Ludwigshafen Musikalisches Energiegeflecht
Bekannt geworden unter dem Namen „Das blinde Paar von Mali“ sind Amadou & Mariam in ihrer afrikanischen Heimat eine Legende. Im BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen zelebrierte das Duo den Geist von Weltmusik. Das begeisterte Publikum folgte ausgelassen und tanzend ihren Klangexzessen über Genre- und Ländergrenzen hinweg.
Weltmusik hat sich in den letzten Jahren zu einer eigenständigen Größe im Musikgeschäft entwickelt. Mariam Doumbia (Gesang) und Amadou Bagayoko (Gitarre, Gesang) tragen seit mehreren Dekaden gewiss zu der Vielfalt dieses Genres bei und sind mittlerweile in Teilen Europas weit mehr als ein Geheimtipp. Wer hierzulande mit den Namen nichts anzufangen weiß, hat zumindest einen ihrer Chartplatzierungen wahrgenommen. Denn 2006 nahmen sie zusammen mit Herbert Grönemeyer den offiziellen Song zur Fußballweltmeisterschaft „Zeit, dass sich was dreht (Celebrate the Day)“ auf. Die zeitlos schöne Hymne mit Zeilen wie „Wer jetzt nicht lebt, wird nichts erleben“ bewies damals schon, welch harmonischen Wohlklang Rock- und Popmusik mit traditionellen afrikanischen Klangmustern eingehen kann. Neneh Cherry und der Senegalese Youssou N’Dour sangen sich mit „7 Seconds“ schon in den 1990er-Jahren ganz nach vorne in den Charts. Auch wenn Amadous Stimme gelegentlich etwas an N’Dour erinnert, geht seine musikalische Reise in eine ganz andere Ecke. Oft als „Mali Blues“ bezeichnet, entlädt sich im Feierabendhaus ein musikalisches Energiegeflecht aus Reggae, Blues, Rock und Disco der Siebzigerjahre, tief verwoben mit charakteristischen Klangmustern aus ihrer afrikanischen Heimat. Das Publikum fremdelt keine Sekunde, sondern stellt sich weltmännisch als Klangentdecker dem unglaublich vielschichtigen Soundgeflecht. Den Zuhörern begegnet dabei eine Weltmusik, die in Stücken wie „Afrika“ über Liebe und Solidarität erzählt, eine Musik, die über das Herz direkt in die Füße geht. Zwei Drum-Sets, die auf der Bühne stehen, eines zum klassischen Einsatz in einer Rockband ausstaffiert, das andere vornehmlich mit Bongos und Congas versehen, verdeutlichen den interkulturellen Dialog, in den die Musik hier tritt. Bisweilen liegt die Emphase des Musikstücks mehr auf traditioneller westafrikanischer Musik, dann dominierte klar der Rockcharakter. „On y va!“, was so viel heißt wie „Auf geht’s!“, lässt Amadou nicht selten zwischen den einzelnen Titeln verlauten, bevor die stampfende Uptempo-Fahrt erneut Fahrt aufnimmt, das Publikum in einem Freudentaumel mitreißt und sich bis zur Klangekstase hochschaukelt. Nicht selten unterliegt das Ganze Tempiwechsel, die an der kraftvoll-energetischen Klangwalze nichts ändern. Zwischen Gesangsparts in Französisch und Bambara, einer der Hauptdialekte Westafrikas, erobern wilde Instrumentalfahrten sich ihren Raum. Gitarrensoli, die man an dieser Stelle kaum vermutet hätte, wabern ins Rampenlicht. Über allem jedoch prangt die Seele Afrikas, die ihren Ausdruck in den traditionellen Gewändern der beiden Haupakteure und im vibrierenden, flirrenden Puls der Musik wiederfindet. Kennengelernt haben sich Amadou und Mariam Mitte der 1970er-Jahre am Institut für junge Blinde in der malischen Hauptstadt Bamako, nach der sie ihr Erfolgsalbum „Dimanche á Bamako“ (Sonntag in Bamako) nannten. Damon Albarn von der Gruppe Blur produzierte ihr Album „Welcome to Mali (2008) und verhalf so zu einer Grammy-Nominierung. „La Confusion“ heißt ihr aktuelles Album.