Ludwigshafen Musikalisches Brettspiel

Sein 20 Jahren gibt es in Schifferstadt den Club Ebene Eins. Der Kulturverein hat in einer umgebauten Scheune auf dem Anwesen der Familie Atteln aktuellen Kunstformen unterschiedlichster Art ein Forum geschaffen. Gefeiert wurde das Jubiläum mit einem Konzert mit zeitgenössischer Musik, die zum Grundbestand des „CEE“ gehört. „Nachhall“ war das Motto des Abends, denn auf dem Programm standen zehn Werke von Komponisten, die alle schon einmal hier zu hören waren.
Zu Beginn spielte Wolfgang Müller-Steinbach eines seiner Fantasiestücke für Klavier. Der ehemalige Professor für Musiktheorie an der Mannheimer Musikhochschule präsentierte einen harmonisch spannungsreichen, dabei klanglich runden Klaviersatz. Von ihm stammen auch die „Sieben charakteristischen Szenen für Flöte und Klavier“, als zeitgenössischer Beitrag zu „Jugend musiziert“ gedacht und von daher in der Faktur etwas einfacher. Gespielt wurden sie von den jüngsten Interpretinnen des Abends, der Flötistin Joelle Alexander und der Pianistin Annalena Knautz. Die Cellistin Isabel Eichenlaub, künstlerische Leiterin der Konzerte im Club Ebene Eins, hat sich von der Campanula faszinieren lassen, einem Cello mit Resonanzsaiten, und für das Instrument einen 13-teiligen Zyklus komponiert, zu dem sie Orte der Region inspiriert haben. Eines entstand unter der Salierbrücke in Speyer und evoziert mit vertikalen Streich- und horizontalen Schrapbewegungen das Kreuzen des fließenden Wassers mit den Geräusch der autobefahrenen Brücke. Virtuos mir zwei Bögen gespielt wurde es von Johannes Alisch. Der Argentinier Diego Uzal thematisiert in seinem „Dialog im Zwielicht“ die Klangerzeugung, vorwiegend unkonventionell mit Glissandi oder Kratzgeräuschen, und lässt so die Klangwelten eines Helmut Lachenmann aufscheinen. Es spielten Jennfier Seubel (Querflöte), Ssamuel T. Klemke (Gitarre) und Katharina Uzal (Cello). Mit zwei Werken vertreten war der Leipziger Steffen Reinhold. In drei Liedern nach Gedichten von Else Lasker-Schüler beschwört er den träumerischen Surrealismus der Dichterin, interpretiert von Mareike Schellenberger (Alt) und Isabel Eichenlaub (Cello). Dann spielte Samuel T. Klemke das von John Cage inspirierte Stück „Die Worte“ für Gitarre, Live-Elektronik und Zuspielband. Der 2005 verstorbene Hanno Haag war in der Region nicht nur als Komponist und Musikpädagoge geschätzt. Sein letztes Werk schrieb er für die drei Töchter der Musikerfamile Kaever, in Anspielung auf deren Namen „Kaefer-Ballett“ genannt. Ein klingendes Insektarium für ein bis drei Streichinstrumente, zwischen Schostakowitsch und moderneren Stilen verortet, von Anna (Violine), Paula (Viola) und Klara (Violoncello) Kaever als Uraufführung vorgetragen. Interessant das aleatorisch geprägte„Damespiel“ für Violine, Cello und zwei Damespielerinnen der Wienerin Gabriele Proy. Zwei Spielerinnen tragen ein Match des alten Brettspiels aus, was auf eine Leinwand übertragen wird, Violine (Juliane Reiss) und Cello (Isabel Eichenlaub) spielen die Spielzüge nach, wobei jedem der nummerierten Steine eine bestimmte Tonfolge zugeordnet ist. Dadurch gerät jede Aufführung anders. Schließlich fünf „Anregende Studien“ der in Heidelberg lebenden russischen Komponistin Olga Magidenko, von dem Speyerer Pianisten David Serebrajnik hinreißend gespielt, mit einem fetzigen Blues am Schluss.