Ludwigshafen „Neue Züchtungen“
„Piwi – ein Wein fast ohne Pflanzenschutz“ unter diesem Titel stellt Winzermeister Leo Keiper aus Rödersheim bei einem Seminar in Hochdorf-Assenheim elf neue Weine vor. Diese können natürlich auch verkostet werden. Im Interview mit Andrea Clemens spricht Keiper, auf dessen Rödersheimer Rebfläche bis 2014 der Wein für den Landrat des Rhein-Pfalz-Kreis geerntet wurde, über diese besonderen Weine und deren Präsentation.
Piwi steht für pilzwiderstandsfähig. Beim Anbau dieser Rebsortenzüchtung kommen Winzer fast gänzlich ohne Pflanzenschutzmittel aus, um den Befall der Weinrebe mit echtem oder falschem Mehltau vorzubeugen. Damit können Belastungen der Pflanzen und des Bodens vermieden werden und auch wird eingespart. Dagegen müssen traditionelle Rebsorten zwischen sechs und 16 Mal behandelt werden, um Pilzbefall, der eine Traubenernte vollständig vernichten kann, zu verhindern. Woher stammen die Reben? Die Reben sind neue Züchtungen mit der Einkreuzung der Resistenzeigenschaften von wilden Urreben, welche gegen echten und falschen Mehltau eigene Abwehrmechanismen entwickelt haben. Diese werden bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts als Unterlagsreben verwendet und mit einheimischen Rebsorten veredelt, da sie Reblaus-resistent sind. Die Reblaus war schon damals ein Problem? Die Pflanzenlaus hatte zwischen 1863 und 1885 in ganz Europa und somit auch Deutschland den Weinbau fast zum Erliegen gebracht. Für diese aufgepropften Sorten ist aber weiterhin die Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Daher züchtet man seit 30 bis 40 Jahren durch komplexe Kreuzungen der pilzresistenten Ursorten mit verschiedensten Rebsorten eigenständige resistente Reben, mit Weinen aller Geschmacksrichtungen. Wo werden diese Weine angebaut? In ganz Europa, vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich. In Deutschland baut circa ein Drittel der Winzer Piwis an. Führend sind dabei die Winzer aus der Pfalz. Die häufigste und bekannteste Sorte ist der Regent, den ich ja wegen dieser Eigenschaft auch bewusst für den Landratswingert in Rödersheim vorgeschlagen habe. Er belegt circa 2 Prozent der Gesamtrebfläche Deutschlands, gefolgt von Solaris und Johanniter mit jeweils 0,1 Prozent. Aus Sicht des Umweltschutzes ist hier also noch Nachholbedarf. Welches Anliegen verfolgen Sie mit der Piwi-Weinprobe? Ich möchte diese Weine bekannter machen. Sie sind die konsequenteste Form von Bio-Weinanbau. Stehen dabei aber in Qualität und Geschmack den landläufig bekannten Weinsorten in nichts nach. Da findet jeder etwas für seinen Geschmack. Auch preislich liegen sie im gleichen Niveau. Eine erhöhte Nachfrage durch die Kunden würde auch zu einem verstärkten Anbau und damit zu einer Reduktion des -Ausstoßes und einer geringeren Verwendung von Pflanzenschutzmitteln führen. Was haben Sie am Weinprobe-Abend vor? Ich werde zwei Rot- und neun Weißweine von trocken bis lieblich vorstellen und besprechen, darunter ist auch der aktuelle Landratswein aus meinen Trauben. Dazu gibt es allgemeine Informationen über Piwi-Weine. Außerdem wird die Pfälzische Weinprinzessin, Julia Stieß aus Frankweiler, mit dabei sein. Die Besucher können auch gerne einen Partner mitbringen und sich die Probe teilen. Termin Die Piwi-Weinprobe findet am Freitag, 6. November, um 19 Uhr im Historischen Rathaus Assenheim, Langstraße 25, statt. Die Teilnahme kostet 22 Euro und kann am Seminarabend bezahlt werden. Anmeldung bei der Verbandsgemeindeverwaltung, Am Rathausplatz 1, Zimmer 209, Telefon 06231 401 156 oder per E-Mail an VHS@vg-dannstadt-schauernheim.de. (acl)