Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Ausstellung über Explosionsunglück bei der BASF

Seit Sonntag ist die Ausstellung im Karl-Otto-Braun-Museum zu sehen.
Seit Sonntag ist die Ausstellung im Karl-Otto-Braun-Museum zu sehen.

Am 21. September 1921 haben zwei kurz aufeinander folgende Explosionen in einem Düngelmittelsilo der BASF Stadt und Region erschüttert. 561 Menschen verloren ihr Leben, die meisten davon im direkt benachbarten Oppau. Jetzt erinnert eine Ausstellung im Oppauer Rathaus an das verheerende Unglück.

Zahlreiche historische Fotografien von den Zuständen in Oppau und den Menschen dort lassen das Ereignis für den Ausstellungsbesucher lebendig werden. Ergänzende Texte auf großen Tafeln informieren über die Unglücksumstände, die Opfer und Schäden sowie die anschließende Hilfe und den Wiederaufbau. In Glasvitrinen sind historische Gegenstände zu sehen, darunter eine Zeitungsseite mit einem Bericht über den 21. September 1921 und die spätere Trauerrede des Reichspräsidenten Friedrich Ebert in Ludwigshafen.

Das schwarzweiße Luftbild vom Unglücksort brennt sich jedem Betrachter unweigerlich ins Gedächtnis ein. Es zeigt den riesigen Krater von ungeheuren Ausmaßen an dem Ort, wo zuvor ein Düngemittelsilo stand. Das schwarze Loch war 96 Meter breit und 165 Meter lang, fast 20 Meter tief. Die nähere Umgebung im Werksgelände sah aus wie nach einem schweren Bombenangriff im Krieg. Von den Gebäuden waren nur noch Mauerreste und Ruinen stehen geblieben. Im nahen Oppau wurden durch das Unglück 80 Prozent der Häuser zerstört, der Rest beschädigt. 561 Menschen starben, 2000 Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

„Eindringliche Mahnung“

„Wir haben in Oppau ein trauriges Alleinstellungsmerkmal. 1921 passierte hier die größte zivile Katastrophe in der deutschen Geschichte“, sagte der Beigeordnete Andreas Schwarz (SPD) bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag. Auch sein Elternhaus in Oppau sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Noch heute sei dort die Jahreszahl 1948 zu lesen, als das Haus nach der Explosion eines Kesselwagens zum dritten Mal wiederaufgebaut werden musste, erzählt Schwarz. Im voll besetzten Ausstellungsraum des Karl-Otto-Braun-Museums im Oppauer Rathaus konnte er zahlreiche Vertreter der Lokalpolitik und interessierte Bürger begrüßen. „Es war eine Tragödie von nationaler Tragweite. Für uns ist es noch immer eine eindringliche Mahnung“, sagte Melanie Maas-Brunner, Vorstandsmitglied der BASF in ihrem Grußwort.

Eine filmische Dokumentation über das Unglück, die von BASF-Historikern erarbeitet worden sei, werde am 21. September im Stadtmuseum und am 12. November im Oppauer Bürgerhaus gezeigt, kündigte sie an. Wie Michael Wadle, Leiter des BASF-Unternehmensarchivs, sagte, sei wegen der aktuellen Corona-Lage noch nicht klar, wie viele Besucher zu den Veranstaltungen zugelassen werden. In jedem Fall werde der 15-minütige Filmbeitrag ab 21. September auf der Homepage der BASF zu sehen sein.

Explosive Mischung

Einige historische Fakten über Oppau, den Bau des BASF-Werks sowie das Unglück und seine Folgen trug Stefan Mörz, Leiter des Stadtarchivs, vor. Im Jahr 1913 hatte die Produktion von Ammoniumsulfat als Düngemittel begonnen. Mit dem Ersten Weltkrieg kam dem von der BASF entwickelten Verfahren größte Bedeutung zu. Weil Deutschland auf dem Seeweg keinen Salpeter mehr einführen konnte, drohte schon 1915 aus Mangel an explosiven Grundstoffen für die Munitionsherstellung die Niederlage. Doch durch die Herstellung von Ammoniumnitrat als Sprengstoff konnte dies damals ausgeglichen werden. Jahrelang wurden im Silo große Mengen Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat zusammen gelagert, deren Mischung man für risikolos hielt. Bis zum 21. September 1921.

Die BASF habe nie eine Schuld eingestanden oder sei eine rechtliche Verpflichtung eingegangen. Doch habe das Unternehmen mit 16 Millionen Goldmark alles bezahlt, was zu bezahlen war. Gezahlt worden sei manchmal aber nur nach einigem Streit und Drängen der Opfer, merkte Mörz an. Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen sei damals verdrängt worden. Erst nach dem Explosionsunglück 1948 habe ein neues Sicherheitsdenken nach heutigen Maßstäben eingesetzt. Wie Udo Scheuermann, ehemaliger Oppauer Ortsvorsteher und Vorsitzender des Fördervereins Karl-Otto-Braun-Museum, sagte, sei es eine Verpflichtung für den Verein gewesen, an das Unglück 1921 zu erinnern. Oppau pflege heute eine gute Nachbarschaft zur BASF und vertraue auf den hohen Sicherheitsstandard im Unternehmen.

Termine

Das Karl-Otto-Braun-Museum im Rathaus Oppau, Edigheimer Straße 26, ist sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung. Die Ausstellung „100 Jahre Explosionsunglück in der BASF“ endet am 24. Oktober. Vorgesehen sind ergänzend Gedenkveranstaltungen auf dem Hauptfriedhof sowie auf den Friedhöfen Oppau und Edigheim.

Zerstörung in Oppau nach der Explosion.
Zerstörung in Oppau nach der Explosion.
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