Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Natur erobert sich ehemaliges Firmengelände zurück

Filetstück von oben: Das Areal verbindet die Stadtteile Luzenberg und Waldhof.
Filetstück von oben: Das Areal verbindet die Stadtteile Luzenberg und Waldhof.

Für die Zukunft des riesigen Firmengeländes, das der Stadt Mannheim in den Schoß gefallen ist, haben sich die Pläne konkretisiert. Wald- und Parkflächen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Nach der Schließung der Spiegelfabrik Saint- Gobain in Mannheim-Luzenberg Ende 2020 haben die städtischen Planer dem Gemeinderat jetzt ein Konzept für die künftige Nutzung des 37 Hektar großen Firmengeländes vorgelegt. Es sieht einen teilweisen Erhalt von Waldflächen, ein öffentliches Parkgelände zur Verbindung der Stadtteile Luzenberg und Waldhof und rund sechs Hektar Flächen für Wohnbebauung vor. Vier Hektar sollen für eine Tochterfirma von Saint-Gobain reserviert bleiben. Im Bauausschuss des Gemeinderats stießen die Pläne auf eine breite Zustimmung.

In einem einstimmigen Beschluss wurde die Verwaltung beauftragt, die mit „Szenario 2“ beschriebene Planung weiter voranzutreiben. Dazu gehören auch Kaufverhandlungen mit Saint-Gobain über das Grundstück. Es gebe inzwischen die Vereinbarung, dass ein Verkehrswertgutachten die Grundlage für den Kaufpreis liefern solle, sagte Baubürgermeister Ralf Eisenhauer (SPD). Zahlen nannte er aber nicht.

Standort mit französischer Geschichte

Die traditionsreiche Spiegelfabrik im Stadtteil Luzenberg war seit dem Jahr 1853 ein großer Produktionsstandort des französischen Glasherstellers Saint-Gobain gewesen. Ende 2020 stellte die Firma die Produktion mit 140 Beschäftigten in Mannheim ein. Für einen öffentlichen Aufschrei hatte im April 2020 die Meldung gesorgt, dass auf dem Werksgelände eine fast 10.000 Quadratmeter große Waldfläche plötzlich und ohne Ankündigung gerodet wurde. Das Teil-Grundstück war zuvor an eine Immobiliengesellschaft verkauft worden.

Die Stadt reagierte darauf schnell und konsequent. Um eine Wiederholung zu vermeiden, wurde vom Gemeinderat ein Vorkaufsrecht für das Areal verfügt. Aufgestellt wird ein Bebauungsplan, der öffentliche Interessen berücksichtigt. Zusammen mit Bürgern, Anwohnern und Initiativen setzten die städtischen Planer eine Diskussion über die Zukunft des Geländes in Gang. Von bedeutenden Grünflächen ist die Rede: 18 Hektar mit Wald und Brachflächen.

Lebensraum für Vögel

Ein Großteil des Geländes war von Saint-Gobain nie gewerblich genutzt worden. Hier hat sich in der Abgeschiedenheit über viele Jahre teilweise ein Wald mit großer Biodiversität entwickelt, der als wertvoller Lebensraum für zahlreiche Vogelarten dient. Von der Stadtplanung wurden zwei Flächenkonzepte entwickelt, die Wünsche aus der Bürgerschaft nach Naturerhalt, Flächen für Wohnen und Gewerbe sowie einer neuen Stadtteilverbindung in unterschiedlichen Verhältnissen aufgreifen.

Variante 1 legt den Schwerpunkt auf Grünerhalt, für Wohnen sind 1,5 Hektar vorgesehen. Wie im Bauausschuss deutlich wurde, wird von allen Fraktionen jedoch eine andere Variante bevorzugt. Sie sieht mit sechs Hektar einen deutlich größeren Anteil an Flächen für Wohnungen vor. Das Grün soll in einen Teil „unberührte Natur“ und einen Teil mit öffentlichen Park- und Grünflächen umgewandelt werden, als autofreie Stadtteilverbindung zwischen Luzenberg und Waldhof. Eine Straße für Autos ist nicht geplant.

500 Wohnungen möglich

„Wenn wir den bisher unberührten Wald aufräumen und öffentlich zugänglich machen, wird er einen großen Teil seines ökologischen Werts verlieren“, warnte Stadtplaner Hanno Ehrbeck. Hier werde noch über praktische Lösungen nachgedacht. Auf den anderen Flächen halte er den Bau von 500 Wohneinheiten für möglich, sagte er auf Nachfrage. Wie er weiter berichtete, will Saint-Gobain vier Hektar Fläche im Nordwesten behalten, um eine Tochterfirma im Bereich Holz-Fertigbau anzusiedeln.

Sprecher der einzelnen Fraktionen lobten die Verwaltung für die Planung. „Es ist eine Riesenchance“, meinte Christopher Probst von der Mannheimer Liste. Viele Stadträte regten an, das angrenzende Altrheinufer in die Planung miteinzubeziehen. Allerdings bestehen mit der hier verlaufenden Sandhofer Straße, der Straßenbahnlinie und einer Fernwärmeleitung gravierende Hindernisse. Wie Eisenhauer sagte, wird nun die in puncto Konversion erfahrene städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP die Verhandlungen und die Umwandlung des Geländes übernehmen.

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