Mannheim
Mit neuem Konzept gegen Taubenplage
Sie sind von vielen unerwünscht und werden als Schädlinge verteufelt. Doch selbst jene, die sie satt haben, tragen zu deren Ernährung bei – ob sie wollen oder nicht. Stadttauben leben meist vom Abfall unserer Wohlstandsgesellschaft.
Das Hauptproblem einer großen Population jener verwilderten Nachkommen von Brieftauben ist die Verschmutzung der Häuser und Plätze mit Kot. Deshalb haben die Städte Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen bislang grundsätzliche Fütterungsverbote angeordnet. Nur während der Corona-Pandemie hatte Mannheim es an manchen Orten ausgesetzt. Solche Verbote gelten allerdings als ungeeignet, die Tierbestände nachhaltig zu verringern, wie nicht wenige Experten meinen. Inzwischen setzen immer mehr Kommunen auf ein erfolgreiches und tierschutzgerechtes „Geburtenkontrollkonzept“. Es basiert auf der Bindung der Vögel an parasitenfreie Taubenschläge und Nistplätze, auf kontrollierter und artgerechter Fütterung und auf dem Austausch der Gelege durch Ei-Attrappen.
Über 5000 der Vögel in der Stadt
Auch Mannheim geht das Problem jetzt an. Geschätzt über 5000 der Vögel sind es inzwischen vor Ort und selbst in Tierschutzkreisen wird die Menge wegen ihrer Ausbreitung kritisch gesehen. Das Links-Bündnis hat nun gemeinsam mit dem Verein Stadttaubenprojekt Rhein-Neckar einen Erfolg im Gemeinderat erzielt: Es gibt ein Konzept für den Umgang mit den Vögeln in allen Mannheimer Stadtteilen. Stadttaubenmanagement ist es überschrieben. Das wichtigsten Vorhaben: das Errichten von zehn neuen Taubenschlägen in den Stadtteilen Neckarstadt-Ost, Seckenheim, Feudenheim, Jungbusch und Vogelstang. Hier wird eine regelmäßige artgerechte Fütterung und Geburtenkontrolle durch Eiertausch garantiert. Dort wird auch der Großteil des Taubenkots entsorgt.
Zwar betreibt der Tierschutzverein Mannheim mit Unterstützung der Stadt schon einige Jahre zwei, zeitweise drei Taubenschläge. Diese waren jedoch zu keiner Zeit ausreichend, um die wild lebenden Nachkommen der Zuchttauben einzudämmen. In einem ersten Schritt werden drei Taubenschläge in der Innenstadt und auf der Vogelstang auf oder in Hausdächern errichtet. Diese Bauart ist wesentlich preiswerter und besser zu betreuen als die Taubenhäuser auf Pfählen. In den nächsten Jahren sollen weitere Schläge in der Innenstadt und der Neckarstadt-Ost hinzukommen, so dass zukünftig über 2000 Tauben darin betreut werden können. Der Austausch der bebrüteten Eier durch Gips-Attrappen kann die Population um mehrere Tausend Nachkommen je Schlag verringern. Besonders sichtbar wird die Reduzierung des Taubenkots auf Straßen, Häusern und Denkmalen sein.
Das sagt ein Tierschützer
Die Betreuung der Taubenschläge wird von städtischem Personal übernommen. Auch die Finanzierung von rund 80.000 Euro liegt bei der Kommune, die dadurch eine Menge Aufwand für die Entfernung des durch Fehlernährung dickflüssigen Taubenkots einspart. Der Prozess wird von einem Arbeitskreis begleitet, in dem auch das Stadttaubenprojekt und der Tierschutzverein vertreten sind. Der federführende Mannheimer Stadtrat Andreas Parmentier von der Tierschutzpartei sagt: „Der gemeinsam mit dem Stadttaubenprojekt erreichte Kompromiss wird eine deutliche Verbesserung sowohl für die von schlechter Ernährung und Krankheiten betroffenen Stadttauben als auch für die vom ungefährlichen, aber ästhetisch störenden Taubenkot betroffene Bevölkerung bringen. Und durch ausreichend artgerechtes Körnerfutter in den Schlägen werden die Stadttauben kaum noch Essensreste wie weggeworfene Pommes fressen, die zum durchfallähnlichen Kot führen.“