75. Geburtstag von Alt-OB Schulte
Modernisierer mit Ecken und Kanten
Für die aktuelle Amtsinhaberin und Parteikollegin Jutta Steinruck (60) hat Wolfgang Schulte viel bewegt und bewirkt. So habe er die Weichen für die Bebauung am Rheinufer Süd gestellt und den Grundstein für eine moderne Stadtentwicklung gelegt. „Er stand vor der großen Herausforderung, Verwaltung und Stadtgesellschaft durch Zeiten großer Umbrüche im Kontext der wachsenden Globalisierung zu führen und sie zukunftsfest aufzustellen. Mit großer Entschlossenheit, Mut, Weitblick und Beharrlichkeit ist ihm das gelungen“, findet Steinruck und ergänzt: „Sein konsequentes Eintreten für soziale Gerechtigkeit, sein unbedingter Modernisierungswille und sein scharfer und unbestechlicher Verstand haben mich immer beeindruckt. Ich schätze ihn als geradlinige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, die begeistern kann.“
Für Stärkung der Kommunen eingesetzt
Schulte habe sein Amt in einer Zeit angetreten, in der Ludwigshafen schwere finanzielle Einbußen zu verkraften gehabt habe und sich neuen sozial- und wirtschaftspolitischen Aufgaben habe stellen müssen. In einer Zeit, in der gerade im produzierenden Gewerbe Arbeitsplätze verloren gegangen waren, habe er in den 90er-Jahren dafür gesorgt, dass die wirtschaftliche Basis der Industriestadt verbreitert wurde. Sichtbarstes Zeichen dafür sei die Entwicklung Westlich B9 in Oggersheim gewesen. Als vehementer Verfechter der kommunalen Selbstverwaltung habe er sich zudem für einen nachhaltigen Finanzausgleich und die Stärkung der Kommunen eingesetzt. „Ein Thema, das Ludwigshafen auch noch heute umtreibt“, sagt Steinruck.
„Spürbarer Modernisierungswille“
Unter dem Motto „Anschluss 2000“ veränderte sich die Innenstadt unter Schulte zunehmend: mit dem neu gestalteten Berliner Platz, dem neuen S-Bahnhof-Mitte und der Bebauung am Rheinufer Süd. „Schultes Modernisierungswille war spürbar. Unter seiner Führung startete eine landesweit beachtete Verwaltungsreform, Ludwigshafen wurde Modellstadt in Rheinland-Pfalz“, sagt Steinruck.
Ein handfester Skandal
Doch bei seiner Partei fiel Schulte in Ungnade, als er lange nicht erklärte, ob er erneut kandidieren werde und dann bekannt wurde, dass er sich heimlich nach einem Top-Job im Management des Sparkassenverbands umschaute – ein handfester Skandal. Letztlich verzichtete Schulte, und die SPD musste mit Ulrich Gaißmayer einen Notnagel als OB-Kandidaten aus dem Hut zaubern, der gegen CDU-Bewerberin Eva Lohse chancenlos war.
Schulte wurde am 30. September 1947 in Paderborn geboren. Nach dem Jura-Studium folgten Stationen im Innenministerium von Schleswig-Holstein und im Bundesfinanzministerium. Im April 1985 wurde er Beigeordneter in Ludwigshafen, im Oktober 1991 Bürgermeister. Vom 1. Juli 1993 bis zu seinem Ausscheiden am 31. Dezember 2001 amtierte er als OB.
Das sagt SPD-Chef Guthier
„Ich gratuliere Wolfgang Schulte herzlich zu seinem runden Geburtstag. Er hat sowohl in seiner Zeit als Sozialdezernent als auch als Oberbürgermeister positiv für Ludwigshafen gewirkt“, sagt der Ludwigshafener SPD-Chef David Guthier über den Alt-OB. „Mit ihm verbunden ist seine Vision, ,Ludwigshafen auch in der City endlich an den Rhein zu bringen’, die er in seiner Antrittsrede als OB formuliert hat. Hier war er Ideengeber und Wegbereiter. Er steht außerdem für ein kommunales Wohnungsbauprogramm, für Stadtteilerneuerungsmaßnahmen, etwa in Oggersheim, sowie für den Ausbau von Jugendfreizeitstätten. Das macht deutlich, dass ihm die Stadtteile ebenso am Herzen lagen. Dafür gebührt ihm unser Dank und unsere Anerkennung.“