagnet – das ehemalige Hallenbad Nord in Ludwigshafen, das sich als begehrter Veranstaltungsort für Kunst-Events etabliert hat: „Ich bin einfach mal optimistisch und möchte 10.000 Euro an diesem Abend zusammen kriegen. Träumen ist erlaubt.“ Der gesamte Spendenerlös fließt unter dem Motto „Miteinander statt allein“ in mehrere Unternehmungen wie Tagesausflüge, gemeinsames Kochen und Essen, um das Zusammenleben der Bewohnerinnen und ihrer Kinder im Frauenhaus zu stärken.

Momentan laufen auch die Vorbereitungen für ein weiteres Projekt, bei dem Wolf-Kaschubowski als Gastgeberin in ihrer Altriper „Galerie im Hof“ fungiert: Die Ausstellung „Zeitspur“ mit der Malerin Ingrid Hess und dem Bildhauer Philipp Wagenmann. Hess sagt voller Schaffensdrang: „Es ist mutig von Susanne, wieder eine Ausstellung zu planen, denn das braucht ja immer einen langen Vorlauf. Darüber freue ich mich, denn auch, wenn ich ja immer male – jetzt habe ich einen konkreten Termin, für den ich neue Bilder haben muss.“ Und auch das braucht seine Zeit.

Motive aus der Natur

Ingrid Hess findet ihre Motive in der Natur: eine alte Wand mit Rissen, einen ungewöhnlich geformten Stein. Dann baut sie ihre Bilder langsam auf, bis sie die passende Komposition gefunden hat. Ihr Material entnimmt sie ebenfalls der Natur, indem sie etwa Steine zermahlt und den Sand mit Bindemitteln in eine Malfarbe verwandelt. Das Farbergebnis kann überraschend sein.

Das Motto „Zeitspur“ haben die drei Künstlerinnen entwickelt. „Die letzten beiden Jahre haben in unserer Umwelt deutliche Spuren hinterlassen“, erklärt Wolf-Kaschubowski den Titel. „Einerseits konnte sich die Natur durch den reduzierten Reiseverkehr erholen. Andererseits sind die Müllberge durch Testmaterial, Masken und den verstärkten Lieferverkehr noch mehr gewachsen. Umgekehrt hat die Zeit auch Spuren bei den Menschen hinterlassen. Nicht zuletzt hinterlassen auch wir Künstler Spuren und versuchen durch einen sensiblen Umgang mit der Natur deren Vergänglichkeit zu dokumentieren.“

Philipp Wagenmann arbeitet vorwiegend mit Holz, aber auch mit Ton, Keramik und neuerdings mit Bronze. „Er ist mutig und experimentell und ein Meister der organischen Form“, charakterisiert die Galeristin den Mannheimer Bildhauer. „Seine Exponate sind von handgroß bis mannsgroß. Ich bin sehr gespannt auf das Zusammenspiel seiner Figuren mit den Bildern von Ingrid Hess.“

Die Ausstellungen

„Zeitspur. Wachsen, Blühen, Vergehen“ von Ingrid Hess, Malerin aus Ludwigshafen, und Philipp Wagenmann, Bildhauer aus Mannheim, in der Galerie im Hof, Altrip, Bezirkstraße 10. Vernissage am Samstag, 30. April, 15 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 22. Mai. Es ist die erste Ausstellung dort mit „fremden“ Künstlern nach zwei Jahren. Geöffnet donnerstags bis sonntags 15 bis 18 Uhr, Vernissage am 30.04. um 15 Uhr. Susanne Wolf-Kaschubowski, Telefon: 06236 30602, E-Mail atelier-swk@web.de

„Changes“ am Freitag, 13. Mai, 18 Uhr, im ehemaligen Hallenbad Nord, Ludwigshafen. Weitere Infos gibt es im Netz: www.changes-zeit-der-veraenderung.de. Dort ist es auch möglich, sich anzumelden, falls noch oder wieder Beschränkungen wegen Corona in Kraft sein sollten.

Ingrid Hess und eines ihrer neuen Werke, die sie bei der „Zeitspur“ zeigt.
Ingrid Hess und eines ihrer neuen Werke, die sie bei der »Zeitspur« zeigt.
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