Ludwigshafen „Natur gleicht vieles wieder aus“

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Dannstadt-Schauernheim. Sebastian Hauptmann (64) ist bekannt als einer der Pflanzendoktoren auf dem BASF Bauernmarkt. Der pensionierte Gartenbauingenieur aus Schifferstadt, der lange im BASF Agrarzentrum Limburgerhof im Bereich Pflanzenschutzmittel gearbeitet hat, bringt in einem Kurs der Volkshochschule Dannstadt-Schauernheim Interessenten den Schnitt und die Pflege von Ziergehölzen und Stauden in Theorie und Praxis bei. Was zu beachten ist und welche Auswirkungen der milde Winter hat, erklärt er im Interview.

Herr Hauptmann, unser Mandelbaum hat schon Weihnachten geblüht, das ist doch nicht normal, oder?

Im Moment ist die Natur tatsächlich drei bis vier Wochen voraus verglichen mit einem frühen Jahr und bis zu sechs Wochen verglichen mit einem späten Jahr. November und Dezember waren zu warm. Durch die Woche Frost im Januar hat es sich schon etwas verzögert. Doch wir sind früh und wir bleiben auch früher. Wenn wir einen kühleren März oder April bekommen, sind wir im Mai so wie in einem normalen frühen Jahr. Die Natur gleicht oft vieles wieder aus. In einem warmen Winter überleben viele Schädlinge. In Ihrem Kurs geht es um Sträucher. Sind Schädlinge da ein Problem? Dieser Winter war in etwa so warm wie der letzte, aber nicht ganz so warm wie der vorletzte. Es stimmt, dass manche Schädlinge in warmen Wintern weniger dezimiert werden, aber für Ziersträucher spielt das keine so große Rolle. Über den richtigen Obstbaumschnitt kann man trefflich diskutieren, wie ist das mit Ziersträuchern. Ist das auch so eine Wissenschaft für sich? Wissenschaft ist jetzt ein bisschen viel gesagt, aber Sträucher wachsen genau nach den gleichen Wachstumsgesetzen wie Obstgehölze und sollten daher in ähnlicher Weise geschnitten werden, um sie zu erziehen, schöne Buschformen zu bekommen und sie dauerhaft zum Blühen zu bringen. Meine Forsythie blüht doch auch ungeschnitten jedes Jahr. Manche Gehölze sind sehr blühwillig, wie die Forsythie oder die Kolkwitzie. Doch wenn sie älter werden, werden sie zu dicht und das ältere Holz bringt weniger Blüten. Da muss dann ausgelichtet werden. Ältere Triebstrukturen müssen herausgeschnitten werden. Man erkennt sie an der dunkleren Rindenfärbung und sie sind dicker. Da entferne ich den ganzen Ast, entweder direkt am Boden, oder ich schneide bis zu einer Verzweigung, wo ein deutlich jüngerer Trieb herausgewachsen ist. Dadurch verjüngt man ältere Büsche und lichtet aus. Müssen junge Büsche auch geschnitten werden? Ja, das nennt man Erziehungsschnitt, um eine Kronen-Buschstruktur aufzubauen. Hier werden einjährige Triebe einfach um etwa 60 Prozent zurückgeschnitten, dann treibt der Busch unterhalb der Schnittstelle aus und ich bekomme mehr Buschcharakter. Gibt es da Regeln, wo ich schneide? Ja, man sollte etwa drei Millimeter über einem Auge schneiden, also keine Stummel stehen lassen, die später eintrocknen. So kann ich auch die Wuchsrichtung durch geschickte Auswahl der Augenposition steuern. Büsche haben Augen? Was ist das und wie erkenne ich sie? Ein Auge ist die Stelle, an der ein Ast einen neuen Trieb bildet. Diese entstehen normalerweise in den Blattachseln. Nach dem Blattfall sieht man bei den meisten Gehölzen die Augen als Knospenpunkt gut. Entweder ist es eine kleine bräunliche Erhebung (Knospe) oder nur ein Punkt an einer Ringelung des Astes. In die Richtung, in die das Auge zeigt, wächst der neue Austrieb. Kleiner Trick: wenn man Probleme hat, die Augen zu erkennen, dann wartet man bis die Büsche antreiben, dann sieht man es genau. Wann schneide ich die Ziersträucher? Ziergehölze, die im Sommer blühen, wie Rosen, Sommerflieder, Hortensien werden jetzt im Frühjahr kräftig geschnitten. Rosen sind ja auch ein Hauptthema meines Schnittkurses. Je kräftiger der Schnitt, desto erbaulicher sind die Blüten. Im Herbst schneidet man nur abgeblühte Blüten ab, dann überstehen sie den Winter bestens. Der beste Zeitpunkt für den Frühjahrsschnitt ist, wenn sie anfangen gut sichtbar auszutreiben bzw. die harten Fröste vorbei sind. Büsche, die jetzt im Frühjahr bis Mitte Mai blühen, wie Zaubernuss, Winterjasmin, Forsythie und Weigelie, lässt man erst blühen. Sie blühen am Holz, das im letzten Jahr gewachsen ist. Deswegen werden sie nach der Blüte kräftig geschnitten, damit sich wieder viel solches Holz bildet. Gibt es im Kurs noch weitere Schwerpunkte als die Ziergehölze? Wenn gewünscht, gehe ich auch auf die Stauden ein. Dazu gehören übrigens auch Tulpen und Narzissen. Hier mein Tipp: Man sollte Tulpen nach der Blüte immer stehen lassen, bis die Blätter braun sind, dann die Zwiebeln herausnehmen, trocken, dunkel und nicht zu heiß lagern und im Herbst wieder einpflanzen. Wenn man das nicht macht, blühen die Tulpen im nächsten Jahr schon weniger und sind nach einiger Zeit ganz verschwunden. Termin Kurs „Schnitt und Pflege von Ziergehölzen und Stauden“, Theoretischer Teil am Montag, 29. Februar, 19 bis 21 Uhr in der Kurpfalzschule Dannstadt, praktischer Teil am Samstag, 5. März, 14 bis 16 Uhr. Gebühr: 9 Euro. Anmeldung bei Sabine Dromnitzki, Telefon 06231 401156, oder per E-Mail an sabine.dromnitzki@vg-dannstadt-schauernheim.de. (krx)

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