Ludwigshafen
Neues Buch über Oggersheimer Geschichte
Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft im Jahr 1815 und der anschließenden Angliederung der Pfalz an das Königreich Bayern hatte Oggersheim, das schon im Mittelalter Stadtrechte besaß, die Funktion eines Mittelzentrums für die umliegenden Gemeinden übernommen. In der Konkurrenz zu Mutterstadt sei hier das „Rentamt“ (Finanzamt) angesiedelt worden, erzählt Autor Friedemann Seitz. „Geschichte ist meine Leidenschaft“, sagt der 51-Jährige, der in den vergangenen zehn Jahren bereits zwei andere Bücher zu historischen Themen verfasst hat. Nun hat er mit „Stadt Land Fabrik – Beiträge zur Geschichte der Stadt Oggersheim“ eine neue Schrift vorgelegt und darin zahlreiche Informationen zu Themen und Personen aus der Zeit vom Ende des 18. bis ins 20. Jahrhundert zusammengetragen.
Aus Interesse und Spaß an der Recherche in historischen Archiven habe er Quellen zu Oggersheim gesucht und gesammelt, berichtet er. Irgendwann sei dann der Gedanke entstanden, die gefundenen Materialien allgemein zugänglich zu machen, wie er sagt. Recherchiert hat Friedemann Seitz dafür in etlichen Archiven, darunter im Ludwigshafener Stadtarchiv, dem Speyerer Landesarchiv und online in der Bayerischen Staatsbibliothek. Spannend sei für ihn gewesen, etwas über die Menschen dieser Zeit herauszufinden, betont Seitz.
„Oggersheim in Rheinbaiern“
Etwa über die Familie Bernays, einst Eigentümer des repräsentativen Gebäudes in der Schillerstraße 8 in Oggersheim, in dem heute die Hauswirtschaft der Brauerei Mayer beheimatet ist. Wie die Quellen zeigen, ist die jüdische Familie aus dem Raum Mainz-Darmstadt gekommen. Vater Isaak Bernays aus Gerau steht als Fruchthändler und Geschäftsmann mit dem Mainzer Fürstbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal auf gutem Fuße und hat als Lieferant der kurmainzischen Armee eine beträchtliche Summe verdient. Davon kauft er Nikolaus Massias, dem ehemaligen französischen Gesandten am badischen Hof ein umfangreiches Landgut in „Oggersheim in Rheinbaiern“ ab. Neben viel Land befindet sich darunter auch das 1809 gebaute großzügige Haus mit 28 Zimmern, heutiger Sitz der Brauereiwirtschaft.
Die sechs Kinder Bernays gehen in Oggersheim in eine katholische Schule, werden evangelisch getauft und bekommen christliche Vornamen. Doch auch die Taufe habe das Leben nicht so einfach gemacht, wie der Vater gehofft habe. Der Makel des Judentums werde von Demagogen immer wieder hervorgeholt, schreibt sein Sohn Karl Ludwig Bernays an einen Freund.
Schicksale jüdischer Familien
Nachgezeichnet werden in dem Buch auch die Schicksale zweier jüdischer Familien während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie müssen ihre Geschäfte in Oggersheim aufgeben und sind gezwungen auszuwandern, um zu überleben. In der vormals ländlichen Gemeinde entstehen in der Mitte des 19. Jahrhunderts Betriebe der Tabak-, Textil- und Metallindustrie. Es gibt eine Salmiakfabrik, sowie zahlreiche Zigarrenfabriken und ein Eisenwerk mit Gießerei und Maschinenfabrik, deren Werdegang anhand der Quellen nachverfolgt werden kann.
Im Jahr 1855 nimmt mit der „Samtfabrik“ im Zentrum von Oggersheim eine große Baumwollspinnerei und Weberei ihren Betrieb auf. 1861 arbeiten hier 800 bis 1000 Mitarbeiter an der Herstellung von Garnen und Stoffen. Interessantes zu erfahren gibt es über eine Notarsfamilie, das Rentamt oder die Arisierung der jüdischen Betriebe. Das Buch enthält auch ein kommentiertes Verzeichnis der Namen der Bürgermeister, Räte und Parteien im Gemeinderat von Oggersheim von 1895 bis zur Eingemeindung im Jahr 1938.
Zum Weiterlesen
„Stadt Land Fabrik – Beiträge zur Geschichte der Stadt Oggersheim“, 324 Seiten, im Format DIN A5 ist im Selbstverlag erschienen (ISBN: 9783754140871) und online bei der Buchhandlung quodlibet in Neustadt oder unter www.epubli.de zum Preis von 22,62 Euro erhältlich.