Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Jobticket-Modell? Gesperrte Hochstraße in Ludwigshafen regt zu Diskussionen an

Der Problemfall Hochstraße hat die Diskussion rund um Mobilität erst so richtig angeheizt.
Der Problemfall Hochstraße hat die Diskussion rund um Mobilität erst so richtig angeheizt. Archivfoto: KUNZ

Während die gesperrte Hochstraße den Verkehr ausbremst, kommt die Diskussion um Mobilität durch sie erst richtig in Fahrt. In Mannheim haben Politiker, Unternehmer und die Chefs der Verkehrsbetriebe über mögliche Lösungen gesprochen – darunter ein neues Jobticket-Modell.

Die Hochstraße Nord ist marode und soll abgerissen werden, die Hochstraße Süd ist instabil und seit dem 22. August für den Verkehr gesperrt. Beides sind Tatsachen, die nicht mehr wegdiskutiert werden können. Deshalb ging es bei der Gesprächsrunde „Mobilität in der Metropolregion Rhein-Neckar“ am Mittwochabend darum, wie man angesichts dessen die Verkehrssituation verbessern kann. Eine lösungsorientierte Runde also, wobei den großen Wurf – verständlicherweise – keiner der Gesprächspartner in Mannheim parat hatte.

ÖPNV Thema im Stadtrat

Dass die von der Metropolregion Rhein-Neckar veranstaltete Talkrunde im Infocenter für die neue Rhein-Neckar-Tram 2020 stattfand, war passend. Doch die ersten Züge der neuen Generation werden frühestens 2021 durch die Region fahren. Schnellere Lösungen sind also gefragt – vor allem, weil die Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV) seit der Hochstraßensperrung um zehn Prozent zugenommen habe. Das sagte Christian Volz, Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV). Genau deshalb gibt’s am Montag im Ludwigshafener Stadtrat auch den Tagesordnungspunkt „Erweiterung des ÖPNV-Angebots“. Laut Volz geht es darum, die Bahntaktung zu verstärken – beispielsweise mit älteren Bahnen, die wieder zum Einsatz kommen sollen.

Neues Jobticket ab 2020

Auch das günstigere Green-City-Ticket für Mannheim und Ludwigshafen erfreue sich guter Nachfrage. Das geförderte Angebot läuft jedoch Ende 2020 aus. An einer Nachfolgelösung „sind wir dran“, versprach Volkhard Malik vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar. Moderator Dirk Lübke verwies auf das Jobticket, das mit seinem „ganz oder gar nicht“-Ansatz für manche Unternehmen schlichtweg nicht attraktiv sei. Schließlich muss der Arbeitgeber nach aktueller Regelung für alle Mitarbeiter zahlen, egal, ob sie das Ticket nutzen oder nicht. Zum 1. Januar soll es ein neues, attraktiveres Jobticket-Modell geben, verkündete Malik. Wenn ein Viertel der Belegschaft das Ticket kaufe, lohne es sich dann bereits, rechnete er vor. „Wir müssen auch Alternativen neben dem ÖPNV suchen“, sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und erwähnte als Beispiel Lückenschlüsse im Fahrradnetz. Dem stimmte auch BASF-Arbeitsdirektor Michael Heinz zu. Er erteilte vor allem derzeit diskutierten „Schnellschüssen“ eine Absage. Die BASF plane entgegen anderslautender Aussagen keine Containerseilbahn über den Rhein. „Das haben wir schon vor über einem Jahr ad acta gelegt“, betonte Heinz. Für Gefahrgut beispielsweise sei das ohnehin keine Option. Auch vom Bau einer Rad- und Fußgängerbrücke hält Heinz nichts. „Wir haben kein Fußgänger- und kein Fahrradproblem auf den Brücken.“ Stattdessen forderte er, in die „Entwicklung der bestehenden Infrastruktur“ zu investieren.

Steinruck: Ab Januar Hochstraßenbeirat

„Wir müssen schauen, dass der Rhein nicht wieder zur natürlichen Grenze wird und die Infrastruktur nicht zu einem Wirtschaftsnachteil“, appellierte Heinz. Denn die Metropolregion als Wirtschaftsregion habe eine besondere Herausforderung: „Wir sind kein Monozentrum, wir sind ein Polyzentrum“, das aus mehreren wichtigen Städten besteht. „Die Zeit läuft uns davon“, sagte er angesichts der aktuellen Situation. Vor allem befürchte er, dass die Verkehrslage sich noch verschlechtere. Seit der Hochstraßensperrung habe es bislang keine einzige Woche ohne Ferien oder Brückentage gegeben. Auch bei Kommunikation und Koordination sieht Michael Heinz noch Luft nach oben. Ein Aspekt, der mehrmals zur Sprache kam. Auch vom Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), der „dringend eine viel bessere Kommunikation“ forderte. „Alles, was ich über die Hochstraße weiß, weiß ich über die Presse“, schob er hinterher. Steinruck sagte, dass es ab Januar einen Hochstraßenbeirat geben soll, in dem unmittelbar Betroffene – etwa Nachbargemeinden – ins Gespräch miteinander kommen. Auch Mannheims Bürgermeister Christian Specht (CDU) bekräftigte: „Wir müssen in der Lage sein, diesen Raum als einen Verkehrsraum zu denken.“

Einwurf: Es gibt Redebedarf

Über die Verkehrssituation in Ludwigshafen wird viel diskutiert – meist innerhalb der Verwaltung, in politischen Gremien oder im Vier-Augen-Gespräch. Betroffen sind aber mehr als die dort anwesenden Personen: Es sind Pendler, Arbeitgeber, die Menschen in den Nachbarkommunen. Lebhafte Diskussionsrunden wie die in Mannheim zeigen: Es gibt Redebedarf. Dass Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck einen Hochstraßenbeirat einrichten möchte, ist das richtige Signal – auch wenn es reichlich spät kommt. Über die Verkehrssituation in der Region hätte schon viel früher gesprochen werden müssen, nicht erst im Notfall, der nun eingetreten ist. Wenn alle Beteiligten an einem Tisch sitzen, beschleunigt das auch die Umsetzung guter Ideen.

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