Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Musikalischer Jungbrunnen: Beatles-Konzert von The Beatbox im Palatinum

 The Beatbox reproduziert authentisch, lebendig und laut die Musik ihres Vorbilds – die Beatles.
The Beatbox reproduziert authentisch, lebendig und laut die Musik ihres Vorbilds – die Beatles.

Erleben die Beatles gerade ein Comeback? Beim Blick in den Veranstaltungskalender sieht es danach aus. Jetzt war die italienische Band Beatbox mit „The Beatles Live Again“ im Palatinum in Mutterstadt zu erleben.

Vor gerade einmal zwei Wochen spielten die norddeutschen Silver Beatles im Mannheimer Capitol. Am 10. Februar gastieren die Slowenen HELP! A Beatles Tribute im Neustadter Saalbau und am 14. März The Cavern Beatles – wie die originalen Vorbilder aus Liverpool – in der Speyerer Stadthalle. Wenn man es darauf anlegte, könnte man wohl in ganz Deutschland Abend für Abend eine Beatles-Coverband erleben. Nun also „The Beatles Live Again“, dargeboten von The Beatbox in Mutterstadt, von vier Italienern.

Riccardo Bagnoli ist als Paul McCartney zu hören und zu sehen und spielt, obwohl Rechtshänder, den Höfner-Bass wie das große Vorbild linkshändig. Filippo Caretti ist John Lennon und kommt ihm stimmlich wirklich sehr nahe. Die meisten Titel teilen die beiden unter sich auf wie einst das bewährte Songschreiberduo Lennon/McCartney. Michele Caputo beschränkt sich wie der echte George Harrison weitgehend auf die Gitarre, singt aber auch dessen Lieder „While My Guitar Gently Weeps“ oder „Here Comes the Sun“. Federico Franchi darf als Ringo Starr natürlich „Yellow Submarine“ anstimmen und gibt sich auch sonst – Kaugummi kauend, gut gelaunt und zum Scherzen aufgelegt – wie der echte Drummer der Beatles. Zu ihnen kommt mit Claudio Airo ein fünfter Beatle hinzu, sozusagen der George Martin oder Billy Preston der italienischen Beatboxer. Hinter seinem Keyboard hält er sich ein wenig versteckt im Halbdunkel der Bühne, um das überlieferte Bild der „Fab Four“ nicht zu stören.

Sie treten zunächst als Pilzköpfe in den eng geschnittenen, hochgeknöpften Anzügen ihrer Frühzeit auf und nach der Pause mit längeren Haaren und legererer Kleidung. Die rasante Entwicklung, die die Beatles innerhalb weniger Jahre nahmen, greifen The Beatbox auf diese Weise wie freilich auch musikalisch auf. Sie werden von Rockern zu Psychedelikern. Das alles wirkt samt Ringos Ludwig-Drumset und den alten Vox-Verstärkern, die auf der Bühne stehen, ziemlich authentisch, etwas ungeschliffen sogar, lebendig und laut. So laut, dass der ein oder andere Besucher mal auf sein Hörgerät verzichten kann.

Weg mit den Rollatoren

Denn im Gegensatz zu diesen Beatles, die auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Trennung und Jahrzehnte nach dem Tod von George Harrison und John Lennon überhaupt nicht gealtert zu sein scheinen, ist es das Publikum dann doch. Überwiegend erscheinen die feiernden Besucher in einem Alter, das sie die nur etwa zehn Jahre währende Karriere der Beatles noch als Zeitgenossen miterleben ließ. Die Musik jener Tage, von The Beatbox annähernd perfekt reproduziert, lässt sie zweieinhalb Stunden lang von „I Want to Hold Your Hand“ (1963) bis „Hey Jude“ (1968) wieder gut 50 Jahre jünger werden. Da schieben Senioren, die sich sonst höchstens in altersgerechter Gymnastik üben, ihre Rollatoren beiseite und tanzen, singen und klatschen im Takt. Und die Jungen, die auch unter den Konzertbesuchern sind, lernen die Beatles neu kennen und sorgen vielleicht für ein Comeback der Originale oder ihrer erstaunlich zahlreichen Tribute- und Coverbands.

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