Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Andockstation für Binnenschiffer

Sieben Millionen Euro sind in die neue Liegestelle investiert worden.
Sieben Millionen Euro sind in die neue Liegestelle investiert worden.

Die Plätze am Rheinufer sind begehrt. Doch Trends wie Wohnen am Wasser, Yachthäfen oder das Errichten von flussnahen Einkaufszentren führen dazu, dass Andockstellen für Güterschiffe aus dem Innenstadtbereich verdrängt werden. Auf der Friesenheimer Insel wurde nun direkt gegenüber des BASF-Werks eine moderne Liegestelle errichtet.

Mit Landgangstegen für Personen wie Pkws, sodass die Schiffscrew sicher und schnell von Bord gehen – und am sozialen Leben an Land teilnehmen kann. In diese Gegend verirrt man sich eher selten. Um einen herum nur weites Feld, selbst die Mülldeponie und das MVV-Heizkraftwerk wirken weit weg.

Doch für die Kapitäne und Matrosen, die während ihrer Binnenschifffahrt in Mannheim eine Pause zum Übernachten einlegen oder sich mit Lebensmittel versorgen wollen, ist die Liegestelle „Friesenheimer Insel“ unweit der Max-Planck-Straße nun die Ankunftsadresse. Eine knappe Viertelstunde sind es bis in die Quadrate, dank zweier Autoabsetzbrücken und 14 Fußgänger-Stegen erfolgt nun auch der Übergang von Wasser an Land rasch und bequem.

Ruhig in der Strömung

Schon zuvor konnten die Güterschiffe am Flussufer gegenüber der BASF einen Stopp einlegen. „Jedoch konnten sie nur vor Anker gehen und allenfalls mit dem Beiboot an Land – ohne Auto“, erklärt Marc Hannig von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). Je nach Strömung erlebte man so manch unruhige Nacht. Dank 44 Dalben, rund 15 Meter hohe Pfeiler, die aus dem Wasser ragen und auf sämtliche Hochwasserstände vorbereitet sind, liegen die Kistendampfer nun mit Tauen und Stahlseilen befestigt fast wie magnetisch angezogen fest und ruhig in der Strömung.

Über komfortable Stege zum erholsamen Landgang.
Über komfortable Stege zum erholsamen Landgang.

Zwei Jahre lang wurde in zwei Bauabschnitte unterteilt an dem Sieben-Millionen-Euro-Projekt gearbeitet. 1650 Tonnen Stahl wurden dabei verbaut. Auf einer Strecke von 1,8 Kilometern und einer Breite von 35 Metern können nun je nach Schiffsgröße bis zu zehn Transportfrachter gleichzeitig „parken“. Jeweils separierte Liegebereiche wurden für Schiffe mit Gefahrengütern, also mit entzündlicher Ladung (wie Benzin) oder gesundheitsschädlichen Stoffen (wie Methanol) eingerichtet. Dank eines 208 Meter langen Autoabsetzplatzes mit Plattformen für Berg- und Talfahrt können die Schiffe nun aus beiden Flussrichtungen kommend ohne aufwendiges Wendemanöver die Parkzonen ansteuern – und die auf den Schiffen mitgeführten Pkws über zwei Stahlbrücken direkt an Land gefahren werden.

Zum Rasten und zum Einkaufen

Die Gründe für die Stopps sind vielfältig: Zur Rast, zur Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten, zum Personalwechsel, für kleine Reparaturen, für Lebensmitteleinkäufe, Arztbesuche oder auch etwas Freizeit an Land. Im Notfall dienen sie auch als Anlaufstelle bei Hochwasser oder Havarien – oder zur Überbrückung der Wartezeit vorm Umschlag in die Häfen. „Die Schifffahrt ist kein romantisches Gewerbe, aber jede Besatzung hat das Recht, am sozialen Leben teilzuhaben“, sagt Jörg Vogel, Amtsleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts bei der Eröffnung der Liegestelle.

Dank stabilisierender Dalben werden auch die Nächte an Bord ruhiger.
Dank stabilisierender Dalben werden auch die Nächte an Bord ruhiger.

Die Binnenschifffahrt sei in Zeiten des Niedrigwassers wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. „Für die deutsche Industrie ist sie aber nicht nur system-, sondern auch wohlstandsrelevant“, erklärt er. Nicht umsonst haben sich große Industrien am Rhein angesiedelt. Auch die BASF lasse den Großteil ihrer Güter über den Rhein schippern. Doch je niedriger der Wasserstand, desto eher muss die Fracht auf mehr Schiffe verteilt werden. „Das bedeutet auch, dass mehr Schiffe unterwegs sind und wir in Zukunft wieder mehr Liegestellen benötigen“, zeigt Vogel auf.

20 Liegestellen weniger

In Mannheim und Ludwigshafen aber seien zuletzt 20 solcher Liegestellen für Umnutzungen für die Wohn- und Geschäftswelt weggefallen. „Im Herzen der Innenstädte können wir kaum noch festmachen“, so der Amtsleiter. Auch aufgrund von Emissionen, Abgas und Lärm kam es zur Verdrängung. Im Landschaftsschutzgebiet gegenüber der BASF aber gebe es keine Interessenskonflikte.

Auch in den Häfen Mannheims und Ludwigshafen können die Schiffsbesatzungen natürlich von Bord gehen. Flussaufwärts folge die nächste Liegestelle in Sondernheim bei Germersheim, flussabwärts erst in Bingen. „Aber die Liegeplätze für Binnenschiffe sind am Oberrhein stark nachgefragt“, verdeutlicht Wolfgang Krieger vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Weitere Andockstellen seien in Planung: etwa in Bad Salzig, in Köln-Rheinau (dort auch wieder ganz stadtzentral) sowie in Ginsheim-Gustavsburg bei Mainz.

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