Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nachbarin mit über 20 Messerstichen umgebracht

Der Angeklagte in dem Mordprozess vor dem Mannheimer Landgericht ist wohl psychisch krank.
Der Angeklagte in dem Mordprozess vor dem Mannheimer Landgericht ist wohl psychisch krank.

Ein 43-Jähriger soll in einem Mehrfamilienhaus in Mannheim eine 73-jährige Bewohnerin getötet und ein Paar mit einem Messer angegriffen haben. Er ist wegen des Vorwurfs des Mordes und versuchten Totschlags angeklagt. Bei dem Prozess vor dem Mannheimer Landgericht sind am Mittwoch Details der Bluttat bekannt geworden.

Der psychisch kranke Angeklagte soll am Morgen des 22. Dezember 2023 an der Tür der eine Etage höher wohnenden Frau geklingelt und sie nach dem Öffnen sofort mit über 20 Messerstichen getötet haben. Die überraschte Frau hatte keine Chance.

Die Tat hat der 43-Jährige bereits am ersten Verhandlungstag eingeräumt. „Ich hatte keine Ahnung, wer die Tür aufmacht. Ich habe die Dame nicht gekannt“, sagte er dem Gericht. Er habe die ganzen Monate zuvor und auch vor der Tat täglich große Mengen Amphetamin (Speed) konsumiert. „Mein Hirn war nicht mehr da, ich wollte jemanden töten“, sagte er. Auf die Frage nach dem Motiv meinte der in Eritrea geborene und in Deutschland aufgewachsene Mann, Grund sei ein Gefühl von erlittener Ungerechtigkeit gewesen, für das er Genugtuung gesucht habe. Laut Anklage leidet der Mann unter paranoider Schizophrenie (Wahnvorstellungen).

Angreifer überwältigt

Nach der Tötung der Hausbewohnerin ist der Mann am Nachmittag desselben Tages dann durch ein Küchenfenster in eine Nachbarwohnung eingedrungen. Auch hier mit der Absicht, das dort lebende türkische Paar mit dem Messer zu töten, wie der Angeklagte gestand. Es kam zum Kampf mit dem männlichen Bewohner. Nachdem ein anderer Nachbar die Schreie der Frau hörte und zu Hilfe kam, gelang es gemeinsam, den 43-Jährigen zu überwältigen. Seither ist dieser in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Am Verhandlungstag am Mittwoch stand die Aufarbeitung der Mordtat an der 73-Jährigen im Mittelpunkt. Mitarbeiter von Kriminaltechnik, Spurensicherung und der Kriminalpolizei präsentierten im Zeugenstand die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Gezeigt wurden auch Fotos vom Tatort. „Nicht alle“, betonte Richter Gerd Rackwitz. Denn einige wären wohl zu heftig für das Publikum gewesen.

Leiche später gefunden

Gefunden wurde die 73-Jährige am 23. Dezember, einen Tag nach der Festnahme des Mannes. Nachdem sich die Frau nicht mehr gemeldet hatte, versuchten Freunde, sie zu besuchen. Als dann die Feuerwehr gewaltsam ihre Wohnungstür öffnete, wurde die Frau tot auf dem Bauch liegend im Flur gefunden. Auf dem Boden war sehr viel Blut. Wie eine 55-jährige Technikerin der Spurensicherung erläuterte, seien überall an Wänden und der Garderobe Blutspuren gewesen. Auf Bodenfliesen fanden sich blutige Sohlenabdrücke von Schuhen des 43-Jährigen, der diese anschließend gewechselt hatte, wie Bilder von Überwachungskameras im Hausflur zeigten. Der Angeklagte wusch sich danach im Bad und hielt sich noch eine Weile in der Wohnung der Frau auf, bevor er wieder in seine eigene Wohnung zurückging.

Um die Mittagszeit sei er nochmals in die Wohnung der Frau zurückgekehrt, um Bücher zum Abtransport bereitzulegen, schilderte ein Ermittler dem Gericht. Die Rekonstruktion der Ereignisse wurde erleichtert durch Aufnahmen von Überwachungskameras im Hausflur. Anhand der Videos sei zu vermuten, dass der Mann auch an anderen Wohnungstüren geklingelt habe, um Opfer zu finden, so der Ermittler. Doch sei hier niemand dagewesen. Während der Verhandlung wirkte der Angeklagte teilnahmslos. Der Prozess wird im Oktober fortgesetzt. Weil er unter Wahnvorstellungen leidet, ist die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie beantragt worden.

x