Ludwigshafen Mit Wolle und Leder

Gingen am Samstag an der Radrennbahn mit ihren „Klassikern“ auf die Strecke (von links): Egon Hopfinger, Hermann Ballosch, Huber
Gingen am Samstag an der Radrennbahn mit ihren »Klassikern« auf die Strecke (von links): Egon Hopfinger, Hermann Ballosch, Hubertus Zimmer, Olaf Neu und Timo Rokitta.

70 Kilometer durch die Vorderpfalz – über Oggersheim, Ruchheim, Mutterstadt, Dudenhofen, Speyer und zurück nach Ludwigshafen – hatten sich die fünf Unerschrockenen der Radklassiker-Ausfahrt des RSC Ludwigshafen vorgenommen.

Das Wetter zeigte sich am Samstag nicht von seiner besten Seite. „Das hat uns sicherlich Teilnehmer gekostet“, meinte Initiator Hermann Ballosch. Nicht jeder durfte mitradeln. Der fahrbare Untersatz sollte mindestens ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben und aus Stahl gefertigt sein. Einer der ersten Sportler, der zum Treffpunkt an der Radrennbahn erschien, war Timo Rokitta aus Kindenheim. 30 Kilometer hatte er da auf seinem Italiener von Benotto schon zurücklegt. Am Samstagabend hatte er dann 130 Kilometer in den Beinen. Ein Klacks für den Extremsportler, der bereits den härtesten Eintages-Marathon, die Tour de Mont Blanc mit 330 Kilometern und 8000 Höhenmetern, absolviert hat. Allerdings fuhr er dort nicht mit seinem in den 1980er-Jahren gebauten Drahtesel, sondern mit einem Hightech-Rad. Das Benotto hat er zum Schnäppchenpreis von 70 Euro seinem Büronachbarn abgekauft. „Ich habe es zunächst von einem Spezialisten in Plankstadt neu lackieren lassen“, erzählt der Kindenheimer. Mit einem Wildledersattel, einem Original-Lenkerband aus jener Zeit und Firmen-Aufklebern, die er in England bestellt hatte, möbelte er das Rad auf und machte es zu einem Blickfang. „Und natürlich durfte auch der Tacho aus den 70ern nicht fehlen“, sagte Rokitta augenzwinkernd. Einzig der Fahrradcomputer mit Navigation und GPS passten nicht zum Gesamteindruck. „Ohne den hätte ich aber den Weg hierher zur Radrennbahn nicht gefunden“, witzelte er. Kurz vor dem Start um 13 Uhr wurde kräftig gefachsimpelt, der Geierschnabel-Sattel begutachtet und gestreichelt. Egon Hopfinger hatte nicht nur das passende Rad dabei, sondern streifte sich auch ein wollenes Trikot über. Zwar keine schweißabsorbierende Funktionsfaser, aber dafür eben „echt“. Selbst die alten Radschuhe aus Leder durften bei einigen Sportlern nicht fehlen. Als Experte für Klassik-Rennräder hat sich RSC-Vorstand Hermann Ballosch einen Namen gemacht. Dabei hat er sich dem Hobby erst vor rund fünf Jahren verschrieben. „In einem Anfall des Wahnsinns habe ich damals meine Motorradsammlung verkauft und bin umgestiegen“, berichtete der Ludwigshafener, der inzwischen 15 komplette Rennräder und 15 zerlegte sein Eigen nennt. Für die Radklassiker-Ausfahrt hatte er ein englisches Schätzchen aus der Garage geholt: ein Raleigh-Stahlrennrad. Ab 300 Euro aufwärts muss der Radfan dafür hinblättern. „Was aber vor allem zählt, ist der ideelle Wert.“ Wer noch Ersatzteile brauchte oder sich gar einen Klassiker kaufen wollte, war am Sonntag beim Pfälzer Radklassiker-Treff auf der Radrennbahn in Friesenheim richtig. Als Ort für Bastler, Sammler und Liebhaber alter Rennräder habe sich die Veranstaltung etabliert, sagte der RSC-Vorstand. Und wer Lust hatte, konnte sein neu erworbenes Rad auf der Radrennbahn sogar noch testen.

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