Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Nach dem Tod einer 81-jährigen Fußgängerin: Was einige Ampelkreuzungen so gefährlich macht

Christiane Vopat
Christiane Vopat

Die Straßen sind nicht nur für Autofahrer gedacht. Auch Kinder, alte Menschen und Beeinträchtigte müssen sich dort als Fußgänger sicher bewegen können.

In meinem Wohnviertel im Stadtteil Süd hat sich kürzlich ein schlimmer Verkehrsunfall ereignet. Die „Ludwigshafener Rundschau“ hatte dazu knapp vermeldet, was die Polizei veröffentlicht hat: Eine 81-Jährige ist demnach an einem Donnerstag Anfang September gegen 14.50 Uhr von einer 30-jährigen Autofahrerin an der Kreuzung Wittelsbach-/Mundenheimer Straße angefahren worden. Laut Polizei überquerte die Seniorin die Straße bei Grün zeigender Fußgängerampel, als die 30-Jährige mit ihrem Wagen von der Wittelsbachstraße nach links in die Mundenheimer Straße abbog und die Seniorin übersah. Die alte Frau stürzte durch den Zusammenstoß mit dem Pkw und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Einen Tag später starb die 81-Jährige im Hospital an ihren schweren Verletzungen. Trotz sofortiger Operation konnte sie nicht mehr gerettet werden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal und der Polizeiinspektion Ludwigshafen 1 dauern an.

Das beschäftigt mich sehr. Es bedrückt mich. Wie kann so etwas mitten am Tag passieren? Ich will die Autofahrerin nicht vorverurteilen. Dazu weiß ich viel zu wenig über diesen Unfall. Jedoch habe ich schon eine Weile den Eindruck, dass die Straßen, Fuß- und Radwege in vielen Städten, aber speziell auch in Ludwigshafen immer gefährlicher werden. Besonders für Kinder und ältere Menschen. Denn das Tempo unseres Alltags wird immer schneller und hektischer. Für Schwächere oder gar Beeinträchtigte sind die Straßen daher längst kein guter Ort mehr.

Wo bleibt die Höflichkeit?

Das hat teils damit zu tun, dass viele Autofahrer glauben, immer und überall Vorfahrt gegenüber Radfahrern und Fußgängern zu haben. Das fällt mir zum Beispiel an Zebrastreifen auf. Da wird noch kurz Gas gegeben und flott weitergefahren, anstatt das Kind mit dem Schulranzen oder die ältere gebeugte Frau mit dem Einkaufstrolley ihrer Wege gehen zu lassen. Mit der Höflichkeit ist es ohnehin nicht mehr weit her. Dass ein Autofahrer stoppt und einen Fußgänger passieren lässt, obwohl er es gar nicht müsste, solche freundlichen Momente werden immer seltener.

5fa84200e8c290e4

Hinzu kommt, dass viele Ampeln für Fußgänger sehr kurz geschaltet sind und dass Autofahrer schon das Rotlicht angezeigt wird, während der Fußgänger, der in der Gegenrichtung die Straße überquert, noch ein grünes Signal vor Augen hat. Das ist übrigens auch an der Unfallkreuzung im Stadtteil Süd der Fall. Ebenso wie zum Beispiel an der viel genutzten Fußgängerampel über die Rheinufer-/Zollhofstraße an der Rhein-Galerie. Hier führt das immer wieder zu sehr aggressiven Aktionen von Autofahrern, die beim Abbiegen aus der Bahnhofstraße die Fußgänger nötigen, weil sie überzeugt sind, dass die Läufer auf die nächste Grünphase hätten warten müssen.

Ortsbeiräte ernst nehmen

Es ist kein Wunder, dass Tempolimits und verkehrsberuhigende Maßnahmen in den Sitzungen der Ortsbeiräte immer wieder ein Thema sind. Denn die ehrenamtlichen Politiker in den Gremien kennen die Gefahrenstellen in ihren Quartieren am besten. Es ist gut, wenn sie – so wie kürzlich in Mundenheim geschehen – frühzeitig Alarm schlagen und von der Verwaltung Maßnahmen einfordern, bevor ein Mensch zu Schaden oder sogar ums Leben kommt. Das sollten die Mitarbeiter in den Amtsstuben sehr ernst nehmen. Und die Polizei ebenfalls.

Die Straßen sind für alle da: auch für Kinder, für alte Menschen und für Beeinträchtigte. Damit alle sich möglichst sicher bewegen können, braucht es in Städten gut durchdachte Regeln, Tempolimits und Kontrollen. Denn auf gegenseitige Rücksichtnahme und Höflichkeit kann man auf den Straßen schon lange nicht mehr setzen.

Die Kolumne

Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

x